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Amerika

Augen auf McCain

Nach dem "Super-Dienstag" steht John McCain im Lager der Republikaner als klarer Favorit für die Präsidentschaftskandidatur da. Bei den Demokraten bleibt es dagegen spannend. Ein Kommentar von Daniel Scheschkewitz.

Themenbild Kommentar

Daniel Scheschkewitz

Daniel Scheschkewitz

Fasziniert und hoffungsvoll blickt die Welt in die Vereinigten Staaten. Fasziniert, weil das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten zwischen Hillary Clinton und Barack Obama mehr ist als ein politischer Gigantenkampf. Die Auseinandersetzung ist zudem ein Geschlechter- und Hautfarbenduell. Hoffungsvoll, weil nicht nur Clinton und Obama, sondern auch der Dritte im Bunde der aussichtsreichen Kandidaten, John McCain, eine deutliche Abkehr von der verpönten Bush-Ära verspricht.

Diese Hoffnung wurde am Super-Dienstag (5.2.2008) bei den Vorwahlen in mehr als 20 Bundesstaaten weiter genährt. Obama und Clinton sind beide noch im Rennen. Der Zweikampf könnte spannend bis zuletzt bleiben und droht die demokratische Partei vor eine Zerreißprobe zu stellen.

Mit McCain sollte man rechnen

McCain wiederum geht als der klare Sieger aus dieser Vorentscheidung heraus und die Welt wäre gut damit beraten, sich den als Außenseiter gestarteten Kriegsveteranen genauer anzusehen. Denn aus vielerlei Gründen ist es keinesfalls unwahrscheinlich, dass auch der 44. Präsident der Vereinigten Staaten wieder ein Republikaner sein wird.

McCain hat den konservativen Mormonen Mitt Romney am Dienstag jedenfalls klar hinter sich gelassen. McCain hat bewiesen, dass er nicht nur im Norden der USA , wie in New Hampshire und in den Südstaaten, wie zuletzt in South Carolina, sondern auch im liberalen Westenküstenstaat Kalifornien punkten kann. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Gut möglich, dass der dann 72-jährige John McCain 2009 als zu Dienstbeginn ältester aller US-Präsidenten ins Weiße Haus einziehen wird. McCain, der im Vietnamkrieg fünf Jahre als Kriegsgefangener in den Verliesen des Vietkongs verbrachte, könnte vielen Amerikanern im November als das geringere Risiko erscheinen. Anders als Hillary Clinton ist McCain abgeklärt und wird nicht wie die ehemalige First Lady vom eigenen Ehrgeiz zerfressen. Er ist humorvoll, schlagfertig und mit seiner langjährigen außenpolitischen Erfahrung allemal kalkulierbarer als der noch junge und in Sicherheitsfragen unerfahrene Obama.

Kandidatenkür als Marathon

McCain hat sich als Widersacher Präsident Bushs bei so wichtigen Fragen wie der Führung des Irakkriegs oder der Diskussion um das Gefangenenlager Guantanamo einen guten, weil vom regierenden Präsidenten unabhängigen, Ruf erworben. In der für Amerika wichtigen Einwanderungsfrage ist er liberal. Und ihm würde man auch bei den enttäuschten Verbündeten Amerikas wieder Vertrauen entgegenbringen.

Erstmals seit 20 Jahren entwickelt sich die Kandidatenkür in den USA wieder zu einem Marathon. Bis im demokratischen Lager einer der beiden Kandidaten genügend Delegierte hinter sich gebracht hat, könnte es noch einige Wochen, wenn nicht gar Monate dauern. Zeit genug für die Amerikaner und den Rest der Welt, sich schon einmal mit John McCain anzufreunden.

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