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Kultur

Aufzüge für die 1000-Meter-Wolkenkratzer

In Aachen wird ein magnetischer Fahrstuhl für Wolkenkratzer entwickelt. Geht es nach den Wissenschaftlern der Technischen Hochschule, dann sind Fahrstühle an Seilen bald Geschichte.

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Für Wolkenkratzer wie den geplanten Burj Dubai werden besondere Fahrstühle gebraucht

Weltgrößter Wolkenkratzer

Weltgrößter Wolkenkratzer: Taipeh 101 in Taiwan, 508 Meter hoch. Bis zu 30 Prozent der Fläche werden für herkömmliche Aufzüge gebraucht

Im Institut für elektrische Maschinen der Technischen Hochschule Aachen steht Oberingenieur Dirk van Riesen vor einem Versuchsfahrstuhl, der vier Meter in die Höhe ragt. Er wird nicht von Seilen, sondern von einem Magnetfeld in die Höhe gezogen. Das Verfahren funktioniert so ähnlich wie bei der Magnetschwebebahn Transrapid, nur dass der Fahrstuhl sich senkrecht bewegt. Am Fahrkorb werden Permanentmagnete befestigt und im Fahrstuhlschacht elektrische Spulen angebracht. Diese Spulen werden abschnittsweise mit Strom versorgt. Dadurch wird das wandernde Magnetfeld erzeugt, mit dem der Fahrkorb angetrieben wird. Nach Oberingenieur van Riesen ist dieser Fahrstuhl vor allem mit Blick auf eine Weltgegend entwickelt worden, in der man in ganz großen Dimensionen denkt: "Dieser Fahrstuhl eignet sich am besten für sehr, sehr hohe Gebäude, Riesenwolkenkratzer wie sie jetzt in Asien geplant oder auch schon gebaut werden."

Seile zu schwer

Die Bevölkerungsexplosion, aber auch der Modernisierungseifer in Asien hat Visionen von immer höheren Wolkenkratzern entstehen lassen. Der Millennium Tower in Tokio soll 840 Meter hoch werden. Der von dem Team um den spanischen Architekten Javier Pioz entworfene Bionic Tower in Shanghai könnte sogar als erster die magische 1000-Meter-Marke überschreiten. Doch für die herkömmlichen an Stahlseilen hängenden Aufzüge wären solche Höhen nicht mehr zu bewältigen. Die Stahlseile würden zu schwer und unter ihrem eigenen Gewicht reißen. Das Problem hat der von einem Magnetfeld angetriebene Fahrstuhl nicht. Seine Förderhöhe ist praktisch unbegrenzt. Aber er hat noch weitere Vorteile. Diplomingenieur Benedikt Schmülling denkt bereits an ein ganz revolutionäres System: "Da der Aufzug ohne Seil funktioniert, kann man sich vorstellen, dass er wie zum Beispiel bei einem Paternoster sich nicht nur senkrecht, sondern auch waagerecht bewegt und somit einen Schacht hochfährt, in einer oberen Etage waagerecht in den nächsten Schacht wechselt und dort wieder herunterfährt." Der Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Paternoster sei dann, dass sich die Fahrkörbe unabhängig voneinander bewegen und somit auch in jeder Etage anhalten können.

30 Prozent der Fläche

Magnefeldaufzug

Schematische Darstellung des Magnetfeldaufzugs

Ein weiterer Vorteil: Man kann viel Platz sparen. Heute werden noch bis zu 30 Prozent der Fläche im Innern eines Hochhauses für die Aufzüge verwendet. Da sich bei dem magnetfeldgetriebenen Fahrstuhl auch mehrere Fahrkörbe im Schacht bewegen können und riesige Seilwinden und Maschinenräume nicht gebraucht werden, könnte man etwa die Hälfte der bisher verbrauchten Fläche einsparen. So würde mehr Raum für Wohnungen oder Büros bleiben. Angst davor, dass das Magnetfeld mal versagt und der Fahrstuhl abstürzt, muss man nicht haben: "Wenn der Strom ausfällt, fällt der Aufzug natürlich nicht runter", beruhigt Schmüling. "Wenn der Aufzug fällt, fahren Krallen aus, die den Aufzug im Schacht festkrallen und so ein Abstürzen verhindern."

Stehende Münzen

Der Versuchsfahrstuhl an der Technischen Hochschule Aachen dient zurzeit als Demonstrationsobjekt für Interessenten aus aller Welt. Der eindrucksvollste Test, den Oberingenieur Dirk van Riesen vorführt, ist gleichzeitig der einfachste. "Um den ruhigen Lauf des Fahrstuhls zu testen, brauchen wir jetzt keine komplizierten Messeinrichtungen,", sagt van Riesen. "Wir nehmen einfach eine Münze, stellen die senkrecht auf den Kabinenboden und lassen den Aufzug bei maximaler Geschwindigkeit fahren. Wenn dann am Ende die Münze noch steht, haben wir unsere Arbeit gut gemacht. "

Und es funktioniert tatsächlich. Die Münze bleibt stehen. Vielleicht wird man schon in wenigen Jahren in einem gigantischen Wolkenkratzer in Asien in den Fahrstuhl der Zukunft steigen, in dem man wie von Geisterhand getragen nach oben schwebt.

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