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Ostmitteleuropa

Auftragsmord an einer Journalistin in Tschechien verhindert

– Ex-Staatsekretär im Außenministerium als Auftraggeber festgenommen – Politiker schockiert

Köln, 23.7.2002, CTK, RADIO PRAG, PRAVO, MLADA FRONTA DNES

CTK, tschech., 23.7.2002

Die tschechische Polizei hat den früheren Staatssekretär im Prager Außenministerium Karel Srba und drei weitere Personen des geplanten Auftragsmordes an einer Journalistin beschuldigt. Die Polizei wurde über die geplante Ermordung von Sabina Slonkova (populäre Prager Enthüllungsjournalistin, Redakteurin der auflagenstärksten tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" – MD) von einem der mutmaßlichen Auftragsmörder rechtzeitig informiert. (...) Am vergangenen Donnerstag (18.7.) sind drei der Verdächtigen und am Freitag (19.7.) auch Karel Srba festgenommen worden. Den Beschuldigten droht eine Freiheitsstrafe von 12 bis 15 Jahren bzw. eine außerordentliche Strafe. (...) (ykk)

RADIO PRAG, deutsch, 23.7.2002

(...) Nach Angaben der Polizei soll Srba mit seiner Lebensgefährtin und zwei mutmaßlichen Auftragsmördern geplant haben, einen Sprengstoffanschlag auf die Journalistin zu verüben. Der Plan sei kurz vor der Tat bekannt geworden. (...)

Srba war Mitarbeiter des früheren tschechischen Außenministers und künftigen Vorsitzenden der UN-Generalversammlung, Jan Kavan. (...)

Ex-Außenminister Jan Kavan, der den beschuldigten Srba 1998 als einen Garanten der Kampagne "Saubere Hände" (Antikorruptionsprogramm der früheren Regierung Zeman – MD) im auswärtigen Amt angestellt hatte, hat den Informationen der Nachrichtenagentur CTK zufolge jedweden Zusammenhang seiner Person mit Srbas Skandal zurückgewiesen. Srba wurde bestimmten Informationsquellen zufolge im Außenministerium auf Empfehlung von Miroslav Slouf beschäftigt, der damals das Beraterteam von Premier Milos Zeman leitete. (ykk)

PRAVO, tschech., 23.7.2002

"Die tschechische Polizei hat am 9. Juli intensive Ermittlungen im Fall der geplanten Ermordung der Journalistin Sabina Slonkova aufgenommen. Nach allen möglichen Beteiligten sowie Motiven und Hintergründen wird gründlich gesucht. Der Innenminister Stanislav Gross hat gestern (22.7.) den Ministerpräsidenten Vladimir Spidla und den Außenminister Cyril Svoboda persönlich über den Stand der Ermittlungen informiert. Der Minister Gross versicherte, sein Ressort werde mit allen zur Verfügung stehenden Mittel die tschechische Gesellschaft vor Praktiken schützen, die mit der Demokratie nicht zu vereinbaren seien," sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. (...) (ykk)

MLADA FRONTA DNES, tschech., 23.7.2002

Tschechische Politiker sind von dem aufgedeckten Mordkomplott gegen die Journalistin Slonkova schockiert. (...) "Diesen ernsthaften Fall müssen wir untersuchen. Seiner Aufklärung messe ich große Bedeutung bei", sagte Tschechiens Regierungschef Vladimir Spidla, der zugleich Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei (CSSD) ist. (...)

Der Vorsitzende des tschechischen Journalistenverbandes Rudolf Zeman sieht in dem geplanten Mordkomplott einen Einschüchterungsversuch gegenüber Journalisten. Bei der geplanten Ermordung der Mlada fronta Dnes-Reporterin handele es sich, so Zeman, nicht nur um einen persönlichen Racheakt, sondern auch um einen Versuch, weitere Journalisten einzuschüchtern. (...) (ykk)

MLADA FRONTA DNES, tschech., 23.7.2002

Mlada fronta Dnes-Reporterin Sabina Slonkova sollte ermordert werden. Den Auftrag für ihre Ermordung gab laut Angaben der Polizei Karel Srba, einer der engsten Mitarbeiter des Ex-Außenministers Jan Kavan. Srba sowie drei weitere Personen sind inzwischen festgenommen und inhaftiert worden. (...)

Der Mord von Sabina Slonkova wurde für den 9. oder 10.Juli geplant. Dies bestätigte der mit diesem Fall beauftragte Ermittler Barnabas Liska. Die Journalistin hat paradoxerweise der Auftragsmörder gerettet.

Am 9. Juli meldete sich bei der Polizei im südtschechischen Wimperk der als Krimineller und Drogenabhängiger bekannte Bürger Karel Rziepel. Dabei teilte er mit: "Ich wurde beauftragt, sie zu ermorden." Er hatte ein Päckchen des Sprengstoffes Semtex, ein Foto von Slonkova und ihre Anschrift dabei. Daraufhin wurde sofort eine entsprechende Aktion gestartet. Die Journalistin ist in Sicherheit gebracht worden. Die Polizei hat sie für fast zwei Wochen versteckt.

Rziepel war schon in der Vergangenheit hinter Gittern, einen Mord hat er jedoch nie verübt. Er war bereit, mit Polizeibeamten zusammenzuarbeiten. (...) Somit war der Weg von Rziepel zu dem Mord-Auftraggeber Karel Srba nicht lang gewesen. (...)

Was für ein Motiv könnte Srba für die Ermordung der Journalistin haben?

Sabina Slonkova hatte in der Vergangenheit für die Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" zusammen mit einem Kollegen eine ganze für Karel Srba bestimmt unvorteilhafte Artikelreihe geschrieben.

Im Frühjahr 2001 hatte sie unter anderem berichtet, dass ein dem tschechischen Staat gehörendes Gebäude in Moskau auf fragwürdige Weise an eine private Firma verpachtet worden sei. Der damalige Außenminister Jan Kavan hatte von dieser Angelegenheit zwar gewusst, die Verantwortung dafür hat jedoch sein Staatssekretär Srba persönlich übernommen. Kurz darauf ist er von seinem Amt zurückgetreten. Der Schaden im Fall "Verpachtung in Moskau" beläuft sich laut offiziellen Schätzungen auf 100 Millionen Kronen.

Im Frühjahr diesen Jahres berichtete Slonkova, Srba habe mehrere Grundstücke und Immobilien in einem Gesamtwert von mehr als 10 Millionen Kronen erworben. Als Regierungsbeamter konnte er so viel Geld nicht verdienen. Srba war jedoch nicht imstande zu erklären, woher er das Geld hat. (...) (ykk)

  • Datum 23.07.2002
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