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Kultur

Auftrag, welcher Auftrag?

250 Soldaten der Bundeswehr sind in der staubigen Lehmstadt Kundus in Nordafghanistan stationiert. Doch über den Sinn ihres Einsatzes lässt sich streiten. DW-Reporterin Sandra Petersmann beleuchtet das Für und Wider.

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Auslandseinsatz in der Drogenhochburg: Bundeswehrsoldaten bei Kundus

Major Michael Erben ist einer der wichtigsten Soldaten im deutschen Kontingent in Kundus. Der 37-jährige Familienvater ist das Bindeglied zwischen der Bundeswehr und allen zivilen Helfern, die beim regionalen Wiederaufbauteam der Deutschen mitmachen sollen oder wollen. "Das ist für uns als Militärs natürlich erst mal schwierig, weil unser Auftrag ja bedeutet, dass wir ein sicheres Umfeld für die zivilen Organisationen schaffen sollen", sagt er. "Aber meines Erachtens geht es für uns in erster Linie darum, bessere Lebensumstände für die Bevölkerung zu schaffen."

Das neue Einsatzgebiet der Deutschen umfaßt die vier nordöstlichen Provinzen Kundus, Baghlan, Takhar und Badakhshan. Eine vergleichsweise ruhige Gegend mit großen Kriegsschäden. "Wenn es uns jetzt gelingt, den Frieden durch einen spürbaren Wiederaufbau zu stabilisieren, dann ist das nicht nur gut für Afghanistan und Präsident Hamid Karsai, sondern auch für uns", glaubt Michael Erben. Die Bundeswehr habe auf diese Art und Weise immerhin die Möglichkeit, auch etwas für die Menschen zu tun, und das komme in jedem Fall auch positiv auf Deutschland zurück, erklärt der Offizier.

Bundeswehr vs. Warlords

Die Hilfsorganisationen, die schon länger vor Ort sind, hören diese Argumentation mit Skepsis. Volker Rath vom Kölner Notärztekomitee Cap Anamur vermutet, dass die Bundesregierung die Soldaten überhastet und ohne schlüssigen Auftrag in die sensible Drogen-Hochburg Nordafghanistan geschickt hat. Seine Warnung: hier oben in den Bergen regeln die lokalen Kriegsfürsten ihre Angelegenheiten unter sich. Kabul und Karsai sind weit weg. "Und derjenige, der hier etwas ändern möchte, ohne ein Alternativkonzept für eine Änderung zu haben, der wird Probleme bekommen", beschreibt er die Situation.

Mehr Risiko durch deutsche Soldaten

Auch die Deutsche Welthungerhilfe bewegt sich seit mehr als einem Jahr frei und sorglos im Nordosten Afghanistans. Jetzt befürchten Mitarbeiter wie Hanife Kurt, mit der Bundeswehr in einen Topf geworfen zu werden. "Also, die Deutsche Welthungerhilfe bezieht eine ganz klare Position: Wir sind unabhängig, unparteiisch und wir sind hier, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Wir denken, dass militärische Zwecke nicht für politische Ziele instrumentalisiert werden sollten. Deshalb befürworten wir eine strikte Trennung von militärischen und zivilen Aufgaben."

Hilfe im Notfall

Es gibt auch andere Stimmen, die der Bundeswehr eine positive und konstruktive Rolle zutrauen. Almut Wieland-Karimi zum Beispiel ist hauptberuflich die Vertreterin der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Ehrenamtlich verstärkt sie das Team der "Mediothek für Afghanistan", die in Kundus ein geschütztes Haus für offene Diskussionen aufgebaut hat. Almut Karimi sieht die Bundeswehr als Akteur auf gleicher Augenhöhe mit den lokalen Machthabern. Die Bundeswehr soll hier die Position der Zentralregierung in Kabul stärken, sagt sie. "Gleichzeitig sind wir natürlich froh, dass die ISAF hier ist mit ihrer Infrastruktur, um uns in einem Notfall zu helfen."

Bundeswehr: Kundus statt Bagdad

Major Michael Erben, Verbindungsmann der Bundeswehr zu den Hilfsorganisationen, hofft, dass die gemeinsame Wiederaufbauarbeit trotz des harten Winters so schnell wie möglich losgeht, damit das Reden endlich ein Ende hat. Die Menschen auf den Straßen von Kundus ahnen nichts von der komplizierten Diskussion. Und es ist ihnen auch egal, ob die Bundeswehr nur deshalb ins vergleichsweise ruhige Kundus geschickt worden ist, weil sie auf keinen Fall mit den Amerikanern im Irak kämpfen soll. Die Menschen von Kundus haben nach einem viertel Jahrhundert Krieg Sehnsucht nach Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Sie wünschen sich Straßen, Brunnen, Krankenhäuser und Schulen. Egal von wem.

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