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Aktuell Europa

Auftakt im letzten Akt

Der letzte Prozess vor dem UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien hat begonnen. Angeklagt: Goran Hadzic, früherer Präsident der "Republik Serbische Krajina". Ex-Serbenführer Karadzic will derweil seine eigene Unschuld beweisen.

Goran Hadzic (Artikelbild) muss sich für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit von 1991 bis 1993 verantworten. Der 52-Jährige war erst 2011 in Serbien festgenommen worden, als letzter Gesuchter des Tribunals. Seit seiner Gründung vor fast 20 Jahren hat der UN-Strafgerichtshof für Ex-Jugoslawien (ICTY) Gericht insgesamt 161 Mal Anklage erhoben. Mehr als 60 Angeklagte wurden bisher rechtskräftig verurteilt, über 30 Verfahren laufen noch.

Erstaunliche Blitzkarriere

Vor dem Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) war Hadzic einfacher Verwalter eines Materiallagers in der Nähe von Vukovar im Osten des Landes. Bei Ausbruch des Krieges wurde er schnell erster Politiker der serbischen Minderheit in dieser Region. Von Februar 1992 bis Dezember 1993 stand er als Präsident an der Spitze der "Republik Serbische Krajina", dem mit militärischer Hilfe aus Belgrad von Kroatien abgespaltenen Gebiet der serbischen Minderheit. Hadzic habe in Kriegszeiten ein Riesenvermögen mit dem illegalen Verkauf von Heizöl und Treibstoff gemacht, heißt es.

Von Gerichten in den kroatischen Städten Osijek und Sibenik an der Adria wurde Hadzic in Abwesenheit bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Kreisgericht in Vukovar hatte 2003 gegen ihn und neun weitere Männer Anklage wegen eines der schwersten Kriegsverbrechen erhoben. Dabei waren im November 1991 in Vukovar nach der Eroberung der Stadt durch serbische Truppen mehr als 200 kroatische Gefangene ermordet worden.

Karadzic will Freispruch

Radovan Karadzic (Foto: AP)

Radovan Karadzic

Im Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic begann dieser unterdessen mit seiner Verteidigung - drei Jahre nach Beginn des Gerichtsverfahrens. Dabei wies er in Den Haag abermals alle Anschuldigungen zurück; er fordert einen Freispruch in allen Anklagepunkten. "Ich habe alles getan, um einen Krieg zu verhindern", sagte Karadzic. "Statt hier als Angeklagter zu erscheinen, sollte ich ausgezeichnet werden." Und Karadzic beteuerte: "Ich habe nie etwas gegen Muslime gehabt."

Der 67-Jährige will unter anderem beweisen, dass er keine Verantwortung für den Völkermord von Srebrenica 1995 trägt. Bei dem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg waren in der damaligen UN-Schutzzone bis zu 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden.

Video ansehen 01:49

UN-Tribunal: Karadzic will ein Held sein

Insgesamt starben im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 etwa 100.000 Menschen. Rund 2,2 Millionen weitere Menschen wurden vertrieben.

Karadzic, der sich selbst verteidigt, will 300 Zeugen aufrufen. Die Anklage hatte ihre Beweisführung im Mai abgeschlossen. Der ehemalige Serbenführer war nach 13 Jahren Flucht 2008 in Belgrad festgenommen worden, wo er jahrlang unbehelligt als Alternativmediziner "Dr. Dragan Dabic" arbeitete - mit weißem Haarzopf, Vollbart und dicker Brille.

wa/hp (dpa, afp, ape)

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