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Kultur

Auftakt einer Dekade

Weltweit kann fast eine Milliarde Menschen weder lesen noch schreiben. Als neue Anstrengung haben die Vereinten Nationen nun die "Dekade der Alphabetisierung" ausgerufen - mit hohen, aber nicht unerreichbaren Zielen.

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Schule nach Jahren Zwangspause

Analphabetentum kann leider oft nicht losgelöst gesehen werden von Armut in der Welt und fehlender Demokratisierung. Hoffnungslos ist die Lage trotzdem nicht: Seit ihrer Gründung 1945 setzen die Vereinten Nationen humanitäre Aktionen und Hilfsprogramme in Entwicklungsländern um. Und die UNO hat große Erfolge erzielt: Die weltweite Analphabetenrate ging bereits von mehr als einem Drittel 1970 auf fast ein Fünftel im Jahr 2000 zurück.

Für die UNESCO ist Bildung der Schlüssel für nachhaltige menschliche Entwicklung und damit für die Überwindung von Armut. Seit 1966 macht jedes Jahr am 8. September der Internationale Alphabetisierungstag die Weltöffentlichkeit darauf aufmerksam, dass das Menschenrecht auf Bildung noch lange nicht verwirklicht ist.

Als weiteren Schritt haben die Vereinten Nationen nun die Jahre 2003 bis 2012 zur "Internationalen Dekade der Alphabetisierung" erklärt. Konkrete Ziele sind, die Analphabetenrate auf die Hälfte zu reduzieren, allen Kindern Zugang zu Grundbildung zu verschaffen und damit nachhaltige Entwicklung, Frieden und Demokratie zu stärken. Eine große Aufgabe - aber keine unmögliche.

Grundbildung für alle

Nach neuesten Schätzungen der UNESCO wachsen fast 300 Millionen Kinder ohne Schulbildung auf oder brechen vorzeitig ab. 880 Millionen Erwachsene sind Analphabeten - zwei Drittel von ihnen Frauen. Etwa 600 Millionen Analphabeten leben allein in den ärmsten und bevölkerungsreichsten Ländern der Welt, in Bangladesch, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Ägypten, Mexiko, Nigeria und Pakistan.

Die Alphabetisierungs-Dekade ist eingebettet in bereits bestehende Aktionen wie "Education for All". Beim "Weltforum Grundbildung" 2000 in Dakar wurde als ein Ziel festgelegt, bis 2015 die Zahl der Analphabeten weltweit zu halbieren und Lernmöglichkeiten für alle, besonders auch Mädchen und Frauen, zu schaffen. Bis 2002 waren alle Staaten aufgerufen, Pläne zu entwickeln, um die Ziele der Dakar-Konferenz durchzusetzen.

Die Industrienationen haben ihren Part aber oft noch nicht erfüllt: Dr. Adama Ouane, Direktor des UNESCO-Instituts für Pädagogik in Hamburg, das als internationale Einrichtung auch das Monitoring der Dakar-Beschlüsse übernommen hat, spricht gegenüber DW-WORLD von einem "Missverständnis": Viele Industrienationen hätten gedacht, dass diese Verpflichtungen nur für Entwicklungsländer gelten würden. Dabei haben auch und besonders die Industrienationen die Aufgabe, "aus Solidarität mit den Entwicklungsländern einen Beitrag zu leisten", so Dr. Ouane, sprich: anderen Ländern zu helfen, "Grundbildung für alle" zu erreichen.

Machbar - in und mit den Industrienationen

Wird es bei der Umsetzung der Ziele der UN-Dekade besser laufen? Für die Koordinierung des Aktionsplans in Deutschland ist die deutsche UNESCO-Kommission zuständig. Der stellvertretende Generalsekretär Dr. Rissom erläuterte im Gespräch mit DW-WORLD die Vorbereitungen: "Ende Januar 2003 werden der Bundesverband Alphabetisierung, die zuständigen Ministerien und die Volkshochschulen an einem Tisch sitzen, um die jeweiligen Positionen zu sammeln". Nicht nur in den Entwicklungsländern, auch in Deutschland ist mit Schwierigkeiten bei der Finanzierung zu rechnen: Alphabetisierung ist arbeits- und damit kostenintensiv.

Einer OECD-Studie zufolge erreichen in Deutschland fast acht Millionen Bundesbürger lediglich das niedrigste Niveau der Lesekompetenz. Bildungsexperten des Bundesverbandes Alphabetisierung gehen etwas vorsichtiger von vier Millionen so genannten funktionalen Analphabeten mit einer unzureichenden Grundbildung aus. Und die PISA-Studie bestätigte jüngst die Besorgnis erregende Situation des deutschen Bildungssystems.

Ingan Küstermann, Lehrerin beim Berliner Verein "Lesen und Schreiben", begrüßt die Dekade als eine Chance, die Arbeit der Institutionen nicht nur einmal im Jahr sondern dauerhaft ins öffentliche Bewusstsein zu rufen - und vor allem Betroffene besser zu erreichen. Auch eine differenziertere Darstellung des Problems wäre wünschenswert: "Analphabeten sind weder behindert noch asozial - sondern einfach nicht ausreichend gebildet", so Küstermann.

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