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Wirtschaft

Aufstrebende Schwellenländer wollen eigene Entwicklungsbank

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika rücken enger zusammen. Ihre Staats- und Regierungschefs verständigten sich auf die Gründung einer gemeinsamen Entwicklungsbank. Eine Konkurrenz zu IWF und Weltbank?

Der gastgebende indische Ministerpräsident Manmohan Singh meinte, die vor mehr als sechs Jahrzehnten gegründeten weltweiten Institutionen von Politik und Wirtschaft hätten mit den Veränderungen der Welt nicht Schritt gehalten. Die Schwellenländer benötigten aber Zugang zu Kapital. "Wir haben unsere Finanzminister deshalb angewiesen, das Vorhaben bis zum nächsten Gipfel in einem Jahr auf seine Durchführbarkeit zu prüfen", sagte Singh.

Mit knapp drei Milliarden Menschen stellen die fünf so genannten Brics-Staaten mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung. Ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung beläuft sich mit rund 13 Billionen US-Dollar auf knapp ein Viertel.

Die angestrebte gemeinsame Entwicklungsbank soll Projekte sowohl in den Brics-Staaten als auch in anderen Schwellenländern fördern, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank nicht unterstützt werden.

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BRICS-Staaten stärken Zusammenarbeit

Weltbankpräsident Robert Zoellick begrüßte das Vorhaben und bot eine Zusammenarbeit an, sollte es in die Tat umgesetzt werden: "Wir freuen uns darauf, mit ihr zusammenzuarbeiten, um zu sehen, wie wir uns die jeweiligen Stärken des anderen zunutze machen können. Sie wird unsere Arbeit ergänzen", so Zoellick weiter.

In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich die fünf Länder besorgt über die Krise in der Eurozone und die angespannte Lage der Weltwirtschaft. Sie riefen die westlichen Wirtschaftsmächte auf, zugunsten der Weltkonjunktur auf "eine exzessive globale Liquiditätsversorgung" zu verzichten.

Vor allem die lockere Geldpolitik in den USA, Europa und Japan ist den Schwellenländern ein Dorn im Auge. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kritisierte, die reichen Länder pumpten zur Krisenbewältigung Unmengen von Geld in die Märkte. Dies bringe den Industrienationen enorme Handelsvorteile und anderen Staaten unfaire Hindernisse.

Mehr Geld für IWF nur gegen mehr Macht

Auch wollen sich die Brics-Staaten nur dann als Geldgeber für die weltweite Finanzfeuerwehr stärker beteiligen, wenn sie im IWF mehr zu sagen haben. Einer entsprechenden Reformvereinbarung von 2010 über die Ausweitung der Stimmrechte fehlt immer noch die Unterschrift der USA.

Die fünf Länder vereinbarten auf dem Gipfel Maßnahmen, die den Handel innerhalb des Brics-Verbundes erleichtern sollen. Dazu gehört die Vereinfachung der Kreditvergabe in den jeweiligen Landeswährungen durch die nationalen Entwicklungsbanken. Nach Ansicht von Experten könnte mit dem Abkommen das Handelsvolumen zwischen den fünf Staaten bis zum Jahr 2015 auf rund 500 Millionen Dollar (375 Millionen Euro) mehr als verdoppelt werden.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew lobte die Vereinbarungen als wichtige Schritte, um "Brics zu einer starken und mächtigen Organisation zu machen". Der chinesische Staatschef Hu Jintao sagte, neben der Kooperation in Fragen von Wirtschaft, Handel und Finanzen, komme es darauf an, dass die Brics-Staaten auch das "politische Vertrauen" untereinander vertieften.

uh/sti (dpa,rtr,dapd)

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