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Politik

Aufstand oder Krieg?

Die Koalitionstruppen schaffen es nicht, im Irak für Ordnung zu sorgen. Nun eskaliert die Gewalt und eine humanitäre Katastrophe könnte sich anbahnen.

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Japanischer Soldat in Samawah

"Die Lage im Irak ist miserabel. Das haben sich die Koalitionstruppen jedoch leider selbst eingebrockt - denn als sie den Irak angriffen, hatten sie keine gut ausgeklügelte Strategie für danach in der Tasche. Was jetzt dort geschieht, ist eine humanitäre Kathastrophe." Das sagt Nicole Schuweiri, Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Im Irak scheint ein Jahr nach dem Krieg ein neuer Krieg begonnen zu haben. Ist dies die Volksintifada einer wütenden irakischen Mehrheit?

Zumindest in einem sind sich Beobachter einig: Wenn Jugendliche in Falludscha Beifall klatschen, während amerikanische Leichen geschändet werden, wenn sich Zusammenstöße zwischen Bestazungstruppen und Irakern nun auf einen Großteil des Landes ausgeweitet haben - dann kann man nicht vom Terror einiger weniger Anhänger von El Kaida oder der Baath-Partei sprechen.

Wie viele Anhänger hat El Sadr?

"Man kann diese Bewaffneten Auseinandersetzungen nicht mehr als Werk einiger weniger Extremisten abtun. Nicht, wenn sie sich in derartiger Anhäufung über einen Großteil des irakischen Gebietes ausbreiten", sagt etwa Abdel Hussein Shabaan, irakischer Vorsitzender der arabischen Organisation für Menschenrechte. Es gehe um mehr: das sei jetzt der Widerstand der Bevölkerung.

Unklar ist, wie viele Anhänger Moktada el Sadr, der neue Erzfeind der USA, im Irak hat. Von 1000, 6000 oder 10.000 Anhängern der Mahdi-Miliz von El Sadr sprechen Beobachter, manche nennen gar 100.000 Mann, die dem jungen schiitischen Führer folgen sollen. Unklar ist auch, ob alle fünf Millionen Schiiten, die zumindest das Programm von El Sadr befürworten, auch einen islamischen Staat wollen.

Vor etwa einem Monat atmete die Welt auf: die Ergebnisse einer von europäischen Fernsehsendern im Irak durchgeführten Umfrage zeigten, dass mehr als 50 Prozent der Iraker ihre Situation als besser als noch vor einem Jahr einschätzten. Doch ohne Strom, Wasser, Energie, Arbeit und demokratische Strukturen wurden die meisten Iraker ihrem Schicksal überlassen - ein Nährboden für die wachsenden Unzufriedenheit im Zweistromland.

Geteilte Meinungen über die Ursachen der Gewalt

Die Ursache für die aktuelle Gewalt ist strittig. Der irakische Minister für Menschenrechte, Abdel Baset Turki, sieht die Hauptverantwortung für die jetzigen Unruhen bei den Koalitionstruppen. Die amerikanische Offensive in Falludscha, die Verhaftung eines Vertrauten von Muktada el Sadr sowie die Schließung seiner Zeitung hätten radikale Kräfte mobilisiert. Den Amerikanern fehle es einfach an Fingerspitzengefühl. Amnesty International und die Arabische Organisation für Menschenrechte bestehen jedoch darauf, dass dieser neue Krieg ein Jahr nach dem Krieg seine Ursache hauptsächlich in der latent vorhandenen Wut und Unzúfriedenheit innerhalb der irakischen Bevölkerung hat.

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