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Kultur

Aufschwung dank UNESCO

Es ist noch nicht lang her, dass die UNESCO acht mittelalterliche Holzkirchen zum Weltkulturerbe erklärt hat. Die slowakischen Bergdörfer hoffen nun auf einen Tourismusboom.

Blick auf die Kirche in Spisske Podhradie (Kirchdrauf). Seit 1993 Weltkulturerbe

Kirche in Spisske Podhradie, die seit 1993 ein Kulturdenkmal der UNESCO ist

#map#Die UNESCO hat dieses Jahr acht mittelalterliche Kirchen auf ihre Weltkulturerbe-Liste gesetzt hat, die komplett aus Holz gebaut sind. Sie stehen allesamt im Osten der Slowakei nahe der Grenze zur Ukraine. Die kleinen Bergdörfer, in denen die Kirchen stehen, machen sich jetzt Hoffnungen auf ein belebtes Tourismusgeschäft. Bislang leben nämlich die meisten Einwohner von den kärglichen Erlösen aus der Landwirtschaft.

Älteste Holzkirche Europas

Außenansicht der Holzkirche im slowakischen Hervartov die 2008 zum Weltkulturerbe erklärt wurde

Wurde jüngst zum Weltkulturerbe erklärt: Die Holzkirche Sankt Franziskus in Hervartov

Eine dieser Kirchen ist die Sankt-Franziskus-Kirche in Hervartov, die sich an einem Bach unter dichten Baumwipfeln duckt. Sie ist die Attraktion schlechthin in dem 500-Einwohner-Dorf in den slowakischen Karparten. Die Kirchendienerin Maria Ontekova betont, dass das Gotteshaus die älteste Holzkirche in ganz Europa sei und bisher keine Renovierungsarbeiten notwendig gewesen seien. Daher handele es sich bei den Baumaterialien noch um die original Baustoffe aus der Zeit um 1500, nämlich Holz aus der Region - und ganz ohne Nägel.

Über und über sind die hölzernen Wände bemalt, alle Heiligenbilder und Bibelszenen stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert und sind prächtig erhalten geblieben. So geschichtsträchtig ist die Holzkirche von Hervartov, dass jetzt auch die UNESCO auf das Bauwerk aufmerksam geworden ist. Seit wenigen Wochen darf sich der Karpatenort deshalb als Stätte des Weltkulturerbes bezeichnen.

Die Sankt-Franziskus-Kirche als Touristen-Magnet

Im Dorfkrug von Hervartov sind die Einheimischen immer noch überrascht von der Aufmerksamkeit, die sich so plötzlich auf ihr kleines Karpartendorf richtet. Noch geht für sie das Leben weiter wie bislang und das Mittagessen in der Dorfkneipe gehört zu den täglichen Ritualen.

Doch neuerdings sind sie in Hervartov nicht mehr unter sich. Die ersten ausländischen Touristen sind schon auf den Spuren des UNESCO-Weltkulturerbes in ihrem Ort gelandet. Bürgermeister Miroslav Mackanic, der sich seine Amtsstube gleich über dem Dorfkrug eingerichtet hat, sieht darin eine Chance für seinen kleinen Ort. Er hofft auf internationale Touristen, die sich von der Lage des Ortes in den Wäldern, mit seinem Aussichtsturm und dem kleinen Fischteich angezogen fühlen.

Hoffnung auf Arbeitsplätze

Innenansicht des Altarraums einer 2008 zum Weltkulturerbe erklärten slowakischen Holzkirchen

Innenansicht einer slowakischen Holzkirchen

Ganz ausgeklügelt ist die Tourismus-Strategie noch nicht, dafür blieb seit der Verleihung des UNESCO-Titels noch zu wenig Zeit. Für das Dorf aber, hofft Bürgermeister Miroslav Mackanic, fängt jetzt endlich eine neue Zeit an. Bisher seien die meisten Einwohner in traditionellen Gewerben, wie in der Land- und Forstwirtschaft, beschäftigt gewesen und viele Leute hätten im Ausland arbeiten müssen.

Der Tourismus könnte das jetzt ändern. Die ausländischen Besucher, so hofft man hier, bringen den Wohlstand nach Hervartov, von dem sie hier die ganzen Jahre über geträumt haben. Plötzlich dreht sich deshalb wieder alles um die alte Holzkirche, die die Einheimischen vorher schon fast vergessen hatten. Kirchendienerin Ontekova gibt zu, dass die Kirche nur noch selten benutzt wird - meist nur bei Hochzeiten oder anderen großen Festen. Auch sei die Nutzungszeit auf den Sommer beschränkt, denn das Gotteshaus habe keine Heizung.

Nicht zu Verkaufen

Wie groß das Interesse an der neuen Welterbe-Stätte tatsächlich ist, hat Bürgermeister Mackanic erst neulich wieder erfahren. Da hatte er Besuch von einer Delegation aus den USA, die eigens zu ihm nach Hervatov gereist waren. Die Touristen hätte die Sankt-Franziskus-Kirche kaufen und komplett nach Amerika transportieren wollen.

Dieses Angebot lehnte der Bürgermeister allerdings ab und konnte sich auch nicht von der Zusage einer neuen, doppelt so großen Kirche überzeugen lassen.

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