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Politik

Aufruf zur Besonnenheit

Im Streit um die Karikaturen des islamischen Religionsgründers Mohammed versuchen führende Vertreter muslimischer Organisationen in Deutschland, die Wogen zu glätten.

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Protest gegen Karikaturen: Indonesische Muslime werfen faule Eier auf die dänische Botschaft in Jakarta

Der Streit um die Mohammed-Karikaturen, die ursprünglich in einer dänischen Zeitung veröffentlicht und auch von mehreren deutschen Zeitungen nachgedruckt worden waren, ist eskaliert. Führende Vertreter muslimischer Organisationen in Deutschland rufen in der Auseinandersetzung zur Besonnenheit auf.

Entschuldigungen akzeptieren

Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland Porträtfoto

"Muslime sollten Entschuldigungen akzeptieren", sagt Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Gewalt als Reaktion auf die Karikaturen stehe völlig außer Frage, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas. "Wichtig ist, dass wir wieder zum Dialog zurückfinden. Deshalb sollten die Muslime die Entschuldigungen, die von der Presse gekommen sind – auch wenn sie halbherzig scheinen – akzeptieren." Dialog verlange aber auch danach, dass die Medien die Pressefreiheit nicht ausnutzten, um die Würde anderer Menschen mit Füßen zu treten.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Islamrats der Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya: "Gewalt kann in keinem Fall Mittel der Auseinandersetzung sein." Muslime sollten stattdessen alle rechtsstaatlichen Mittel nutzen, um sich zu wehren, in erster Linie aber besonnen handeln. Schließlich könne nur durch den respektvollen Umgang auf beiden Seiten die Situation besänftigt werden. So sollte die Presse ihre Rechte verantwortungsvoll wahrnehmen. "Meinungsfreiheit bedeutet nicht das Recht auf Beleidigung." Einen Muslim könne man kaum schwerer beleidigen als es durch die Karikierung des Propheten Mohammed geschehen sei, so Kizilkaya. Möglicherweise hätten Muslime und muslimische Organisationen nicht genug getan, um Nicht-Muslimen zu vermitteln, wie heilig ihnen die Person Mohammeds sei.

Zurückhaltung bei Protesten

Der Vizepräsident der Islamischen Föderation Berlin, Burhan Kesici, weist auf die besondere Rolle der muslimischen Organisationen in Deutschland hin. Sie hätten in den vergangenen Jahren beständig und erfolgreich an Muslime in Deutschland appelliert, nicht sofort auf die Straße zu gehen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlten. "Da gibt es heute weniger Aktivismus, wie er noch in den 80ern und zu Anfang der 90er-Jahre zu beobachten war", sagt Kesici. Nicht nur Unruhen, zu denen es im Zuge des Streits in anderen Ländern gekommen war, sondern auch Demonstrationen würden die Situation nur verschärfen.

Wichtig sei vor allem, mehr Verständnis auf beiden Seiten aufzubringen. Der Zeichner der Karikaturen habe womöglich gar nicht gewusst, wie viele Menschen er damit vor den Kopf stoßen würde. Vielleicht hätte es weniger Proteste von Muslimen gegeben, wenn sie diese Möglichkeit in Betracht gezogen hätten, spekuliert Kesici. Auf der anderen Seite müssten die Medien, die die Karikaturen veröffentlicht haben, verstehen, wie empfindlich dieses Thema für Muslime tatsächlich sei.

Muslime sollten sich nicht provozieren lassen

Der Vorsitzende der Deutschen Muslim Liga, Michael Muhammad Abduh Pfaff, spricht sich dafür aus, dass Muslime sich nicht von einem vordergründigen Streit provozieren lassen sollten. Es gehe nicht wirklich um eine Auseinandersetzung zwischen der Freiheit der Presse und dem Schutz vor Beleidigung. Die Karikaturen trügen rassistische Züge. "Gerade weil wir uns gegen das Prinzip des Rassismus wenden, sollten wir nicht auf gleiche Weise reagieren. Einen Boykott etwa von Produkten nur weil sie aus Dänemark kommen, lehnen wir daher ab."

Ridvan Cakir Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union DITIB Porträt

Der Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union, Ridvan Cakir

Die Türkisch-Islamische Union in Deutschland (DITIB) hat in Zusammenhang mit dem Protest gegen die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen vor negativen Folgen für die Integrationsbemühungen für Muslime in Deutschland gewarnt. In einem Interview des Türkischen Programms der Deutschen Welle sagte der DITIB-Vorsitzende Ridvan Cakir: "Es gibt keine Freiheit, die es erlaubt, mehr als 1,5 Milliarden Moslems weltweit zu beleidigen. Es kann nicht einfach unter Berufung auf die Pressefreiheit etwas getan werden, was bekannte Empfindlichkeiten von Moslems, die seit 40 bis 50 Jahren in Deutschland leben, verletzt." Die Reaktionen der Moslems "auf derartige Provokationen auch in deutschen Zeitungen" sollten aber im Einklang mit Gesetzen und Regeln stehen.

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