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Politik

Aufruf zum Sex-Boykott

KFZ, das ist bekanntlich die Abkürzung für Kraftfahrzeug. In Berlin hat das Kürzel noch eine weitere Bedeutung: karnevalsfreie Zone.

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Luftschlangen und Pappnasen waren am Rosenmontag in Berlin vor allem auf den Fernsehbildschirmen zu sehen, auf denen einstige Rheinländer, die der Regierungsumzug hierher verschlagen hat, wehmütig die Karnevalsumzüge in Köln und Düsseldorf verfolgten.

Böse Zungen behaupten allerdings, kunterbunt sei es auch im Kanzleramt zugegangen, oder anders gesagt, die Einladung des einstigen Bündnisses für Arbeit zum sogenannten Kamingespräch mit Bundeskanzler Schröder sei nicht mehr als eine karnevalistische Schnapsidee gewesen. Abgesehen davon, dass es im Kanzleramt keinen Kamin gibt, machten die Beteiligten nach dem Treffen auch keinen fröhlichen Eindruck, diesbezüglich schien der Montag vielmehr ein vorgezogener Aschermittwoch zu sein.

Katerstimmung

Die Katerstimmung verfolgte das politische Berlin auch für den Rest der Woche. Die Arbeitslosenzahlen sind weiter gestiegen, was bei Politikern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ein kräftiges "Nun muss aber endlich gehandelt werden!" provozierte - nur leider versteht unter diesem Satz jeder etwas anderes.

Nun soll es der Kanzler richten. Am 14. März, also am kommenden Freitag, wird Gerhard Schröder im Deutschen Bundestag eine Regierungserklärung abgeben, deren Inhalt, so wird gemunkelt, Heulen und Zähneklappern auslösen werde. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, dessen Gesichtsausdruck drohendes Unheil in der Regel bereits erahnen lässt bevor der Minister es überhaupt ausgesprochen hat, beeilte sich auch schon mit der Feststellung, die Neuordnung des deutschen Arbeitsrechts werde sicherlich kein Spaziergang werden.

Graues Berlin

Grau in grau mutet Berlin in diesen Tagen an, doch halt, da war ja noch der Weltfrauentag. FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper nahm diesen zum Anlass, um den Start einer Kampagne für "mehr Weiblichkeit" in ihrer Partei bekannt zu geben, da die Liberalen bei Frauen offenbar ein Imageproblem hätten. Eine "Task Force" soll in der FDP dafür sorgen, dass mehr Spitzenpositionen von Frauen besetzt werden und an der programmatischen Ausrichtung der Partei in diese Richtung gearbeitet wird.

Im Haus der Bundespressekonferenz trat gleichzeitig die versammelte Riege der Bundesministerinnen auf - bis auf eine. Ausgerechnet Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war Opfer der grassierenden Grippewelle geworden und konnte nicht dabei sein. Gegen den drohenden Irak-Krieg warfen die Ministerinnen ihr politisches Gewicht in die Waagschale und warnten eindringlich vor einer humanitären Katastrophe in der Golf-Region.

Verzweifelte Franzosen

Zwei weitere SPD-Frauen, beide Abgeordnete aus Bayern, wollen es nicht bei Warnungen belassen. Statt dessen haben sie die Ehefrauen von Unionspolitikern zum Sex-Boykott aufgerufen. Damit sollen diese gegen den drohenden Krieg protestieren und ihre Männer zum Umdenken bewegen.

Dazu passt wohl eine Meldung aus Frankreich: Einer dortigen Studie zufolge sind zahlreiche Männer nach Jahrzehnten feministischen Kampfes am Rande des Nervenzusammenbruchs. Sie fühlten sich abgewertet und von dem dumpfen Gefühl verängstigt, vom Aussterben bedroht zu sein. Den Frauen wird empfohlen, nachsichtiger zu sein und nicht so häufig schlechte Vorurteile über Männer zu verbreiten.

Kanzlerin

Einen ersten Schritt haben die Bundesministerinnen bereits diesen Freitag (7. März 2003) getan. Sie verkündeten, dass Gerhard Schröder ein guter Kanzler sei und so gar kein Macho. Allerdings, so schob Familienministerin Renate Schmidt nach: Demnächst könne durchaus auch eine Frau im Kanzleramt das Ruder übernehmen - möglichst aus der SPD, versteht sich.