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Wirtschaft

Aufregung um Börsengang von Rosneft

Es ist der fünftgrößte Börsengang weltweit, der größte in Russland. Yukos-Aktionäre hatten dagegen geklagt, doch die Gerichte gaben grünes Licht: Der Ölgigant Rosneft ist nach Moskau nun in London an die Börse gegangen.

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Rosneft geht an die Börse

Der Börsengang ist ein heißes Eisen. Viele Analystenexperten und Fondsmanager wollen sich nicht dazu äußern, weil es sich auch um eine politische Angelegenheit handelt. Denn Rosneft wurde erst durch die Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos stark. Für einen Schnäppchenpreis konnte sich Rosneft dessen Filetstück - Yuganskneftegas - unter den Nagel reißen und damit zum zweitgrößten Ölförderunternehmen Russlands nach Lukoil aufsteigen.

Kritik aus Deutschland

Auch in Deutschland stößt der Börsengang auf Kritik. Die Angelegenheit sei „politisch-moralisch höchst unerfreulich“, sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) dem Tagesspiegel (Dienstagsausgabe). Es sei klar, warum Yukos keine Klage vor einem russischen Gericht eingereicht habe: „Dort gibt es keine unabhängige Justiz“, so Lambsdorff. Auch der Russland-Koordinator im Auswärtigen Amt, Andreas Schockenhoff, sagte dem Blatt, es stelle sich die Frage der Rechtsstaatlichkeit. Er äußerte Skepsis, ob vor einem russischen Gericht westliche Standards eingehalten würden.

Alexandre Dimitrov, Portfoliomanager für Investitionen in Osteuropa bei der Kapitalanlagegesellschaft Capital Invest in Wien, sieht eine Reihe von Klagen durch Yukos-Aktionäre auf Rosneft zukommen. Er betrachtet den Börsengang mit gemischten Gefühlen: "Ich glaube, dass da schon eine politische Komponente drin steckt, die für Finanzinvestoren sehr schwierig zu quantifizieren und zu bewerten ist. Dementsprechend muss jeder für sich selbst einschätzen, ob er dabei sein will oder nicht."

Putin setzt mit vorgezogenem Börsengang Zeichen

Rosneft geht an die Börse

Ist der Börsengang moralisch zu vertreten?

Die Fonds-Gesellschaft F&C Investments hat öffentlich erklärt, dass sie keine Aktien zeichne, weil ihr Rosneft zu undurchsichtig sei. Doch für viele ist die Verlockung, Anteilseigner eines so großen Ölmagnaten zu werden, größer als die moralischen Bedenken. Am Montag (17.7.) ging Rosneft in Moskau an die Börse. Bis zum Nachmittag wurden knapp zwei Millionen Aktien gehandelt. Der Börsengang erfolgte zwei Tage früher als geplant. Beobachter halten das für keinen Zufall: Sie meinen, dass Präsident Wladimir Putin ihn noch während des G8-Treffens in St. Petersburg - quasi als Beleg für die Offenheit des Energiesektors - präsentieren wollte.

Rosneft versucht, mit dem Börsengang im Volumen von 10,4 Milliarden US-Dollar einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und in den Kreis der seriösen Ölkonzerne aufgenommen zu werden. Bei der lokalen Börsennotierung in Moskau konnten inländische Investoren Aktien zeichnen, ab Mittwoch (19.7.) sollen die Aktien für internationale Investoren auch an der Londoner Börse gehandelt werden.

Auslandsinvestoren haben russische Regierung im Blick

Rosneft bleibt auch nach dem Börsengang fest in staatlicher Hand, da nur rund 14 Prozent der Anteile verkauft werden. Investoren dürften daher auch die Beziehungen zur russischen Regierung im Blick haben, denn gerade im Energiesektor zieht der Kreml zunehmend die Fäden.

Die Hälfte der verkauften Aktien ging an nur vier Käufer; zu ihnen gehören die englische BP, die staatliche Ölgesellschaft Malaysias (Petronas) sowie die China National Petroleum Corp (CNPC). Der offenbar weitaus größte Käufer unter diesen vier soll ein russisches Geldhaus sein, dessen Name unbekannt ist. Den Ölgesellschaften, so sagen Analysten, gehe es bei ihrem Engagement nicht um Kursgewinne, sondern um den Zugang zu Russlands Öl- und Gasreserven. So ist BP bereits zur Hälfte am russischen Konsortium TNK-BP beteiligt, das bei weiteren Explorationsvorhaben auf die Rückendeckung des Kreml angewiesen ist.

Yukos-Aktionäre wollten Börsengang verhindern

Chodorkowski im Gerichtssaal

Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij verbüßt wegen Steuerhinterziehung und Betrugs eine achtjährige Haft in Sibirien

Yukos-Aktionäre wollten den Börsengang durch eine Klage vor dem Londoner Obersten Zivilgericht verhindern, doch dieses lehnte die Klage am Dienstag (18.7.) ab und gab grünes Licht für den Börsengang.

Yukos-Anwältin Clare Montgomery argumentierte vor dem High Court vergeblich, dass Rosneft die Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas Ende 2004 illegal erworben habe und es sich bei den Rosneft-Aktien größtenteils um gestohlenes Eigentum handle. Den Käufern von Rosneft-Aktien hatte Yukos mit lebenslangen Klagen gedroht. Eine Yukos-Sprecherin sagte, das Unternehmen werde keine Berufung einlegen, wohl aber den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen.

Prozessrisiken schrecken ab

Das wirkt auf Manager von Investmentfonds - sonst die wichtigsten Käufer bei Börseneinführungen - abschreckend. Doch diese ließen nicht nur wegen der Prozessrisiken die Finger von Rosneft-Aktien. Der Preis von 7,55 Dollar pro Aktie sei überhöht, hieß es. Damit wird Rosneft insgesamt mit knapp 80 Milliarden Dollar oder dem 17-fachen Jahresgewinn bewertet. Den größten Ölproduzenten Russlands Lukoil bewertet die Börse dagegen nur mit dem 9-fachen Jahresgewinn. Nach eigenen Plänen will Rosneft den Konkurrenten in spätestens drei oder vier Jahren überrunden.

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