1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Aufmerksame Vorsicht vor den Winterspielen in Italien

Nach Geheimdienstinformationen haben Terroristen Italien seit Wochen im Blick. Die Winterspiele sind ein guter Anlass, um international Aufmerksamkeit zu erregen. Das gilt aber auch für Globalisierungsgegner.

default

Schon präsent: die italienische Polizei soll Anschläge verhindern

Italiens Sicherheitsmannschaft für die Olympischen Spiele ist bereit: Rund 15.000 Schutzkräfte wurden mobilisiert, der Luftraum über den Sportstätten kann gesperrt werden, vor zahlreichen Hotels sind Soldaten postiert und Raketenabwehrsysteme sind um Turin und in den Tälern der Berge stationiert. Sie sollen terroristische Anschläge bei den Olympischen Winterspielen verhindern. "Nach den Anschlägen in Spanien und London, ist ein Anschlag in Italien schon fast überfällig", sagt Stefan Kempiz von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rom. Ein Anschlag auf die Winterspiele vom 10. bis 26. Februar würde den Terroristen jetzt einen spektakulären Hintergrund liefern, sagt er.

Terroristischer Anschlag ist möglich

Italienischer Soldat in Irak Flagge

Im Irak stationierte italienische Soldaten

Drohungen terroristischer Gruppierungen gegen das Mittelmeerland gab es immer wieder. Der Grund: Italien hat seit Juni 2003 rund 3000 Soldaten im Irak stationiert und damit das viertgrößte Kontingent nach den USA, Großbritannien und Südkorea. Die Gefahr eines Anschlages sieht auch Premierminister Silvio Berlusconi: "Wir sind uns bewusst, dass es Gefahren gibt, daher ist die Spannung groß. Wir haben aber alles auf tiefgründige Vorbeugung gesetzt. Wir arbeiten eng mit den Geheimdiensten zusammen, die Polizeikoordinierung funktioniert bestens", sagte er am Dienstag (7.2.) Wegen der weltweiten Gewalt nach den Zeitungs-Karikaturen des Propheten Mohammed wurden die Schutzmaßnahmen für Dänen und Norweger bereits verschärft. Konkrete Drohungen gibt es bisher allerdings nicht.

Wahlkampf beginnt zeitgleich

In Italien ist man trotzdem vorsichtig: Am 11. Februar werden die Sicherheitsvorkehrungen besonders hoch sein. Denn am Vorabend werden die Winterspiele im Beisein mehrerer Staatsgäste eröffnet. Und in Rom wird Staatschef Carlo Azeglio Ciampi dann das Parlament für die Neuwahlen am 9. April auflösen. Das Zusammenfallen von Winterspielen und Wahlkampf verschärfe die Gefahr noch, denkt man in Rom. Die Mehrheit der Italiener dagegen interessieren sich bisher nicht für die Winterspiele.

Politik zieht keinen Nutzen aus den Spielen

Den Olympischen Spielen fehlt es dabei vor allem an medialer Aufmerksamkeit. Auch wenn der Wahlkampf erst Mitte Februar beginnt, sei Berlusconi schon jetzt ständig im Fernsehen zu sehen, so Michael Braun, Journalist in Rom. Berichte über die Olympischen Spiele aus Turin seien dagegen eher selten, sagt er. "Es ist, als habe man eine Nachrichtensperre verhängt, außerhalb von Turin kriegt man nichts von den Spielen mit und auch die Italiener sind nicht besonders daran interessiert."

EU Verfassung Prodi und Berlusconi

Romano Prodi (l.) und Silvio Berlusconi: der offizielle Wahlkampf beginnt

Auch die Politiker zeigen kein großes Interesse an den Spielen. Vermutlich weil sie keinen politischen Nutzen daraus ziehen können. "Zu viele Parteien sind beteiligt, die Stadt, die Region und das Land", sagt Braun. Stadt und Region werden von einem Linksbündnis - von Romano Prodis Vertretern - regiert und nicht von Berlusconis Rechtspartei. "Ein Imagegewinn durch die Olympischen Spiele ist somit weder für Berlusconi noch für den Oppositionsführer Prodi möglich", sagt Braun.

Globalisierungsgegner wollen demonstrieren

Von der Aufmerksamkeit um die Olympischen Spiele könnten aber auch andere profitieren: Globalisierungsgegner. Bereits seit einigen Tagen machen sie mit massiven Protesten auf sich aufmerksam. Sie haben bereits angekündigt, die Ankunft des olympischen Feuers zu stören. "Seit den Protesten am Weltwirtschaftsgipfel in Genua 2001 haben italienische Politiker Angst vor solchen Aufläufen", sagt Kempiz von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Verhandlungen der Turiner Behörden mit den Protestlern waren bisher vergebens. Die Aktivisten kritisieren vor allem den Hauptsponsor Coca Cola, der beschuldigt wird, in seinen Werken in Dritte-Welt-Ländern Kinder auszunutzen. Coca Cola bestreitet das. Sorgen machen dem französischen Innenministerium auch gewaltbereite Demonstranten, die gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Turin und Lyon demonstrieren. Ihretwegen musste die olympische Fackel auf ihrem Weg nach Turin sogar schon einen Umweg machen.

Olympia nur als lokaler Wirtschaftsmotor

FIAT Demonstration in Turin

2002: Fiat-Angestellte protestieren gegen ihre Entlassung

An einem Erfolg der Spiele ist man aber besonders in Turin interessiert: "Für die Region haben sie eine große wirtschaftliche Bedeutung", sagt Braun. "Die Stadt hat es bisher nicht geschafft sich von einer Industriestadt zu einer Dienstleistungsmetropole zu wandeln." Turin, bekannt für die Automarke Fiat, leide stark unter der schlechten finanziellen Situation des Autoherstellers. Die Olympischen Spiele könnten der Stadt nun eine Gelegenheit geben, sich modern zu präsentieren, meint Braun. In Italien freut sich somit zumindest Turin auf die Olympischen Spiele.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links