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Politik

Aufmarschpläne gegen Irak

Medienberichten zufolge verfolgt das US-Militär geheime Pläne für einen Angriffskrieg gegen den Irak. Doch Experten meinen: Ohne Bündnispartner könnte das US-Militär an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gelangen.

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Bushs oberstes Ziel ist die Beseitigung von Saddam Hussein

Offiziell verfolgt Präsident Bush keinen konkreten Angriffsplan gegen den Irak. Das jedenfalls hatte er europäischen Verbündeten gegenüber immer behauptet. Wenn es jedoch stimmt, was die New York Times jüngst unter Berufung auf eine anonyme Quelle berichtete, sind die Pläne für einen Angriff auf das von Saddam Hussein regierte Land schon weit gediehen.

So soll in dem Dokument - das unter dem Namen "Central Command Course of Action" vom Zentralen Einsatzkommando des US-Militärs in Tampa, Florida entwickelt worden sei - eine massive Invasion mit mehreren hundert Kampfflugzeugen, Seestreitkräften und zehntausenden von Bodentruppen beschrieben sein. Der Angriff könne von bis zu acht Nachbarländern aus geführt werden, darunter Kuwait und der Türkei.

Oberstes Ziel: Beseitigung von Saddam Hussein

Im Unterschied zu früheren Plänen enthält das Szenario eine lange Liste von genauen Angriffszielen. Einrichtungen des Irak zur Produktion von Massenvernichtungswaffen sollen von Spezialkräften der US-Armee in Zusammenarbeit mit dem CIA zerstört werden, während große Kontingente von US-Marines und Infanteristen gegen die irakische Armee zu Felde ziehen. Oberstes Ziel der Militäraktion: Die Beseitigung von Saddam Hussein.

Der Einsatzplan soll in Konzeptform vorliegen und ständig aktualisiert werden, berichtete die New York Times. US-Präsident Bush sei bereits mehrfach über den aktuellen Stand der Planungen informiert worden. Das Verteidigungsministerium dementierte nicht: "Es sei die Aufgabe des Zentralkommandos, Einsatzpläne für den Fall der Fälle zu entwickeln und diese von Zeit zu Zeit zu aktualisieren", hieß es dort. Weiteres Indiz für einen bevorstehenden Angriff ist die Tatsache, dass die Produktion zielgenauer Waffensysteme wieder aufgenommen wurde. Die waren durch den Afghanistan-Einsatz knapp geworden.

Schwachpunkt: Luftwaffenstützpunkte

Kopfzerbrechen bereiten den Militärstrategen vor allem drei Fragen: Erstens: Verfügen die USA derzeit über genügend sogenannte "intelligente" Waffensysteme, um die Kapazitäten des Iraks zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen zerstören zu können? Zweitens: Haben sie genügend Material und Leute, um neben dem Einsatz in Afghanistan, im Jemen und auf den Philippinen auch noch einen groß angelegten Krieg im Nahen Osten zu führen?

Drittens: Hat das US-Militär die Kapazität, Kampfflugzeuge zu betanken und Bodentruppen im Irak zu versorgen, wenn es nicht auf die Stützpunkte der arabischen Verbündeten zurückgreifen kann? Saudi-Arabien hat beispielsweise den USA die Nutzung seiner Flughäfen für einen Angriff gegen den Irak untersagt. Planspiele und Computersimulationen des Pentagon sollen eine negative Beantwortung der meisten Fragen nahegelegt haben.

US-Militär an den Grenzen der Leitungsfähigkeit

Militärexperten glauben nicht nur deshalb, dass ein Angriff frühestens Anfang nächsten Jahres stattfinden könnte. Sie vermuten, dass ein Krieg gegen den Irak noch in diesem Jahr das US-Militär an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bringen würde. Auch soll es unter den US-Militärs verschiedene Ansichten darüber geben, welche Leistungsreserven im Falle eines Angriffs benötigt würden.

Im Golfkrieg 1991 hatten die USA über eine halbe Million Soldaten in der Region, ohne dass sie den Diktator beseitigt hätten. Nach Einschätzung von General Tommy Franks, dem Befehlshaber über US-Streitkräfte in dieser Region, könnten bereits halb so viele Soldaten ausreichen, um Saddam Hussein zu entmachten und alle irakischen Anlagen zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen zu zerstören.

  • Datum 05.08.2002
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2XG4
  • Datum 05.08.2002
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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