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Wissen & Umwelt

Aufklärung tut not - Herzbericht 2015

Mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer sterben in Deutschland an Herzschwäche, heißt es im diesjährigen Herzbericht. Es gibt nach wie vor große regionale Schwankungen. Aber es gibt auch Positives zu lesen.

Die Gesundheit der deutschen Herzen hat sich weiterhin verbessert. Noch immer aber sterben zu viele Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Es ist die häufigste Todesursache in Deutschland. Aber der Herzspezialist Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, gibt zu bedenken: Herzerkrankungen beträfen vor allem ältere. "Das hängt damit zusammen, dass wir die Herzerkrankungen in der Regel nicht heilen, sondern nur verbessern, und den Tod immer weiter hinausschieben - im Idealfall bis zum natürlichen Tod", sagt er der DW.

Die Stiftung gibt den jährlichen Herzbericht mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) heraus. Ziel ist es, kritische Verläufe in der Häufigkeit und Sterblichkeit bestimmter Herzerkrankungen zu analysieren. Defizite in der medizinischen Versorgung sollen so früher erkannt und entsprechend korrigiert werden.

Insgesamt sterben jährlich 338.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu zählen neben dem Herzinfarkt auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Aber Diagnostik und Therapie wurden zwischen 1990 und 2013 erheblich verbessert. Die Zahl der Sterbefälle ist um 17,2 Prozent zurückgegangen. Starben 1990 jährlich noch 85.625 Menschen an einem Herzinfarkt, so sind es im Jahr 2013 nur noch 52.044.

Viele Krankheiten ließen sich verhindern, sagt Meinertz. Er drängt vor allem auf bessere Aufklärung und Prävention: "Meine Empfehlung an die Patienten und an die Angehörigen: sich ausreichend informieren - und zwar nicht nur übers Internet. Was Sie da lesen, kann ziemlich verwirrend sein, denn im Internet steht alles. Und es ist nicht ersichtlich, was wichtig ist." Auch Ärzte müssen besser geschult werden, um ihre Patienten bestmöglich aufklären zu können.

Für wichtig hält Meinertz, auf die Gesundheit der Kinder zu achten: "Kinder müssen sich von Anfang gesund ernähren und sich gesund verhalten. Das heißt zum Beispiel, dass sie nicht ständig am Computer sitzen, sondern sich aktiv körperlich betätigen." Bewegungsmangel und falsche Ernährung zählen nach wie vor zu den Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt.

Übergewicht in der Bevölkerung sei mit 30 Prozent konstant geblieben, sagt Meinertz. Beim punkto Rauchen sei einiges passiert, aber noch nicht genug. England sieht der Mediziner als positives Beispiel: "In England ist es per Gesetz verboten, im Auto zu rauchen, wenn Kinder dabei sind. Das ist eine ganz einfache, gesetzliche Maßnahme, die man auch in Deutschland durchsetzen muss."

Frauen haben eine ungünstigere Prognose

Nach Angaben des Herzberichts sterben mehr Menschen an Erkrankungen der Herzklappen, durch Herzrhythmusstörungen und an der koronaren Herzkrankheit - der Vorläuferkrankheit des Herzinfarkts.

Zwischen 2011 und 2013 haben die Sterbefälle wegen Klappenkrankheiten um 15,3 Prozent von 13.964 auf 15.889 zugenommen, bei den Herzrhythmusstörungen um 12,2 Prozent von 23.677 auf 26.208 und bei der koronaren Herzkrankheit um 2,7 Prozent von 127.101 auf 128.808.

Es sterben mehr Frauen an Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Klappenkrankheiten als Männer. An Herzschwäche starben 29.973 Frauen gegenüber 15.842 Männern. Bei Herzrhythmusstörungen starben 47 Prozent mehr Frauen als Männer.

Bei der koronaren Herzkrankheit erleiden Frauen einen Herzinfarkt in einem höheren Lebensalter als Männer. "Das liegt daran, dass die Frauen bis zu den Wechseljahren durch die Östrogene einen relativ guten Schutz haben gegen eine fortgeschrittene Arteriosklerose und auch gegen einen Infarkt. In der Menopause fällt das dann weg."

Hinzu kämen geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wirkung von Medikamenten oder auch psychosoziale Faktoren. Dazu gehört auch, dass Frauen im hohen Alter oft alleinstehend sind.

Ost und West

Nach wie vor besteht ein großes regionales Gefälle zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern, wenn es um die Sterblichkeit bei Herzkrankheiten geht. Angeführt wird die traurige Statistik von Sachsen-Anhalt mit 99 Gestorbenen pro 100.000 Einwohner. Die Sterblichkeit in Schleswig-Holstein liegt mit 43 Gestorbenen am niedrigsten in Deutschland.

Die sozioökonomischen Bedingungen in den östlichen Bundesländern seien deutlich ungünstiger als im Westen, sagt Meinertz. "Es wird mehr geraucht, es wird weniger auf die Gesundheit geachtet, weniger Tabletten genommen, es gibt mehr Diabetes und so weiter."

Positives

Als erfreulich wertet Meinertz die Entwicklung in der Kinderkardiologie. Die Zahl der Säuglinge, die an Herzerkrankungen sterben, ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Heute könne man diese Kinder sehr gut versorgen. Eine Ausnahme bildeten einige wenige Anomalien, die nach wie vor todbringend seien. "Es gibt schwere Missbildungen des Herzens, die man im Grunde nur palliativ behandeln kann. Man kann sie nicht korrigieren."

Besonders am Herzen liegt Meinertz die Prävention im Kindes- und Jugendlichenalter. "Das ist für mich das A und O. Bei den Erwachsenen wissen wir, dass da häufig nicht mehr viel zu beeinflussen ist." Es müsse erst ein Infarkt kommen oder ein Herzstillstand, damit es ein Umdenken gibt. "Aber bei Kindern und Jugendlichen kann und muss man viel machen. Das muss unser Gesundheitssystem auch einkalkulieren."

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