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Bücher

Aufgelesen

Es ist März, der Frühling kommt und da sprießen wieder Bücherblümchen aus dem Literaturdickicht. Zwei makabre und ein wieder erwachtes. Haben wir sie einfach mal aufgelesen – vom Bücherwegesrand.

Verschiedene Bücher übereinander gestapelt, aufgeschlagen (Foto: dpa)

Ganz ehrlich: diesmal fehlt der rote Faden. Kann man eben nicht immer erwarten an dieser Stelle, gerade dann nicht, nachdem ich mich auf einen Spaziergang durch frühjahreszeitliche Neuheiten begeben und eben zufällig zarte Bücherpflänzchen entdeckt habe. Nicht alles ist planbar im Leben, auch die Literaturkolumne nicht immer. Aber: spannend war es diesmal trotzdem.

Cover des Hörbuchs Schneller als der Tod, gelesen von Christoph Maria Herbst, (Foto: Der Hörverlag)

Ich konnte nämlich meiner mafiösen Leidenschaft frönen. Dieses Mafiathriller-Hörbuch, das der Hörverlag im März auf den Markt geschmissen hat – ein Fest für alle, die wie ich gebannt sind von Mafia-Geschichten. Monatelang habe ich jeden Abend mit Tony Soprano und seinen Mafiakumpels verbracht, ich war besessen von der amerikanischen Serie, schön auf DVD, jederzeit glotzbar.

Peter Brown, der Arzt, dem Mafiosi vertrauen

Als jetzt Peter Brown in "Schneller als der Tod" loslegte, war ich verloren. Ein Arzt in einem New Yorker Krankenhaus, der einst ein Mafiakiller war und kurz davor steht enttarnt zu werden. In Rückblicken erzählt er, wie er es als Sohn polnischer Einwanderer überhaupt in die italienische Mafia in den USA gebracht hat und warum er jetzt Arzt ist. Scharfzüngig, humorvoll, skrupellos gut erzählt. Dr. Peter Brown, ein Arzt dem man besser nicht zu sehr vertrauen sollte – großartig gelesen von dem Schauspieler Christoph Maria Herbst. Und: Ich wusste bis jetzt nicht, was für eine großartige Waffe man sich aus seinem eigenen Schienbeinknochen schnitzen kann.

Lesefilet deluxe mit Sauce

Wo wir schon beim Abrechnen und um die Ecke bringen sind: Ich kann Kochshows im Fernsehen nicht leiden. Sollte mir mal einer der Dauer-Löffel-schwingenden Fernsehköche persönlich begegnen, hätte ich nichts dagegen, ihm ein Filetmesser zwischen die Rippen zu stoßen. Deswegen hat mich die kleine Taschenbuch-Geschichtensammlung mit dem Titel "Nicht schon wieder Essen!" sofort gereizt. Wenn Sie das zufällig aufschlagen, können Sie im bitterbösen Rezeptregister der Autorin Ingrid Noll landen:

Cover des Buches von Daniel Kampa Nicht schon wieder Essen! Hinterhältige kulinarische Geschichten (Foto: Diogenes Verlag)

Ausgerechnet auf diesen blöden Anglerfesten lernte ich die Männer kennen. (...) Die Frauen bereiteten Kartoffelsalat, Streuselkuchen und andere kulinarische Höchstleistungen zu, die Männer sorgten für Bier vom Fass und gegrillten Fisch. (...) Es wurde gefressen, gesoffen, gegrölt und geschwoft, aber immer im Rahmen einer gewissen Ordnung.(...) Unter den Lampions habe ich Eugen kennengelernt, später den Ulli.

Ich kann Ihnen jetzt schon verraten, dass einer dieser beiden Kerle am Ende der Kurzgeschichte tot sein wird. Wenn Sie sich munter durch die mehr als zwanzig Geschichten des appetitlichen Taschenbuchsammelbandes arbeiten, erleben Sie außerdem Grenzmomente mit Schafsaugen, Manager, die in der Einsamkeit des Restaurants nach Aufmerksamkeit gieren und Familientragödien, die über dem dampfenden Hummer schwelen. Sie werden dieses Buch schließen mit Lachtränen im Augenwinkel. Herrliche Kost für zwischendurch!

Geschichtsstunde mit Manfred

Und wenn Sie dann zum Nachtisch einen Espresso schlürfen, dann können Sie sich in diesem Frühjahr einem feinsinnigen, geradezu rührenden Nachtisch widmen. Der Schriftsteller Manfred Hausmann, gestorben 1986, hat seine Begegnungen mit zwölf bedeutenden Männern – und einer Frau - seiner Zeit aufgeschrieben. Mit dem Schriftsteller Thomas Mann zum Beispiel oder dem Physiker und Miterfinder der Atombombe Otto Hahn. Das alles gibt es schon seit 1973 in Buchform, aber zum Hören ist es noch mal ein besonderes Erlebnis.

Cover des Hörbuchs von Manfred Hausmann Kleine Begegnungen mit großen Leuten (Foto: Edition Apollon)

Es hat mich berührt, wie altmodisch und fein Hausmann formuliert. Wie er bestechende Sätze von sich gibt, die eine Situation analysieren. Und wer erzählt einem heute schon noch aus erster Hand von einem Treffen mit Prinzessin Kira von Preußen? Schade nur, dass Hausmann sich zum "Kleinen" macht und die anderen zu "Großen". Da ist er mir ein bisschen zu devot. Hausmanns Begegnungen mit großen Leuten, wie er sie nennt, sind etwas für ruhige Stunden, in denen man genau zuhören kann. Dann ist es ein bisschen so, als würde Opa von längst vergangenen, aber irgendwie herrlichen Zeiten erzählen.

Autorin: Marlis Schaum
Redaktion:Petra Lambeck


Josh Bazell: "Schneller als der Tod", gelesen von Christoph Maria Herbst. Der Hörverlag. 6 CDs. 24,95 Euro.

Daniel Kampa: "Nicht schon wieder Essen! Hinterhältige kulinarische Geschichten". Diogenes Verlag. 329 Seiten. 9,90 Euro.

Manfred Hausmann: "Kleine Begegnungen mit großen Leuten". Gelesen von Peter Bieringer. Edition Apollon. 2 CDs. 24,99 Euro.