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Welt

Aufgebrachte Syrer stürmen Botschaften

Aus Wut auf die neue Eskalation der Gewalt in Syrien sind Demonstranten in die syrischen Botschaften eingedrungen. Zuvor gab es Berichte von einem Blutbad in Homs. Der UN-Sicherheitsrat kommt erneut zusammen.

Demonstranten und Polizisten vor der syrischen Botschaft in Berlin (Foto: dapd)

Demonstranten vor der syrischen Botschaft in Berlin

Rund 150 Menschen versammelten sich in der Nacht zu Samstag vor der syrischen Botschaft in London, um gegen die neue Welle von Gewalt in Syrien zu protestieren. Dabei drangen mehrere Männer in das Gebäude im Zentrum der Stadt ein, teilte die britische Polizeibehörde Scotland Yard mit. Sie seien festgenommen worden.

Auch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo stürmten aufgebrachte Syrer die Auslandsvertretung ihres Landes. Der Eingang des Botschaftsgebäudes wurde beschädigt, Möbel und Computer zerstört, ein Stockwerk brannte teilweise aus. Zu einer ähnlichen Aktion kam es auch in Deutschland: In Berlin stürmten rund 20 syrischstämmige Männer am Freitag die syrische Botschaft.

"Massaker" in der Stadt Homs

Demonstration gegen Assad nach dem Freitagsgebet in Baba Amro bei Homs (Foto: rtr)

Demonstration gegen Assad in Baba Amro bei Homs

Kurz zuvor waren Berichte aus der zentralsyrischen Stadt Homs bekannt geworden, wonach Sicherheitskräfte von Präsident Baschar al-Assad dort mehr als 200 Menschen getötet haben sollen. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al-Arabija gab es sogar mehr als 300 Todesopfer. Etwa 1300 Menschen seien verletzt worden. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von einem "Massaker".

Mit Panzern und Maschinengewehren hätten die Regierungstruppen den Angriff in Homs ausgeübt, berichteten Aktivisten. Allein im Viertel Chaldijeh, seit elf Monaten einer der Brennpunkte der Protestbewegung gegen Assad, habe es 140 Tote gegeben. Darunter seien auch Frauen und Kinder. Diese Angaben können allerdings nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da das Regime Journalisten nicht frei arbeiten läßt.

Die syrische Führung wies die Berichte über ein Blutbad in Homs zurück. Die Zivilisten seien von "bewaffneten Männern" getötet worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. Die Führung in Damaskus macht immer wieder "Terroristen" für die anhaltende Gewalt im Land verantwortlich.

Abstimmung über Syrien-Resolution

Im Laufe dieses Samstags will der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über eine Syrien-Resolution abstimmen. Marokko hat im Namen der Arabischen Liga eine Sondersitzung beantragt und will seinen Entwurf zur Abstimmung bringen, hieß es von westlichen Diplomaten.

Mit der Resolution sollte Assad ursprünglich zum Rücktritt bewegt werden sollte. Die Arabische Liga hatte die Übergabe der Macht an einen Stellvertreter Assads und den Beginn eines Dialogs mit der Opposition gefordert. Doch auf Drängen Russlands sind nach Angaben von Diplomaten viele der Forderungen erheblich abgeschwächt worden. So soll der neue Resolutionstext nicht mehr explizit Assads Rücktritt fordern, auch die Forderung nach einem Waffenembargo gegen Syrien sei gestrichen worden.

Dennoch erklärte Russland, es wolle auch den überarbeiteten Entwurf nicht mittragen. Unklar ist, wie sich das Land bei der Abstimmung verhalten wird - sich enthält oder sein Veto einlegt. Schon in der Vergangenheit hat Russland im Sicherheitsrat sein Vetorecht genutzt, um Sanktionen gegen Syrien zu verhindern. Immer noch liefert das Land Waffen an das Assad-Regime.

nm/wl (rtr, dpa, afp, dapd)

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