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Aufforderung zum Tanz

Getanzt wird und wurde zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Tanz ist nicht nur Bewegung, Sport, Spaß und Freude. Auch die deutsche Sprache „tanzt“. Tanzen wir durch die Begriffswelt des Tanzes.

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Aufforderung zum Tanz

„Tanz“ und „tanzen“ haben ein Bedeutungsfeld in der deutschen Sprache, das viel umfassender ist, als man zunächst annehmen könnte. Ziemlich spröde kommt allerdings die Definition von „Tanz“ daher: „eine Abfolge von Körperbewegungen, die nach einem durch Musik hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird“. Klammern wir uns einmal an diese Definition, damit uns bei der Vielfalt von Verbindungen und Bedeutungen des Wortes „Tanz“ nicht schwindelig wird. Denn das kann einem schnell passieren.

Das schwingende Tanzbein

Wenn man zum Beispiel „das Tanzbein“ zu ausgiebig „schwingt“, sprich zu viel und zu schnell tanzt. Nach solch „heißen Tänzen“ „tanzen“ einem dann schon mal „Sterne vor den Augen“, man ist völlig fertig. Ausgelassenheit ist keine Frage der Zeit. Auf den dörflichen Tanzböden ging ja genauso die Post ab wie heute in den Clubs.

Freilich – die Tanzmusik ist eine andere. Allerdings gibt es auch heute noch Volkstanzgruppen, die sich nach den alten Melodien „im Tanze drehen“. Und nach wie vor werden in den Tanzschulen Walzer, Foxtrott, Tango und mehr Standard- beziehungsweise lateinamerikanische Tänze gelernt.

Tanzturniere und Tanzfilme

Ausschnitt aus einem Tanzturnier mit drei Paaren, die in schwarzen Kostümen tanzen, die Männer in Hose und Hemd, die Frauen in Kleidern (picture alliance/dpa/M. Balk)

Der Traum von Profitänzerinnen und Profitänzern: ein Sieg bei einem Tanzwettbewerb

Wer diese und andere Gesellschaftstänze als Sport betreibt, kann sich an Tanzturnieren beteiligen oder sogar das Hobby zum Beruf machen: entweder in einer professionellen Tanz- beziehungsweise Showtanzgruppe, oder – das ist die künstlerische Variante – im Tanztheater.

Längst gibt es ja auch Tanzfilme. Allerdings zählen „Der letzte Tango in Paris“ und „Der Kongress tanzt“ nicht unbedingt zu diesem Genre. Aber wer erinnert sich nicht an den Kultfilm aus dem Jahr 1987: „Dirty Dancing“. Das ist ein richtiger Tanzfilm! Fast 30 Jahre brauchte es dann, bis mit dem Filmmusical „La La Land“ wieder ein erfolgreicher Tanzfilm auf die Leinwand kam, der zahlreiche Preise abräumte, darunter sechs Oscars.

Der Tanz auf dem Vulkan und ums Goldene Kalb

Was den sprichwörtlichen „Tanz auf dem Vulkan“ und den „Tanz um das Goldene Kalb“ betrifft, handelt es dabei nicht wirklich um die beschriebene Form von Tanz. Beide Wendungen haben nur im übertragenen und weiteren Sinn mit Tanz beziehungsweise Bewegung zu tun. Als „ausgelassene Lustigkeit in gefahrvoller Zeit“ umschreibt das Lexikon den „Tanz auf dem Vulkan“. Ein Vulkan kann jederzeit ausbrechen; wer sich dort also aufhält, lebt gefährlich, kümmert sich aber nicht so wirklich um die Gefahr. Die Umgangssprache benutzt dieses Bild für Menschen, die trotz gefährlicher Umstände unbekümmert leben, ausgelassen feiern.

Tanz ums goldene Kalb (Thorben Wengert/pixelio)

Wer an der Börse spekuliert, „tanzt ums Goldene Kalb“

Der redensartliche „Tanz ums Goldene Kalb“ geht auf die Bibel zurück. Im Alten Testament wird beschrieben, dass die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten ein Götzenbild, ein Kalb, erschufen. Sie tanzten um es herum, beteten es an und opferten ihm Gold und andere Besitztümer.

Nach seiner Rückkehr zerstörte Moses, der nicht dabei war, weil er von Gott die zehn Gebote erfuhr, das Kalb und ließ 3000 Menschen töten. Wer heutzutage die Wendung verwendet, beschreibt damit, dass jemandem materielle Dinge und Reichtum das Wichtigste im Leben sind, dass er Geld „anbetet“.

Die Tänze auf Hochzeiten

Auch der redensartliche „Tanz auf zwei“ oder „auf mehreren Hochzeiten“ hat nichts mit dem eigentlichen Hochzeits- oder Brauttanz zu tun. Ein Beispiel aus dem Sport: Eine Mannschaft, die gleichzeitig um die Meisterschaft und in einem oder mehreren Pokalwettbewerben kämpft, „tanzt auf zwei Hochzeiten“. Gemeint ist, dass mehrere Dinge gleichzeitig getan werden, was in der Regel der Fälle selten gut ist. Wer gar auf „allen Hochzeiten gleichzeitig tanzt“, will überall dabei sein.

Überforderte Büroangestellte mit vielen Post-Its im Gesicht (picture alliance/Bildagentur-online/Begsteiger)

Wer auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzt, verliert irgendwann den Überblick!

Es soll auch Menschen geben, die sogar „auf der falschen Hochzeit tanzen“. Im realen Leben mag so etwas schon peinlich sein. Im übertragenen Sinn bedeutet es einfach, dass man sich sehr getäuscht beziehungsweise etwas verwechselt hat.

Die Pfeife, die Puppen und die Mäuse

Tanz bedeutet – wie festgestellt wurde – Bewegung. Er ist aber auch ein Hin und Her im übertragenen Sinn: „Tanz“ bedeutet nämlich auch heftiger Wortwechsel, Streit, Zank und Auseinandersetzung. Wer „immer wieder denselben Tanz aufführt“, muss noch lange kein Tänzer sein, sondern ist einfach ein streitsüchtiger Zeitgenosse.

Symbolbild: Ein Schlangenbeschwörer, der mit einer Flöte zwei Kobras tanzen lässt (picture alliance / WILDLIFE)

Wer jemanden nach seiner Pfeife tanzen lässt, kontrolliert ihn

So jemand lässt gern auch mal andere „nach seiner Pfeife tanzen“, sorgt dafür, dass sie tun, was er will. Nur muss er sich dann nicht wundern, dass diese Personen, wenn er dann mal nicht da ist, „die Puppen tanzen lassen“, ausgiebig feiern – getreu dem Sprichwort: „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ Es macht ja auch Spaß, endlich mal „aus der Reihe tanzen“ zu können, das zu tun, was man will!

Die Aufforderung zum Tanz
Sollte er dann anschließend „einen Tanz machen“, sich aufregen und wütend sein, kann man ihn – oder natürlich auch sie, die Zeitgenossin – einfach „zum Tanz bitten“. Bei einem heißen Tanz löst sich die Wut hoffentlich ganz bald in Luft auf.

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