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Wirtschaft

Aufbruch zu neuen Ufern

Der Wirtschaftsverband Mercosur, wichtigster Handelspartner der EU in Südamerika, scheint sich nach der argentinischen Finanzkrise wieder zu fangen. Außer der EU interessieren sich auch die USA vermehrt für ihn.

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Soll ein Ende haben: Warten auf Lebensmittel in Argentinien

"Wir müssen große und schnelle Fortschritte machen zwischen den Europäern und dem Mercosur", forderte zuletzt Bundeskanzler Gerhard Schröder anlässlich des Besuches von Brasiliens Staatspräsident Luís Inácio "Lula" da Silva im Januar in Berlin. Die Chancen dafür stehen günstig. Der Wirtschaftsverbund Mercosur, dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören, meldet sich aus dem Abseits zurück.

Einen großen Anteil am neuen Elan der Gemeinschaft hat der brasilianische Präsident, der eine Stärkung des Mercosur versprach und ankündigte, Brasilien wolle in seiner "natürlichen Führungsrolle" die südamerikanische Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen. Damit machte er allen Gerüchten ein Ende, der Mercosur sei wegen der argentinischen Finanzkrise schon wieder Geschichte.

Das Gegenteil ist der Fall. Auf einem Gipfeltreffen Anfang Februar berieten die Mercosur-Außenminister gleich über zwei Freihandels-Offerten: sowohl die EU als auch die USA buhlen um die Südamerikaner.

Streit um EU-Zölle

Die EU erwartet bis zum 28. Februar eine Antwort auf ihren Vorschlag, die Zollschranken über einen Zeitraum von zehn Jahren sukzessive abzubauen. Am Ende könnten 90 Prozent der Agrarprodukte zollfrei nach Europa eingeführt werden. Doch auf dem Gipfel zeigten sich die südamerikanischen Minister unzufrieden mit dem Angebot: zu eingeschränkt, monierten sie, denn im Industriesektor beträfen die reduzierten Zölle nur 47 Prozent der Mercosur-Exporte.

Der brasilianische Außenminister Celso Amorim fügte jedoch versöhnlich hinzu, dass auch der Mercosur seinerseits erwäge, das Angebot gegenüber der EU zu erweitern. Konkretes verriet er jedoch nicht.

USA für amerikanische Freihandelszone

Die USA werben unterdessen intensiv für ihr Konkurrenzprojekt, die Bildung einer gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA). Sie soll bis zum Jahr 2005 von Alaska bis Feuerland reichen. Da die USA bisher die Verhandlungen dominierten, beschlossen die Länder des Mercosur nun, zur Stärkung ihrer Position gemeinsam in die Verhandlungen zu gehen. Damit folgen sie dem Beispiel der Andengemeinschaft, der Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien angehören.

Brasiliens Lula da Silva verwarf den vorgelegten Plan der USA bereits wütend als "Annexion" Lateinamerikas. Ein gemeinsamer Vorschlag der Mercosur-Staaten zur FTAA müsste allerdings bis zum 15. Februar eingereicht werden. Noch konnten sich die Länder aber nicht auf eine gemeinsame Position einigen.

Neues südamerikanisches Selbstbewusstsein

Im Vorfeld der weiteren Verhandlungen mit Europa und den USA zeigt sich trotzdem ein neues Selbstbewusstsein der Südamerikaner, vor allem der Brasilianer. Schon werden neue Pläne zur Integration des Mercosur geschmiedet. Die Außenminister der vier Länder haben nach eigenen Aussagen Fortschritte im Aufbau eines Regionalparlaments gemacht. Der stellvertretende Außenminister Argentiniens, Martín Redrado, fasste den letzten Gipfel folgendermaßen zusammen: "Der Mercosur ist in voller Fahrt."

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