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Politik

Aufbruch ins Ungewisse

Ost-Timor feiert nach Jahren der Gewalt am 20.5.2002 den Tag seiner Unabhängigkeit. Doch der neue Staat steht vor großen Aufgaben.

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Unabhängigkeitsfeiern in Ost-Timor

Auf einer Insel zwischen Indischem und Pazifischen Ozean entsteht ein neuer Staat: Ost-Timor. Die ehemalige portugiesische Überseeprovinz war 1975 von Indonesien besetzt und später annektiert worden. 1999 sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Unabhängigkeit aus. Pro-indonesische Milizen reagierten darauf mit einer Gewaltwelle, bei der rund tausend Menschen ums Leben kamen und ein Drittel der Bevölkerung vertrieben wurde. Seitdem steht Ost-Timor unter einer UN-Übergangsverwaltung. Inzwischen ist ein Präsident gewählt.

Fundamente des neuen Staates stehen

Ost-Timors erster Präsident Xanana Gusmao betonte nach seiner Wahl im vergangenen April, dem neuen Staat stünden große Herausforderungen bevor. Das Wichtigste ist am Vorabend der Unabhängigkeit aber bereits geklärt: Parlament, Regierung und Präsident sind gewählt, die Verfassung verabschiedet; UN-Beobachter haben den demokratischen Prozess gelobt. Auch die Entscheidung über die zukünftige Amtssprache und Währung ist gefallen.

Die Märkte im Land zeigen das neue Leben und den Optimismus, der trotz aller Skepsis den Blick in die Zukunft bestimmt. Das Angebot ist reichhaltig. Neben zahllosen Obstsorten gibt es Fisch und Fleisch, Backwaren aller Art, Schuhe und Elektroartikel, Bürobedarf und Kleidung. Es fehlt an nichts - und die Nachfrage ist offenkundig vorhanden. Kunden feilschen um Preise; Händler versuchen, den eher seltenen, aber meist finanzkräftigen westlichen Besuchern ihre Waren schmackhaft zu machen.

Zerstörungen durch die indonesische Armee

Schwieriger ist dagegen die Energieversorgung und die Infrastruktur, vor allem außerhalb der größeren Orte. Nur etwa jedes fünfte Dorf verfügt über einen Stromanschluss. Vor den großen Zerstörungen der indonesischen Armee im Herbst 1999 war es beinah jedes dritte. Wasserleitungen stehen nicht einmal jedem zehnten Bürger zur Verfügung. Brunnen und in manchen Fällen Pumpen gewährleisten die Wasserversorgung.

Die Hoffnungen ruhen auf der Symbol- und Integrationsfigur Xanana Gusmao - dem Unabhängigkeitshelden und jetzigen Präsidenten. Allerdings macht Gusmao keinen Hehl daraus, dass ihm die praktische Alltagspolitik nicht sonderlich liegt.

Der Mandela von Timor

Gusmaos Lieblingsbeschäftigung ist das Schreiben - vom Journalismus bis zur Poesie. Als militärischer Führer der Befreiungs-Bewegung Fretilin baute er eine schlagkräftige Truppe auf, die der überlegenen indonesischen Armee effizient Widerstand leistete. Immer wieder warb er aus dem Untergrund heraus für eine Verhandlungslösung. Im November 1992 wurde er durch Verrat aus den eigenen Reihen verhaftet.

Doch im Gefängnis geriet der charismatische Gusmao zu einer Symbolfigur des Unabhängigkeitskampfes, vergleichbar mit Nelson Mandela in Südafrika. Als Indonesien dann nach dem Sturz von General Suharto einem Unabhängigkeits-Referendum in Osttimor zustimmte, fiel Gusmao eine Schlüsselrolle zu. UN-Generalsekretär Kofi Annan und andere setzten sich nachdrücklich für seine Freilassung ein - mit Erfolg: Ende 1999 konnte Gusmao nach Ost-Timor zurückkehren.

Blutvergießen blieb bisher ungesühnt

Eines der beherrschenden Themen im neuen Staat Ost-Timor bleibt die Frage, wie die Verantwortlichen für die indonesischen Verbechen zur Rechenschaft gezogen werden können. Kofi Annan hatte Indonesien im Februar 2000 unmissverständlich dazu aufgefordert, die Verantwortlichen für das Blutvergießen in Ost-Timor zu bestrafen.

Doch die Hoffnungen der Menschen in Ost-Timor wurden enttäuscht. Eine indonesische Untersuchungskommission nannte zwar 33 Personen, gegen die wegen der Verbrechen in Ost-Timor ermittelt werden sollte. Der Staatsanwalt nahm jedoch nur 19 Verfahren auf - und nur sieben Männer wurden tatsächlich vor Gericht gestellt.

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