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Bücher

Aufbruch aus der Nische?

Lyrik fristet auf dem Literaturmarkt ein Nischendasein. In den Buchläden drohen die wenigen Gedichtbände von der Flut der Romane und Sachbücher weggeschwemmt zu werden. Besonders schwer hat es die zeitgenössische Lyrik.

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Allen Ginsberg, amerikanischer Lyriker

Bände, von denen mehr als tausend Exemplare verkauft werden, gelten fast schon als Bestseller. "Was die Auflage betrifft, spielt die Lyrik in einer anderen Liga", meint Eugen Emmerling vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die "treue Lyrikgemeinde" sei zwar im Wachsen begriffen, die Beschäftigung mit Gedichten bleibe aber das "Vergnügen einer Elite". Ein nicht ganz so krasses Bild ergibt die im Jahr 2000 von der Stiftung Lesen vorgenommene Befragung zum "Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend". Ihr zufolge belegt die Lyrik von 20 Gattungen zwar nur die vorletzte Stelle, aber immerhin erreicht sie neun Prozent all derer, die Bücher lesen, und liegt damit gleichauf mit Märchen, Comic und Fantasy.

Achtungserfolge jenseits des Buchmarktes

Dass fast jeder zehnte Leser gelegentlich Gedichte zur Hand nimmt, liegt an einigen wenigen Autoren wie Robert Gernhardt oder dem Büchner-Preisträger Durs Grünbein, vor allem aber an Anthologien mit klassischen Autoren, die zunehmend beliebter werden und zum Teil Auflagen von weit über 50.000 Exemplaren erreichen. Mehr als solche Achtungserfolge feiert die Lyrik allerdings jenseits des Buchmarktes: Gedichte, auch zeitgenössische, prangen von öffentlichen Plakatwänden, sind in U-Bahnen und sogar auf Zuckertüten zu lesen.

Fernsehen und Rundfunk sendeten am 21. März, dem von der UNESCO im Jahr 2000 ausgerufenen "Welttag der Poesie", mehrstündige Gedichtlesungen. Und zum alljährlichen Festival "Weltklang - Nacht der Poesie" auf dem Potsdamer Platz in Berlin kamen mehrere tausend Menschen. Nach Ansicht von Thomas Wohlfahrt von der Literaturwerkstatt, die dieses Ereignis veranstaltet, kommt die geschilderte Entwicklung nicht überraschend. "Die Tradition des mündlichen Vortrags, die in Deutschland lange abgebrochen war, kommt wieder ins Bewusstsein", meint er. Das verschaffe der Lyrik, die wesentlich durch Klang und Rhythmus bestimmt sei, einen Aufschwung - allerdings nicht auf dem Buchmarkt.

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