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Kultur

Aufbrecher im Tigerstaat

Der Niederländer Guus Hiddink stieg durch seine Erfolge mit der südkoreanischen Fußballnationalmannschaft zum Nationalheld auf. Sein Führungsstil dient den Wirtschaftskonzernen des Landes mittlerweile sogar als Vorbild.

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Auch im edlen Zwirn immer auf Ballhöhe: Guud Hiddink

Fußball ist oft mehr als ein 90-minütiges Spiel von 22 Spielern mit einem Kunststoffball. Das beweist die märchenhaft skurrile Karriere des südkoreanischen Nationaltrainers Guus Hiddink. Der 55-jährige Niederländer erhält für sein Engagement jährlich rund € 2,5 Mio. plus Zusatzprämie von € 1,25 Mio. für das Erreichen des Achtelfinales. Daneben sorgt er in Korea derzeit fast im Alleingang für eine Aufbruchstimmung, die auch vor Wirtschaftskonzernen nicht Halt macht. Ohnehin wirkt er an der Seitenlinie er wie ein Manager, präsentiert sich dort im Armani Anzug, perfekt gebundener Krawatte nebst passendem Hemd. Das Justizministerium bot ihm bereits die Einbürgerung an, "wegen unschätzbarer Dienste für die Nation."

Ebenso beeindruckt sind auch Koreas Topmanager. Lee Sang-Chui, Chef der Korea Telecom, plant mit Hiddink-Prinzipien sein Staatsunternehmen zu modernisieren. Er will bei Guus Hiddink beobachtet haben, wie er am besten seine eigene Mannschaft motiviert und Kreativität in sein Unternehmen bringen kann. Auch Lee Kun Hee, Aufsichtsratschef des Samsung Konzerns, bekennt sich zur koreanischen "Hiddink-Euphorie" und meint, der holländische Trainer gebe das ultimative Beispiel für perfekten Führungsstil.

Konfuzius als Bremsklotz

In der Vergangenheit hatte sich Hiddink in Europa als erfolgreicher Fußballtrainer profiliert: Mit dem PSV Eindhoven gewann er 1988 den Europapokal der Landesmeister. Hollands Nationalmannschaft erreichte mit ihm bei der WM 1998 das Halbfinale. Als Trainer ging er auch giftigen Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg. Seinen Superstar Edgar Davids schickte er bei der EM in England 1996 nach internen Querelen während des Turniers nach Hause.

Hiddink am Ball

Immer am Ball: Motivator Hiddink

Direkt nach der Übernahme der koreanischen Mannschaft im Dezember 2000 wirbelte er die Teamhierarchie durcheinander. Vor seinem Amtsantritt saßen alte und junge Spieler niemals an einem Tisch und schauten einander nicht einmal an. Als neuer Trainer brach er mit diesem konfuzianischen Senioritätsprinzip, nach dem die Altershierarchie eine größere Rolle spielte als das Talent. "Es kann nicht sein", ist er fest überzeugt, "dass ein Fußballspieler deshalb den Vorzug erhält, weil er älter ist und vor ein paar Jahre mal gegen Malaysia drei Tore geschossen hat."

Stehvermögen und Führungsstärke

So märchenhaft seine aktuellen Erfolge scheinen, so heftig wurde Hiddink bereits kritisiert, als er zu Beginn seiner Amtszeit die Vorbereitung umstellte. In der "Vor-Hiddink-Ära" bereiteten sich die Koreaner mit Spielen gegen zweitklassige Teams aus Malaysia oder Hongkong auf internationale Wettbewerbe vor. Hiddinks dagegen ließ seine Mannschaft zum Lernen gegen Top-Teams antreten – dabei hagelte es teilweise herbe Niederlagen. Nach einer deftigen 0:5-Schlappe gegen Tschechien im vergangenen Jahr forderte die Presse bereits seine Ablösung. Skurrilerweise ermutigte der Trainer die koreanischen Journalisten zu solchen Attacken. Dadurch wollte er seinen Spielern vorleben, was Durchhaltevermögen bedeutet. Inzwischen gehorchen die Spieler ihrem "General". Defensivspezialist Min-Sung Lee meint gar, "er hat unseren Lebensstil verändert."

Das ganze Ausmaß seiner Popularität spiegelt sich in einer Umfrage am Rande der jüngsten Miss Korea Wahl. Alle Kandidatinnen wählten dabei Guus Hiddink als Ehemann ihrer Träume. Während diese Wünsche wahrscheinlich unerfüllt bleiben müssen, hat sich Hiddink mit dem Einzug ins Viertelfinale bereits seinen persönlichen Traum erfüllt.

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