1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Aufbau Ost: Das Gießkannenprinzip ist out

Kreditanstalt für Wiederaufbau untersucht unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland

default

Der Aufbau Ost geht unterschiedlich schnell voran - Plattenbau in Ostdeutschland

Die Experten waren von einer jährlichen Reduzierung um zwei Prozentpunkte ausgegangen. Tatsächlich aber lag dieser Wert im Durchschnitt bei fünf Prozentpunkten. Die Arbeitsproduktivität im Ostdeutschland hat sich innerhalb eines Jahrzehnts von 42 Prozent des Westdeutschen Wertes auf fast 70 Prozent erhöht.

Hans Reich, der Vorstandssprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau, nannte weitere gesamtwirtschaftliche Indikatoren, die nach seinen Worten eine ein deutige Sprache sprechen: "Lag etwa das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 1991 noch bei 33 Prozent des Westniveaus, stieg dieser Wert 2000 auf 60 Prozent an. Das Bruttoeinkommen pro Beschäftigen stieg im selben Zeitraum von 50 Prozent auf über 77 Prozent des Westniveaus an. Die Investitionstätigkeit aller Wirtschaftsbereiche ist mit 7.900 Mark je Einwohner im Osten immer noch deutlich höher als im Westen mit 5.300 Mark."

Da sich die Regionen sehr unterschiedlich entwickeln, machen nach Meinung von Reich pauschale Ost-West-Konzepte keinen Sinn mehr. Viel mehr sollte von Region zu Region, ja von Gemeinde zu Gemeinde mit unterschiedlichen Ansätzen gefördert werden. Zunächst ging es darum, durch einen intensiven Transfer von West nach Ost die wirtschaftliche Entwicklung zu beleben. Dies ließ vor allem die Branchen mit lokalen Absatzmärkten wachsen. Inzwischen hat sich die überregionale und zum Teil auch internationale Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen soweit gebessert, daß ihr Anteil am deutschen Aussenhandel von etwas mehr als drei Prozent auf über fünf Prozent im vergangenen Jahr anstieg.

Die Studie vertritt die These, dass eine maßvolle Lohnpolitik dem Wachstum nur förderlich sein kann. Die Gefahr, daß leistungskräftige Arbeitnehmer auf Grund der höheren Löhne im Westen abgeworben werden könnten, schätzt die Untersuchung gering ein. Die Förderung der ostdeutschen Wirtschaft soll sich in Zukunft nicht mehr so sehr auf die Gründung neuer Unternehmen, sondern auf den Ausbau der bestehenden Betriebe konzentrieren. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe sind nach Auffassung der Studie die einzelnen Unternehmen noch zu klein, um typische Größenvorteile wie die Produktion bei sinkenden Durchschnittskosten zu nutzen.

Die Studie empfiehlt eine Mischung aus wettbewerbsorientierter und traditioneller Wirtschaftsförderung, die nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden der Kreditanstalt, Hans Reich, an den regionalen und lokalen Gegebenheiten orientiert seien sollte: "Zu den wettbewerbsorientierten Maßnahmen gehört zum Beispiel das Kooperationsklima zwischen den Institutionen - wie Kammern, Verbänden und Kommunen - und der Innovationsgrad der regionalen Politik genauso wie die Technologie- uns Innovationsförderung. Eher traditionelle Instrumente sind hingegen kommunale Beratungsleistungen für Unternehmen, Ausweis von günstigen Gewerbeflächen, Gewerbesteuer und Ähnliches."


  • Datum 19.11.2001
  • Autorin/Autor Wolter v. Tiesenhausen
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/1OAn
  • Datum 19.11.2001
  • Autorin/Autor Wolter v. Tiesenhausen
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/1OAn