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Politik

Aufatmen nach zweiwöchiger Zitterpartie

Am Dienstag (9.8.2005) ist die Raumfähre "Discovery" wieder sicher auf der Erde gelandet. Und schon soll die nächste US-Mission Richtung Mond und Mars gehen - allein schon aus politischen Gründen.

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Der Start der "Discovery" zur Internationalen Raumstation ISS war nach der "Columbia"-Katastrophe vor zweieinhalb Jahren der erste bemannte Raumflug der USA. Wie wichtig das Gelingen dieser Mission für das amerikanische Selbstwertgefühl ist, zeigt sich in der geballten Aufmerksamkeit und medialen Aufbereitung, die der "Discovery"-Mission zuteil wurde. Nach zwei Wochen Zitterpartie ist der Weltraumflug der siebenköpfigen Besatzung und damit eine teils dramatische Mission nun zu einem guten Ende gelangt. Die geglückte Landung, die mehrfach verschoben werden musste, ist nach der nationalen Tragödie um die "Columbia" im Februar 2003 Balsam auf die Seele der Amerikaner.

Wurzeln des Misstrauens

Von Anfang an waren alle Augen auf das neue Projekt gerichtet: Was würde passieren? Wie würde die Mission dieses Mal ausgehen? Der Flug der "Discovery" - eine psychologisch hochgradig sensible Angelegenheit.

Das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in die bemannte Raumfahrt und ihre technische Überlegenheit war durch die "Columbia"-Katastrophe bis ins Mark erschüttert worden. An den Bildschirm gefesselt, mussten damals tausende Amerikaner die Bilder vom Verglühen des Raumgleiters über sich ergehen lassen. Der Tod der sieben Astronauten zerstörte gleichzeitig die Illusion von einer gefahrlosen Raumfahrt. Überall im Land wehten die Flaggen auf Halbmast, die Nation war erschüttert.

Nervenprobe

Unter dieser extremen Ausgangslage war am 26. Juli eine neue Shuttle-Crew ins All gestartet. Das Vertrauen der Amerikaner wurde erneut auf die Probe gestellt. Ein Scheitern der Mission oder Unglück vom Ausmaß der "Columbia"-Katastrophe wäre ein weiterer Schlag ins Kontor des amerikanischen Selbstvertrauens gewesen. Dieses ist durch die nicht abreißenden Terroranschläge im Irak ohnedies über alle Maße beansprucht.

Mit über 100 Kameras an Bord der "Discovery" konnten die Menschen erneut das Geschehen im All zum Teil live mitverfolgen. Dass sich wie schon bei der "Columbia" kurz nach dem Start ein Stück der Schaumstoffisolierung am Außentank löste, rief schmerzliche Erinnerungen an die nur kaum verwundene Tragödie wach.

"Welcome home, friends"

Dabei war die Mission von Anfang an von der ständigen Angst um die Besatzung begleitet. Und nach der Panne beim Start gab es immer neue Probleme. Eine beschädigte Hitzekachel, überstehende Füllstreifen am Hitzeschild, eine eingerissene Isolierdecke, um nur einige zu nennen.

Schließlich waren gefährliche Reparaturarbeiten im All nötig geworden. Nachdem diese erfolgreich abgeschlossen waren, verschob sich die Landung wegen schlechter Witterungsverhältnisse mehrfach. Zuguterletzt musste die Raumfähre den Luftwaffenstützpunkt in Kalifornien und nicht wie geplant in Florida ansteuern.

"Welcome home, friends" jubelten die Mitarbeiter der NASA-Bodenzentrale in Houston. Nach dieser kritischen Gemengelage fiel von allen die immense Anspannung ab. Und auch die Bevölkerung, die zwei Wochen lang am Geschick der Astronauten teilgenommen hatte, brach in Freudentränen aus.

Ein Erfolg, der keiner ist?

Obwohl die "Discovery" wieder gut auf der Erde gelandet ist, ist das Trauma, das die amerikanische Bevölkung von dem "Columbia"-Absturz davon getragen hat, noch nicht verarbeitet. Zwar hatte damals Präsident George W. Bush unmittelbar nach dem Unglück selbstbewusst das Verbleiben in der bemannten Raumfahrt angekündigt, doch legen die Pannen der letzten Mission die Schwächen der NASA offen. Für ihr Ansehen ist das verheerend. Auch nach zweieinhalbjähriger Suche nach den Ursachen für die Beschädigungen an den Außentanks während des Starts tappt man im Dunkeln. Das zentrale Sicherheitsproblem der Shuttles bleibt bestehen. Schon mehren sich die Stimmen, die den endgültigen Ausstieg aus der bemannten Raumfahrt fordern.

Von alledem will Bush anscheinend nichts wissen. Wie wichtig das Gelingen der Landung für die Amerikaner ist, zeigt sich auch in seiner Reaktion: in schon zehn Jahren wolle man auf den Mond fliegen, spätestens 2020 auf den Mars.

Zuversicht, Glaubwürdigkeit, beherztes Vorgehen

Über die Finanzierung dieses Projektes hat der Präsident dabei kein Wort verloren. Das spielt für die angeknackste Psyche der Amerikaner aber auch keine Rolle. Es gilt, den "Columbia"-Schock zu überwinden und das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung wiederzugewinnen. Dazu bedarf es vor allem dreierlei: Zuversicht, Glaubwürdigkeit und beherztes Vorgehen in der Sache.

Ganz nebenbei kann Bush die Nation wieder mit einem großen Projekt hinter sich vereinen. Das, was der Krieg gegen den Terrorismus nicht mehr leistet, könnte nun die bemannte Raumfahrt übernehmen. Dass die Gründe dabei eher politisch denn wissenschaftlich scheinen, stört derweil niemanden.