1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Aufatmen nach Streikabsage der Fluglotsen

Das tagelange Hin und Her im Tarifstreit der Fluglotsen mit der Deutschen Flugsicherung hat ein Ende – vorerst. Denn nun soll ein Schlichter die Tarifparteien zur Einigung bringen.

Fluglotsen am Flughafen Frankrfurt am Main (Foto: dapd)

Der Fluglotsenstreik ist vorerst vom Tisch

Das große Chaos auf deutschen und europäischen Flughäfen bleibt aus. Der Streik der Fluglotsen wurde am Dienstag (09.08.2011) wenige Stunden vor dem geplanten Beginn abgeblasen. Der Lotsenstreik konnte in der Nacht durch einen Schlichteranruf des Arbeitgebers, der Deutschen Flugsicherung (DFS), vermieden werden. Nur vereinzelt mussten sich Reisende am Dienstag dennoch auf Probleme im Flugverkehr einstellen.

Wie ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport berichtete, sei dort am Morgen alles "fast normal, abgesehen von einigen Ausreißern". Bei den "Ausreißern" handele es sich um 30 bis 40 Flüge, die am Montag von den Fluggesellschaften vor oder nach der angekündigten Streikzeit verlegt worden seien. Denn der bundesweite Arbeitskampf war für Dienstag zwischen 06.00 und 12.00 vorgesehen. Doch nach der Streikabsage wurden die getroffenen Vorbereitungen wieder rückgängig gemacht. Daher waren viele Passagiere zu früh am Flughafen.

Flüge mit Ausnahmegenehmigung

"Der Flugbetrieb hat ganz normal begonnen", sagte auch ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Lediglich zwei Transatlantikflüge der Lufthansa seien mit einer Ausnahmegenehmigung bereits um kurz vor 6 Uhr gelandet. Die Airline hatte die Flieger vorzeitig in Toronto und New York abheben lassen, um die Passagiere noch vor Beginn des angekündigten Streiks in Düsseldorf abzusetzen. Der Flughafen war auch sonst gut gerüstet: Um den Passagieren das Warten angenehmer zu machen, hatte der Flughafen 3000 zusätzliche Sitzgelegenheiten, kostenlose Getränke für die Wartenden und ein Unterhaltungsprogramm für Kinder organisiert. Viele Passagiere waren verunsichert: "Wir haben bis zwei Uhr nachts im Wohnzimmer gesessen und hätten schon beinahe unseren Flug umgebucht", sagte Tobias Koch (20) am Düsseldorfer Flughafen. Manche Reisende äußerten sich deshalb verärgert über die Deutsche Flugsicherung, die erst kurz nach Mitternacht eine Schlichtung angerufen hatte.

Jetzt wird verhandelt

Die DFS scheiterte zwar in der Nacht mit dem Versuch, den von der GdF angekündigten Streik wie in der vergangenen Woche gerichtlich mithilfe einer einstweiligen Verfügung verbieten zu lassen. Denn die Arbeitsgerichte hatten in zwei Instanzen den Streikaufruf der GdF für rechtmäßig erklärt.

Anflugkontrolle Frankfurt am Main (Foto: Deutsche Flugsicherung DFS)

Jetzt soll ein Schlichter den Tarifstreit beilegen

Doch die DFS rief unmittelbar nach ihrer Niederlage vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht die Schlichtung an. Damit begann sofort eine neue Friedenspflicht, das heißt die Fluglotsen dürfen in den nächsten Wochen nicht die Arbeit niederlegen. Ein genauer Termin für die Schlichtung steht allerdings noch nicht fest. Zum Schlichter ernannten die Tarifparteien den Münchner Arbeitsrechtsprofessor Volker Rieble. Er soll in den kommenden zwei Wochen einen Zeitplan für die Schlichtung vorlegen. Falls dieser Einigungsversuch scheitert, seien neue Streikpläne möglich.

Fluglotsen verlangen 6,5 Prozent mehr Lohn

Der Arbeitsdirektor der Deutsche Flugsicherung (DFS), Jens Bergmann am Arbeitsgericht in Frankfurt am Main (Foto: dapd)

Niederlage für DFS-Arbeitsdirektor Jens Bergmann vor Gericht

Darum geht es in dem Tarifstreit: Die GdF verlangt neben einer Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent über zwölf Monate mehr Einfluss auf Stellenbesetzungen und auf die Arbeitsbedingungen der mehr als 5000 Tarifbeschäftigten bei der Flugsicherung. Rund 1900 von ihnen sind Fluglotsen. Die Fluglotsen wollten mit dem Streik auch auf einige ihrer Ansicht nach grundsätzliche Probleme aufmerksam machen: Aufgrund eines systematischen Personalmangels müssten sie viel zu viele Überstunden machen. Eines Tages könnte das auf Kosten der Sicherheit gehen, warnt die GdF.

Die DFS bietet nach eigenen Angaben eine Erhöhung der Tarifgehälter ab 1. August um 3,2 Prozent plus eine sofortige Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent des Bruttojahresgehalts. Ab 1. November 2012 würden die Gehälter danach um weitere zwei Prozent, mindestens aber in Höhe der Inflationsrate steigen.

Jetzt werden die nächsten Wochen zeigen, welches Ergebnis die nächste Runde des seit sieben Monaten schwelenden Tarifstreits hat.

Autroin: Naima El Moussauoui (dpa, dapd, rtr)

Redaktion: Marion Linnenbrink