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Politik

Aufatmen - durchatmen

Deutschland gegen die USA - ist das alles nur ein Spiel? DW-Korrespondent Daniel Scheschkewitz schildet die Emotionen auf beiden Seiten. Live aus der Fußball-Kneipe.

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Das war mal wieder so ein Tag, an dem man als Deutscher dankbar sein durfte - für eine große Portion unseres sprichwörtlichen Fußballerglücks.

Der 1:0 Sieg gegen die couragiert aufspielenden US-Boys war schmeichelhaft und brachte mich vor meinen amerikanischen Gastgebern ein wenig in Verlegenheit. Da saßen sie nun traurig und von einer langen Fußballnacht übermüdet unter ihren Uncle Sam-Hüten, drapiert in US-Fahnen, das "star spangled banner" mit Wachsmalstiften auf die Stirn gebannt.

Aus der Traum vom Halbfinale - der kometenhafte Aufstieg des Fußballszwerges Amerika war vom Bollwerk Kahn ausgebremst worden. Die US-Boys kehren heim, aber der Ball wird auch künftig rollen, in einem Land, indem man Fußball bislang als eine Art Freizeitbeschäftigung für kleine Mädchen gesehen hat.

War es nun der wohl bekannte Hurrapatriotismus , der die US-Amerikaner an die Fensehbildschirme brachte und Präsident Bush zum Telefonhörer greifen, um "seinen" Jungs zu gratulieren, nachdem sie den Nachbarn Mexiko aus dem Rennen geworfen hatten?

Oder hatte es tatsächlich etwas mit jener Begeisterung zu tun , die das runde Leder selbst ansonsten rund um den Erdball entfacht?

Mein Endruck ist: Von Beidem etwas. Natürlich nutzen die Amerikaner nicht erst seit dem 11. September jede sich bietende Gelegenheit, um aus vollem Hals die Nationahymne zu schmettern. Andererseits konnte man in diesen für die USA so bemerkenswerten WM-Tagen tatsächlich auf einigen Sachverstand treffen.

Und auf viel Sportlichkeit. Ich weiß nicht, wie sehr man in Deutschland mit dem Schiedsrichter gehadert hätte, wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen. Nicht so in der Sportkneipe, in der ich das Spiel sah. "Das bessere Team habe gewonnen" und "Herzlichen Glückwunsch " bekam ich zu hören.

Statt sich als schlechte Verlierer zu präsentieren, kehrten die US-Fußballfans ganz das britische "Fair Play" heraus. Fast ebenso ans britische Mutterland des Fußballs erinnerte mich übrigens die Berichterstattung über den Gegner Deutschland.

Hier dominierte eindeutig die Kriegsmetaphorik. Kriegerische Durchhalteparolen zur Halbzeit , man hätte ja auch ‘43 nicht aufgegeben. Deutschland die Kampfmaschine, die alles platt macht und vor allem aufgrund ihrer physischen Härte gewinnt.

Ist letzteres nur ein Klischee? Wer das Spiel gesehen hat, wird zugeben müssen, dass auch diese Sichtweise durchaus etwas für sich hat. Aber, so sage ich mir dann, Fußball ist eben nichts für kleine Mädchen. Hatten das die amerikanischen Freunde nicht gerade gelernt?