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Kultur

Auf zur Deutsch-Olympiade

Gesucht wird der Weltmeister im Deutschlernen. Dazu sind 90 Jugendliche aus 46 Ländern nach Hamburg gekommen. Zwei Wochen müssen die Schüler verschiedene Aufgaben lösen und ihr Können zeigen.

Anrich aus Südafrika und Ming aus Neuseeland lesen gemeinsam Anrichs Reisetagebuch Foto: dw - Janine Albrecht,

Deutschlerner in Hamburg

Der Hamburger Stadtpark: große Rasenflächen, Wasser, Spielplätze. Vor einer großen Wiese hat sich eine kleine Gruppe von Jugendlichen versammelt. Sie stehen um ihre Betreuerin herum und warten auf Anweisungen."Hier also seht ihr das Planetarium", sagt Tiki und zeigt hinter sich. "Auf der anderen Seite von dieser Wiese ist Wasser. Ihr könnt Euch ein Eis kaufen und kalte Getränke und ihr könnt einfach mal rumgucken." Die 35 Schüler haben sich bei der ersten Aufgabe der Internationalen Deutsch-Olympiade für das Thema Natur und Umwelt entschieden.

Unter ihnen Anrich aus Südafrika und Zsolt aus Serbien. "Ich interessiere mich auch für die Wälder in Deutschland. Eines Tages möchte ich sehr gerne in den Schwarzwald", sagt Anrich. Zsolt meint, dass dieses Thema ihm am nächsten steht. Im Stadtpark sollen die Deutsch-Olympioniken nun anfangen Material für ihre Wandzeitung zu sammeln. Darauf sollen sie ein Thema zum Bereich Umwelt und Natur schriftlich und bildlich darstellen.

"Alles ist so groß und grün"

Lernpause im Hamburger Stadtpark Foto: dw-Janine Albrecht

Lernpause im Stadtpark

In den vergangenen beiden Tagen haben die Schüler bereits viel von der Hansestadt gesehen. In Bussen auf einer Stadttour, im Schiff auf einer Hafenrundfahrt. Es sei hier alles unheimlich groß und so grün, findet Zsolt. In seiner Heimatstadt Novi Sad, im Norden Serbiens, sei das anders."Es ist sehr eng, es gibt kaum Luft, nicht so viel grün, nur im Park."

Daher habe er sich auch dafür entschieden, in seiner Wandzeitung den Straßenverkehr von Hamburg und Novi Sad zu vergleichen."Denn in meiner Stadt ist es viel verseuchter, da ist es viel mehr CO2. Die Autos sind hier viel moderner, wir haben Autos, die gehen oder die gehen eben nicht", sagt Zsolt.

"Mit Menschen von der anderen Seite des Globus reden"

Andere hat der Hamburger Hafen beeindruckt. Und Lo’ay aus Ägypten sind sofort die Frauen auf den Fahrrädern aufgefallen."Ich werde etwas über Verkehrsmittel schreiben, denn das ist sehr anders als bei uns", sagt er. Es sei hier eine andere Welt. Und jeder bringt Erfahrungen aus seiner Welt mit. "Wir lernen Kulturen aus der ganzen Welt kennen, das ist einfach toll", sagt Anrich. Ich kann mit Leuten reden, die von der anderen Seite des Globus kommen, das ist schon ein bisschen merkwürdig, aber es ist ein wirklich gutes Gefühl, wirklich", pflichtet Zsolt ihm bei.

Die Aufgabe für die Deutsch-Olympiade ist unterdessen zur Nebensache geworden. Vielmehr wird miteinander geredet. In kleinen Grüppchen laufen die Schüler den Schotterweg zur großen Wiese entlang. Hier und da hört man gelegentlich englische Worte, immer dann, wenn den Schülern die deutsche Vokabel fehlt. Aber grundsätzlich versuchen alle, nur deutsch zu sprechen. Diese Sprache verbindet sie miteinander. Als sie endlich am Eisstand ankommen, fällt Zsolts Blick auf die Karte an der Wand."Oh teuer, teuer", entfährt es ihm. Das würde hier doppelt so viel kosten als bei ihm zu Hause. Er kramt in seinem Portemonnaie und zählt zwei Euro zusammen.

"Wir verstehen uns"

Die 17jährige Schülerin Dace aus Lettland Foto: DW-Janine Albrecht

Dace aus Lettland

Und während Zsolt und Tomislav dann in der Schlange vor dem kleinen Kiosk stehen geht es wieder um Sprache. Diesmal um die Muttersprache der beiden Schüler aus Serbien und Mazedonien. Sie vergleichen Ähnlichkeiten einiger Worte und kommen schließlich zu dem Schluss: "Wir verstehen uns", sagt Tomislav und Zsolt nickt. Auch beim Eis gibt es Gemeinsamkeiten, diesmal zwischen Deutschland und Südafrika: Anrich meint "lecker" sage man auch in Afrikaans. Während sich einige ihr Eis schmecken lassen, schmökert Ming aus Neuseeland in Andrichs Reisetagebuch. In einem kleinen Vokabelheft notiert er die Ausflüge und Erlebnisse in Hamburg. Ming liest und meint, er habe eine sehr gute Grammatik. Und ganz nebenbei lernen beide wieder etwas dazu. Ming ergänzt fehlende Vokabeln, Anrich erklärt ihr, was sie nicht versteht.

"Spaß haben und etwas lernen"

Für ihre Wandzeitung haben die Schüler im Stadtpark noch nicht viel zusammenbekommen. Aber sie haben ja auch noch etwas Zeit. Das Plakat muss erst in zwei Tagen fertig sein. Deutsch macht diesen Schülern auf jeden Fall Spaß. Dace aus Letland trägt stolz den Vers von "Fischers Fritze" vor. Ein halbes Jahr habe sie dafür gebraucht, den Zungenbrecher so schnell sagen zu können. Die 17-Jährige sieht, wie viele ihrer Mitschüler, auch beruflich Vorteile darin, dass sie Deutsch gelernt hat. Sie möchte Modedesign studieren und danach in Deutschland ihr Glück versuchen, sagt sie. Dass sie bei der Internationalen Deutscholympiade dabei ist, freut sie. Doch der Wettbewerb scheint für viele hier, nicht so wichtig zu sein. Die meisten liegen oder sitzen entspannt auf der Wiese, manche baden ihre Füße im Wasser. Zsolt, der ab Oktober in seiner Heimat Germanistik studieren wird, war gar nicht bewusst, dass es sich hierbei um einen Wettbewerb handelt. "Ich dachte, dass ist nur so ein Kurs, ich will Spaß haben, etwas lernen und Leute kennen lernen", sagt er. Wie bei jeder Olympiade heißt es auch hier in Hamburg: Dabei sein ist alles!

Autorin: Janine Albrecht

Redaktion: Günther Birkenstock

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