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Sport

Auf Suche nach den Schuldigen im Wettskandal

200 Fußballspiele in neun europäischen Staaten sollen von der Wettmafia manipuliert worden sein. Wegen der laufenden Ermittlungen wurden bisher offiziell noch keine Namen genannt. Das bietet reichlich Raum für Gerüchte.

Ausgefüllte Wettscheine (Foto: dpa)

Theo Zwanziger (Archivfoto: dpa)

Theo Zwanziger: Ross und Reiter nennen

Theo Zwanziger will sich nicht an Spekulationen über die Drahtzieher des Wettskandals beteiligen. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes appellierte am Samstag (21.11.2009) an die Ermittler der Staatsanwaltschaft Bochum, "so schnell wie möglich Ross und Reiter zu nennen. Denn das ist auch wichtig für die, die nicht betroffen sind."

Ansprache an die Fans

In den deutschen Medien waren am Freitag bereits erste Namen genannt worden. So stünden drei Spieler des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück unter Verdacht, hieß es, unter ihnen Thomas Reichenberger. Der 35-Jährige verwehrte sich gegen die Anschuldigungen. Vor dem Drittliga-Spiel der Osnabrücker gegen die Amateure des Hamburger SV griff Reichenberger zum Mikrofon und richtete das Wort an die Fans im Stadion. Er habe nie Kontakt zur Wettmafia gehabt, sagte Reichenberger, und auch "nie für Geld ein Spiel manipuliert oder absichtlich schlecht gespielt."

Reichenberger im Trikot (Archivfoto: dpa)

Thomas Reichenberger wehrt sich gegen Anschuldigungen

Die Aufregung in Osnabrück ist groß. Angeblich sollen zwei Auswärtsspiele der Niedersachsen in der vergangenen Saison manipuliert worden sein. Die Osnabrücker hatten beide Spiele verloren und waren am Ende der Spielzeit abgestiegen. Der damalige Trainer Claus-Dieter Wollitz, jetzt Coach beim FC Energie Cottbus, versteht die Fußball-Welt nicht mehr. "Ich möchte nicht, dass das wahr ist. Vielleicht bin ich auch zu naiv und gar nicht mehr für dieses Geschäft geboren." Neben dem VfL Osnabrück soll auch der Regionalligist SSV Ulm in den Skandal verstrickt sein. Angeblich stehen vier Spiele der Ulmer aus der vergangenen Saison auf der Verdachtsliste.

Schiedsrichter bestochen?

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" will außerdem erfahren haben, dass auch ein deutscher Schiedsrichter verdächtigt wird. Er soll bei einem Regionalliga-Spiel im vergangenen Mai Schmiergeld kassiert haben. Eine Beteiligung von Schiedsrichtern an den Betrügereien sei besonders verwerflich, sagte DFB-Chef Zwanziger. Die Referees seien schließlich zur Objektivität verpflichtet. "Sollte sich das als wahr herausstellen, dann haben die Leute bei uns nichts mehr zu suchen. Wir werden sie auch bestrafen. Jeder, der an Manipulationen beteiligt ist, ist einer zu viel."

Hilferuf an die EU

Zwanziger warnte allerdings auch davor, den Fußball insgesamt schlecht zu reden. Schließlich stünden von 1,4 Millionen Spielen, die jährlich in Deutschland angepfiffen würden, nur 32 unter Verdacht, manipuliert worden zu sein. "Ich möchte die ganze Sache nicht bagatellisieren, aber im europäischen Rahmen sieht das gleich ganz anderes aus." Die Gefahr werde besonders groß, wenn Spitzenwettbewerbe wie die Champions League oder die Europa League betroffen seien.

Felix Magath (Archivfoto: ap)

Felix Magath: Hält die Bundesliga nicht für manipulationsanfällig

"Das macht die Faszination des Fußballs kaputt." Der DFB-Chef forderte die Europäische Union auf, bestimmte Sportwetten zu unterbinden, für die es keine klaren gesetzlichen Auflagen gebe. Diese Wetten würden zum Beispiel im Internet über Asien oder den Balkan platziert.

In der Bundesliga ist die Erleichterung darüber groß, dass die höchste Spielklasse bisher nicht von dem Skandal betroffen ist. Das zeige, sagt Felix Magath, Trainer des FC Schalke 04, dass "das Niveau, auch was die Schiedsrichter angeht, so hoch ist, das man da nur schwer was machen kann."

Autor: Stefan Nestler (dpa/sid)
Redaktion: Martin Schrader

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