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Deutschland

Auf Streife - wie Polizisten ihre Arbeit erleben

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt eine wachsende Arbeitsbelastung und zunehmende Gewalt gegen Beamte. Wie empfinden Polizisten ihren Arbeitsalltag? Besuch bei einer Bonner Wache.

Der Polizist Burkhard Jung steigt die Treppen zum 'Bonner Loch' hinab (Foto: Sonja Gillert)

Burkhard Jung auf dem Weg ins "Bonner Loch"

"GABI" steht in dicken schwarzen Buchstaben auf einem beleuchteten Schild direkt neben einer großen Glastür im "Bonner Loch". Mit seinen vielen Winkeln und Treppen ist dieser graue und triste Bereich des Bonner Hauptbahnhofs immer wieder auch ein Treffpunkt der Drogenszene. Hinter der Tür arbeiten Wulf Klinge, der Leiter der Wache "Gemeinsamen Anlaufstelle Bonn Innenstadt" und seine Kollegen - Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes.

Mit Händen und Füßen

Gemeinsam sorgen sie schon seit 1992 für Sicherheit im Bonner Hauptbahnhof und in der Innenstadt. Der Arbeitsalltag habe sich allerdings im Laufe der Jahre verändert, berichtet Klinge: "Dass Leute sich gegen polizeiliche Maßnahmen wehren, das haben wir immer wieder gehabt, auch in der Vergangenheit. Aber dieses offene Auftreten gegen Polizei, insbesondere bei Gruppierungen, um sich auch in der Gruppe stark zu präsentieren, das nimmt deutlich zu." Manchmal sei das eine Art Spiel für die Gruppen.

Burkhard Jung vor dem Hauptbahnhof (Foto: Sonja Gillert)

Burkhard Jung vor dem Hauptbahnhof

Im Einsatzbereich der Wache GABI sind es aber oft auch Drogensüchtige, die im Rausch aggressiv auf die Polizei reagieren. Bedenklicher findet Wulf Klinge allerdings, dass auch schon Kinder Widerstand leisten. Zuletzt war es ein Neunjähriger, der der Polizei schon bekannt war und sich mit Händen und Füßen gegen die Beamten wehrte.

Man kennt die Szene

Zur täglichen Arbeit in der Wache GABI gehört auch die Fußstreife. Wo diese Streife hinführt, zeigt der Polizeibeamte Burkhard Jung. Meist sind die Beamten zu zweit unterwegs, oft zusammen mit dem Ordnungsamt. Das hektische Hin und Her im Bonner Loch ist Burkhard Jung nach 18 Jahren Dienst bei GABI schon gewohnt, er kennt die Menschen, die sich hier häufig aufhalten: "Die beiden, die da gerade vor uns waren, das sind auch Leute aus der Klientel." Zur "Klientel" gehören vor alle Mitglieder der Drogenszene und Obdachlose, für die die Gegend um den Bonner Bahnhof ein Treffpunkt ist.

Gewaltbereit bei Nichtigkeiten

Die Wache GABI (Foto: Sonja Gillert)

Die Wache GABI

Als Dienstältester bemerkt auch Jung Veränderungen im Alltag der Polizei: "Das ist sehr erschreckend, wenn man sieht, dass das Gegenüber - nicht nur bei kapitalen Sachen, sondern auch bei relativ kleinen Angelegenheiten - bereit ist, mit Gewalt gegen einen vorzugehen." Die Mitarbeiter der Wache GABI haben in ihrem Einsatzgebiet viel mit Suchtkranken zu tun. Um den Drogenkonsum einzudämmen, sind sie auch Ansprechpartner für Hilfs- und Beratungsangebote für Drogensüchtige und vermitteln Kontakte zu Therapieeinrichtungen. Burkhard Jung macht einen Abstecher hinter den Hauptbahnhof, zum "Verein für Gefährdetenhilfe" - ein Angebot für Menschen mit sozialen Problemen und für Suchtkranke: "Hier gehen wir auch einfach mal rein, um die Polizei zu repräsentieren und das Ordnungsamt natürlich." Den Kontakt zur Szene zu halten, sei besonders wichtig betont Jung. Viele der Heroin-Abhängigen können die Beamten mit Namen ansprechen. So könne man auch durch Kommunikation oft deeskalieren.

Für den Notfall gerüstet

Vom Bahnhof aus geht es in Richtung Bonner Weihnachtsmarkt. Auch in der Innenstadt gibt es dunkle Ecken, wie einen Hinterhof, den Burkhard Jung kontrolliert - ein Treffpunkt der Drogenszene. Doch heute ist es ruhig. Für den Fall, dass Burkhard Jung mit Worten auf seiner Streife nicht mehr weiter kommt oder angegriffen wird, trägt er an seinem Gürtel Pfefferspray, dazu kommen die Schutzweste, das Funkgerät, Handschellen und natürlich die Dienstwaffe. Das sind knapp zehn Kilogramm, die er oft ein bis zwei Stunden auf der Streife mit sich trägt, erzählt er. Dann geht es zurück zur Wache im Bonner Loch.

Die Uniform allein reicht im Einsatz oft nicht mehr aus, um als Respektsperson wahrgenommen zu werden, berichtet der Wachenleiter Wulf Klinge. Besonders ältere Kollegen beklagten sich desöfteren, sie würden nicht ernstgenommen. Sich neben der Arbeit immer wieder Respekt verschaffen zu müssen, sei belastend, sagt Klinge. "Das ist eine Quelle für Frustrationspotential innerhalb der Polizei."

Härtere Strafen allein reichen nicht

Damit sich etwas ändert, findet der Leiter der Wache GABI es wichtig, dass die Strafen für Gewalt gegen Polizisten verschärft werden, doch das allein reiche nicht aus. Nicht nur die Justizbeamten müssten sich gegen den Anstieg von Gewalt stark machen: "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und wir sind auch nur ein Blitzableiter einer solchen Entwicklung. Ich glaube die gesamte Entwicklung ist eine breitere und auch eine schwierigere."

Autorin: Sonja Gillert

Redaktion: Dеnnis Stutе

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