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Welt

Auf sich allein gestellt – Frauenschicksale in Armenien

In der ehemaligen Sowjetrepublik Armenien schrumpft die Bevölkerung. Seit der Unabhängigkeit vor 15 Jahren hat das Land viele Menschen durch Auswanderung verloren. Leidtragende der Entwicklung sind vor allem die Frauen.

Eine armenische Familie, Oma, Mutter und zwei kleine Töchter

Frauen bestimmen den Alltag in Armenien, die meisten Männer sind weg

Die Abwanderung aus Armenien gilt als eine der bisher größten Migrationsbewegungen weltweit. Und sie hatte gravierende Folgen für die armenische Gesellschaft: Während viele Männer – Ehemänner, Brüder, Söhne – das Land auf der Suche nach Arbeit und einem stabilen Einkommen verliesen, blieben die Frauen allein zurück. Sie müssen seitdem die entstandene Lücke füllen -und treffen Entscheidungen, die traditionell Männer treffen, organisieren den Haushalt und müssen oft genug etwas dazuverdienen, weil das Geld nicht reicht.

Von der Hausfrau zur Familienmanagerin

Vier Frauen laufen an einer Strasse entlang

Sie sind auf sich allein gestellt und die Rollen werden einfach verteilt ...

Inzwischen ist bei jeder dritten Familie in Armenien eine Frau das Familienoberhaupt – sei es, weil sie alleinstehend oder geschieden ist, sei es, weil ihr Mann im Ausland ist, um Geld zu verdienen. Eine untypische Rollenverteilung. In der armenischen Gesellschaft ist die Frau Mutter und Seele der Familie – nicht die Ernährerin. Das hat sich gründlich geändert. Notgedrungen mussten die Frauen selbst aktiv werden, um sich und ihre Kinder versorgen zu können.

Unverheiratete Frauen? Unvollständige Menschen!

Die massive Abwanderung hat noch weitere Auswirkungen: Es herrscht Männermangel. Schätzungen zufolge kommen in Armenien auf 1000 Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren nur 775 Männer im gleichen Alter. Doch eine unverheiratete Frau mit Anfang 20 gilt hier schon als „alte Jungfer“. Eine Frau ohne Ehemann und ohne Kinder? Ein unvollständiger Mensch.

Junge Frauen, die nicht verheiratet sind und keine Kinder haben, leben meist noch bei den Eltern und fühlen sich häufig als Bürde. Gerade sie zieht es ins Ausland. Allerdings fallen viele Frauen Menschenhändlern in die Hände, die ihre Opfer unter falschen Versprechungen etwa als Haushaltshilfen oder Kellnerinnen ins Ausland locken, ihnen vor Ort jedoch den Pass abnehmen und sie sogar zur Prostitution zwingen.

Ungenutztes Potential

Eine ältere Frau sitzt alleine an einem Tisch mit einem leeren Teller vor sich

... sie regeln den Haushalt, alle müssen anpacken, ...

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armenien sind Frauen. Sie versorgen ganz allein ihre Familie und ersetzen an vielen Stellen die Männer. Jede fünfte Frau in Armenien verfügt über einen Hochschulabschluss. Allgemein ist in den postsowjetischen Ländern die Zahl gut ausgebildeter Frauen hoch – doch häufig werden ihre Kenntnisse einfach nicht genutzt. In Politik und Wirtschaft, im öffentlichen Leben sind Frauen zumindest an den entscheidenden Stellen nicht zu finden. An der Spitze der Machtpyramide in Armenien fehlen die Frauen, und es scheint keinen Platz für sie zu geben.

Frauen gezielt fördern

Eine Frau verkauft Obst, Gemüse und Wurst an einem kleinen Marktstand

... und kümmern sich um den Unterhalt, wenn es reicht, für eine Schulbildung der Jungen

Das soll sich auch nach dem Willen der Regierung ändern. Seit dem Jahr 2004 gibt es einen nationalen Aktionsplan. Sein Ziel: „den Status der Frauen zu verbessern und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken“. Bis zum Jahr 2010 hat man sich ehrgeizige Ziele gesetzt: gleiche Rechte und Möglichkeiten für Frauen schaffen, die soziale und wirtschaftliche Lage verbessern, Gewalt gegen Frauen ächten, um nur einige zu nennen. Dabei will man sich an die entsprechende Richtlinien der UN, des Europarats und der armenischen Verfassung halten.

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