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Auf Schusters Rappen unterwegs

Was heute eher als entspannender Ausflug in die Natur verstanden wird, war früher mangels Alternativen meist die einzige Möglichkeit von Ort zu Ort zu kommen. Das Vergnügen dürfte sich da in Grenzen gehalten haben.

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Auf Schusters Rappen unterwegs

Mancher macht es zum Vergnügen in der Freizeit, im Urlaub oder aus sportlichen Gründen: wandern. Der Begriff „Wandern“ bedeutet ganz allgemein, von einem Ort zum andern ziehen und zwar zu Fuß. Wobei das aus ganz unterschiedlichen Beweggründen und auch mit unterschiedlichen Mitteln geschehen kann.

Auf Schusters Rappen unterwegs

Ein Rappe galoppiert durch ein Mohnfeld (picture-alliance/Juniors/M. Grebler)

Einen Rappen konnten sich Schuster früher nicht leisten

Sich mit den eigenen Füßen fortzubewegen, ist seit Menschengedenken die einfachste Form, um sich von A nach B, von einem Ort zum anderen, zu begeben. „Auf Schusters Rappen“ sozusagen. Weil Schuster mit ihrem Handwerk des Besohlens von Schuhen nicht viel verdienten, konnten sie sich natürlich auch keine Rappen, schwarze Pferde, leisten und mussten zu Fuß gehen.

In der Alltagssprache wird die Wendung scherzhaft verwendet, wenn man statt des Autos oder Fahrrads eben mal zu Fuß geht. Wie die Handwerksburschen mit ihrem Wanderstecken, dem Wanderstab und einem geschnürten Bündel, dem Vorläufer des Rucksacks. Noch heute kann man manchmal in Deutschland Zimmerleute in traditioneller Kleidung auf ihrer Wanderschaft sehen.

Die Wanderzeit

Ein Zimmermann und Zimmerfrau auf Wanderschaft in der für sie tyischen schwarzen Kleidung mit Hut und Bündel. (picture-alliance/U. Baumgarten)

Gemeinsam auf Wanderschaft: ein Zimmermann und eine Zimmerfrau

Früher waren die sogenannten Wanderjahre für Handwerksburschen obligatorisch. Nach der Lehrzeit hieß es erst einmal: wandern! Erst dann konnte die Meisterprüfung abgelegt werden.

Während der Wanderzeit – und das war Sinn und Zweck dieser Pflicht – wurden überall bei den Meistern der jeweiligen Zunft Erfahrungen gesammelt. Wahrscheinlich stammt daher der Ausdruck „bewandert sein“, was bedeutet, dass man sich sehr gut in einer Sache auskennt.

Wenn Massen wandern ...

Dichtes Gedränge vor den Eingangstoren zu einem Fußballspiel (picture-alliance/Chromorange/W. G. Allgöwer)

Eine Art Völkerwanderung zu einem Fußballspiel

Wer auch wanderte, waren die sogenannten „fahrenden Leute“ ohne festen Wohnort. Die wandernde Schauspieltruppe, der Wanderzirkus, zog von einem Ort zum andern. Die Theaterleute, die Artisten, Clowns und Musikanten waren überall und nirgends zu Hause.

Aber auch ganze Völker sind gewandert. Wie zum Beispiel die Germanen. Diese Völkerwanderungen fanden seit dem Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausends in Europa statt. Diese Art von Wanderungen war aus der Not geboren, weil man vor Feinden fliehen musste. Manchmal taucht der Begriff „Völkerwanderung“ auch in der Umgangssprache auf als Synonym für eine sehr große Anzahl von Menschen, die sich an einen Ort begibt, etwa in ein Fußballstadion.

Von Erholungssuchenden und Wandervögeln

Archivfoto aus 1910 mit vier jungen Männern, die zur Wandervogel-Bewegung gehören. Zwei sitzen auf einer Mauer, einer hat eine Gitarre geschultert. (picture-alliance/akg-images)

Die „Wandervogel“-Bewegung suchte die Nähe zur Natur

Wer heutzutage wandert, tut dies, weil er oder sie sich erholen will oder weil der Doktor dazu geraten hat, sich viel zu bewegen. Also werden Wanderschuhe gekauft, Wanderkarten der schönsten Wandergebiete, und dann geht es los. Auf gut gekennzeichneten Wanderwegen.

Seit der Romantik und der deutschen Turnbewegung steht Wandern in Deutschland hoch im Kurs. Es bildeten sich Wandervereine. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der „Deutsche Wandertag“ ins Leben gerufen. Die alljährlich stattfindende Großveranstaltung deutscher Wanderer hat das Wandern gewissermaßen institutionalisiert.

Der Wandervogel

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gründeten in Steglitz, heute Berlin, Studenten und Schüler den „Wandervogel“, eine Jugendbewegung, die das Leben mit der Natur zu ihrem Motto machte. Im allgemeinen Sprachgebrauch gilt heute als Wandervogel, wer gerne und ausgiebig wandert, wer sozusagen bekennender Wanderer ist.

Aber selbst wer schlecht zu Fuß ist, muss auf das Wandern nicht verzichten. Schließlich gibt es das Radwandern. Auch die Ruderer kennen Wanderfahrten.

Die Sehnsucht nach fernen Ländern

„Wandern“, „zuwandern“, „einwandern“. Vergessen wollen wir nicht das Auswandern. Mancher denkt daran, vor allem wenn sie oder er sich im eigenen Land nicht mehr wohl fühlt. Allerdings machen es die wenigsten dann auch. Denn wohin auch immer man auswandert: zuerst müsste man einwandern.

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