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Asien

Auf Schnäppchenjagd in Peking

Afrikanische Geschäftsleute kaufen in China preiswerte Waren, um sie mit Gewinn zurück in ihre Heimat zu verschiffen. Ihr Geschäft blüht, doch im chinesischen Alltag erleben die Händler häufig Rassismus.

A Chinese woman, who sells clothes on the roadside, holds tens of Yuan, while dealing with a customer, in a Hutong, or a traditional alleyway, in Beijing, China, Tuesday, June, 22, 2010. Proving that flexibility is a two-way street, the Chinese yuan edged lower against the U.S. dollar in spot trading Tuesday, a day after surging to a new high following the central bank's decision to let the currency trade in a wider range. (ddp images/AP Photo/Muhammed Muheisen)

Symbolbild Straßenhandel in Peking China

Toyin Lawal steht in ihrer Küche und hantiert beschäftigt mit Messer und Kochlöffel. Ihre kleine Ein-Zimmer-Wohnung befindet sich in einem brandneuen Appartmentkomplex etwa 30 Kilometer außerhalb von Chinas Hauptstadt Peking. In der Mitte der Gebäude liegt ein üppiger grüner Innenhof. Toyin wirft kleine Stücke Fisch in die dampfende rote Chilli-Sauce in dem Topf neben ihr.

Die 41-jährige Nigerianerin mit dem freundlichen Gesichtsausdruck trägt ein langes grün-weißes Sommerkleid und Flip-Flops. Sie kocht nigerianisches Essen für ihre Landsleute, die ebenfalls in Peking leben. "Eigentlich bin ich gar nicht so eine gute Köchin", sagt sie bescheiden. "Aber meine Landsleute lieben mein Essen. Sie wollen immer, dass ich für sie koche." Jeden Tag außer sonntags packt sie ihr Essen ein und bringt es in eine geschäftige Partyzone im Zentrum von Peking. Dort verkauft sie es in einem kleinen Lebensmittelgeschäft, das einer chinesischen Familie gehört.

Socken, Taschen, Wandfliesen

Markenware made in China

Billig und nicht immer echt: Markenware made in China

Die Gegend ist bekannt bei vielen Ausländern, auch bei den Nigerianern, die in Peking leben. Viele von ihnen sind Händler. Sie kaufen in China die unterschiedlichsten Waren ein, um sie nach Hause weiter zu verkaufen: von Kleidung über Küchenutensilien bis hin zu Baumaterial. Besonders beliebt sind gefälschte Markenklamotten bekannter internationaler Modelabels. Die werden in China in Massen produziert. Auch Toyin handelt neben ihrem Geschäft mit dem Essen mit Waren. "Ich verkaufe alles Mögliche: Schuhe, Taschen. Manche Schulen bestellen auch Kleidung für ihre Schüler bei mir, besonders Socken. Sie schicken mir das Geld und dann gehe ich los und kaufe ihnen, was sie wollen." Toyin bestellt ihre Waren bei Herstellern in der Stadt Guangzhou. Von dort aus werden sie nach Nigeria verschifft.

Guangzhou ist eine große Hafenstadt im Süden Chinas, in der Nähe von Hongkong, und Standort vieler Fabriken. Die Stadt hat eine große afrikanische Gemeinschaft von Händlern angezogen. Die Nachbarschaft, in der viele von ihnen leben, wird von Chinesen aus der Gegend auch die "Schokoladenstadt" genannt.

Kabir Amuda hat auch in Guangzhou gelebt, bevor er nach Peking zog. Der 30-Jährige exportiert Boden- und Wandfliesen nach Nigeria, "weil jetzt viele Leute in Nigeria Häuser bauen". So wie viele andere Händler ist er immer auf dem Laufenden darüber, welche Produkte sich gerade gut verkaufen. "Wenn niemand mehr Fliesen kaufen möchte, dann schaue ich mich eben nach anderen Importartikeln um", sagt er. "Morgen ist es dann vielleicht Autozubehör."

Gute Geschäfte für eine bessere Zukunft

Massenproduktion in China

Massenproduktion in China

Kabir fliegt selbst nach Nigeria, um seine Produkte, die er von China aus verschiffen lässt, an die lokalen Geschäftsleute weiter zu verkaufen. Pro Containerladung kann er zwischen 5000 bis 6000 US-Dollar Gewinn machen. "Wenn du ein eigenes Geschäft hast und deine Produkte dort verkaufst, kannst du sogar noch mehr Gewinn machen. Aber ich verkaufe meine Produkte einfach nur an die kleinen Händler, damit ich schnell wieder zurück und eine neue Ladung verschiffen kann.“

Toyin hingegen fliegt nur einmal pro Jahr nach Hause, um ihre zwei Söhne zu besuchen, die bei Freunden leben. Mit dem Geld, das sie in China verdient, will sie ihnen eine gute Zukunft ermöglichen. Sie lebt schon seit fast acht Jahren nicht mehr in Nigeria und will auch nicht mehr zurück. "Unser Land ist nicht einfach", sagt sie. "Es gibt kein Geld. Wenn du etwas für deine Kinder tun möchtest, dann musst du irgendwie ins Ausland kommen und dort Geld verdienen. Meine Kinder müssen in die Schule gehen und dann in die Universität. Ich will, dass mal etwas aus ihnen wird und ich möchte, dass sie eines Tages ein einfacheres Leben haben als ich.“

Neues Leben mit Hindernissen

Auch die offizielle wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Afrika blüht

Auch die offizielle wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Afrika blüht

Doch neben den vielen Möglichkeiten, Geld zu machen, gibt es auch negative Aspekte. Viele Afrikaner, die in China leben, berichten von offenem Rassismus. "Chinesen hassen schwarze Menschen. Wenn ich zum Beispiel versuche, ein Taxi zu nehmen, halten die wenigsten Fahrer an", sagt Toyin.

Außerdem berichten viele von großen Schwierigkeiten, Papiere für einen längeren Aufenthalt in China zu bekommen. Deswegen melden sich viele Afrikaner in China als Studenten an. Das ist die einfachste und günstigste Art, an ein Langzeit-Visum zu kommen. Andere lassen sich von spezialisierten Visa-Agenturen helfen und müssen dann bis zu 3.000 US-Dollar für ein halbes Jahr bezahlen. Aber auch dann dürfen sie nur ein Mal einreisen. Vor Kurzem hat die chinesische Regierung angekündigt, Ausländer noch stärker zu überprüfen als bisher. Deswegen will fast keiner von ihnen ein Foto von sich veröffentlicht sehen - so auch Toyin und Kabir -, obwohl ihre Papiere doch legal erworben sind. Sie wollen einfach keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Neben diesen Problemen finden Toyin und Kabir aber auch viel Positives in ihrem Leben in China. Kabir hat sogar eine chinesische Frau geheiratet. Toyin mag China, weil sie das Land als sehr sicher empfindet. "In meiner Heimat passieren so viele Überfälle, es gibt dort so viel Gewalt. Hier kann ich sogar um drei Uhr morgens ohne Probleme nach Hause gehen." Lächelnd fügt sie hinzu: "Dafür liebe ich China."