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Politik

Auf rauen Pfaden zu den Sternen

Präsident Bush will zum Mond und dann zum Mars: Bis 2015 soll eine permanente Raumstation auf dem Erdtrabanten installiert sein. Von dort soll es weitergehen in die Tiefen des Alls.

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Ziel der Sehnsüchte: der Rote Planet

Der Ort, an dem Präsident Bush am Mittwoch (14.1.2004) sein wegweisendes neues Raumfahrtprogramm verkündete, war symbolisch gewählt: Das Hauptquartier der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Die ist seit dem Absturz der Raumfähre Columbia im Februar 2003 stark unter Druck geraten. Jetzt hat die NASA einen neuen ehrgeizigen Auftrag. "Wir beginnen ein neues Raumfahrtprogramm mit dem Ziel, die Präsenz des Menschen auf unser Sonnensystem auszudehnen", sagte Bush. Vor allem der politisch wichtige Bundesstaat Florida - Sitz der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA - wird von dem neuen Raumfahrtprogramm profitieren. Gegenwärtig beschäftigt die NASA in Florida 40.000 Menschen.

Ambitioniertes Projekt

Kernstück des Programms ist die Rückkehr amerikanischer Astronauten auf den Mond mit einem neuen Raumfahrzeug bis zum Jahr 2015 und die Vorbereitung einer bemannten Marsmission. "Mit der Erfahrung, die wir auf dem Mond sammeln können, werden wir den nächsten Schritt in der Erkundung des Weltraums vorbereiten", kündigte Bush an. Wie schnell sich der technische Fortschritt, der eine solche Mission möglich machen würde, realisieren lässt, wird nicht zuletzt von seiner Finanzierbarkeit abhängen.

Das Raumfahrtprogramm soll weitgehend aus schon vorhandenen Mitteln finanziert werden. Aus dem 86-Milliarden-Dollar-Budget der NASA für die nächsten fünf Jahre und einer zusätzlichen Milliarde, die der Kongress bewilligen soll. "Auf dieser Reise werden wir technologisch große Fortschritte machen, von denen wir noch nicht im Einzelnen wissen, wie sie aussehen werden. Aber sie werden kommen und sie werden unsere Investitionen vielfach bezahlt machen", hofft der Präsident. Konkret nannte Bush die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen auf dem Mond. Unklar ist, ob der Kongress angesichts des riesigen US-Haushaltsdefizit tatsächlich bereit sein wird, die zusätzlichen Gelder freizugeben.

Was soll uns das?!

Das neue Raumfahrtabenteuer soll kein rein amerikanisches Projekt bleiben. "Die von mir skizzierte Vision ist eine Reise, kein Wettrennen", schlug der Präsident versöhnliche Töne an. "Ich lade andere Länder dazu ein, an dieser Reise teilzunehmen im Geiste von Freundschaft und Kooperation."

Dies muss allein schon deshalb so sein, weil auch das mächtige Amerika ein solches Programm alleine gar nicht stemmen kann: Das amerikanische Haushaltsdefizit bewegt sich nach Jahren des Überschusses auf historische Rekordmarken zu.

Nach einer aktuellen Meinungsumfrage von CNN lehnen 67 Prozent aller Amerikaner große neue Investitionen in ein Mond- und Mars-Raumfahrtprogramm ab. Und sie fragen sich vollkommen zu Recht, ob ihr Präsident nicht die falschen Prioritäten setzt. Wozu brauchen die USA eine permanente Mondstation, wenn jeden Abend hunderttausende Kinder in Amerika hungrig zu Bett gehen müssen? Wie vertretbar ist eine bemannte Marsmission, solange 40 Millionen Amerikaner ohne jeden Gesundheitsschutz auskommen müssen? Die staatlichen Schulprogramme, Umweltschutzmaßnahmen und soziale Förderprogramme - all das hat die Regierung Bush mit Hinweis auf fehlende Gelder in den letzten Jahren zurückgefahren.

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