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Fokus Osteuropa

Auf nach Den Haag

Europa und die Welt fordern immer vehementer die Auslieferung von mutmaßlichen Kriegsverbrechern. Nun stellte sich ein ICTY-Angeklagter freiwillig. Das offizielle Belgrad und sogar die Kirche begrüßten diesen Schritt.

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Der Belgrader ICTY-Beauftragte Ljajic hofft jetzt auf internationale Anerkennung.

Der vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, ICTY, angeklagte ehemalige General Vladimir Lazarevic traf sich am 28. Januar mit Serbiens Premier Vojislav Kostunica und Justizminister Zoran Stojkovic im Regierungssitz. Danach beschloss er, sich freiwillig dem ICTY zu stellen. Die Regierung teilte daraufhin mit, Regierungschef Kostunica habe gesagt, die Regierung Serbiens und der Staat Serbien achteten und schätzten diesen patriotischen, moralischen und ehrenvollen Entschluss Lazarevics sehr. Ferner würde sowohl die Regierung als auch der Staat dem General alle erforderlichen Garantien bieten und seine Verteidigung komplett unterstützen. Lazarevic wird beschuldigt, Kriegsverbrechen an Zivilisten im Kosovo verübt zu haben.

Der Vorsitzende des Nationalrates für die Kooperation mit dem ICTY, Rasim Ljajic, sagte, Lazarevic habe durch seine Tat sowohl seine eigene Position als auch die des Staates erleichtert. „Dadurch ist das Hindernis für den Erhalt einer positiven Machbarkeitsstudie von der EU aus dem Weg geräumt. Und ich glaube, dass die internationale Gemeinschaft auf adäquate Weise diesen Schritt behandeln und dies als eine konkrete Form der Zusammenarbeit mit dem ICTY bezeichnen wird. Serbiens Präsident Boris Tadic schätzte Lazarevics Entschluss als „einen mutigen, ehrenhaft und gewissenhaften Schritt“. Vuk Draskovic, Außenminister von Serbien und Montenegro, zufolge verhielt sich Lazarevic „ehrenhaft und verantwortungsbewusst“. Ferner sagte er, „ich hoffe, dass auch die übrigen vom ICTY angeklagten Generäle dem Entschluss von Lazarevic folgen werden.“

Der ehemalige General wurde in Begleitung des serbischen Regierungschefs, Vojislav Kostunica, am Dienstag, den 2. Februar vom Patriarchen Pavle auf seine Einladung empfangen, heißt es auf der Internetseite der Serbisch-Orthodoxen Kirche. Der Patriarch sagte zu Lazarevic dabei, unter den großen Versuchungen, denen Serbien ausgesetzt sei, folge Lazarevic den besten Beispielen. „Wir müssen uns immer an die Wahrheit halten und mit all unseren Kräften die Wahrheit bezeugen und dafür kämpfen. In unserer Geschichte haben wir Beispiele für beispielhaft ehrenhafte Offiziere, die mutig und bis zum Ende die Interessen des Volkes vertreten und die Wahrheit verteidigt haben. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche achtet und schätzt den Entschluss von General Lazarevic sehr, dass er diesen schweren Weg im Interesse des Vaterlandes einschlägt,“ so Patriarch Pavle.

Ivica Petrovic, Jovan Radovanovic, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 2.2.2005, Fokus Ost-Südost