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Musik

Auf musikalischer Freiheitssuche: Defne Şahin

"Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald. Das ist unsere Sehnsucht." Diese Verse des türkischen Poeten Nazım Hikmet begleiten Defne seit ihrer Kindheit und inspirierten sie zu ihrem Plattendebüt.

Das Debütalbum Yaşamak (Foto: Deutsche Media Productions 2011)

Das Debütalbum "Yaşamak"

Die letzten Zeilen aus Nazım Hikmets berühmten Gedicht "Davet" (Einladung) bilden für Defne Şahins Gefühl genau den richtigen Rahmen für ihr Album "Yaşamak" (zu Deutsch: leben). Darauf versammelt sie Neuvertonungen von Gedichten und Texten ihres großen Quasi-Landsmanns. "Quasi", weil die Jazzsängerin nicht in der Türkei, dem Land ihrer Eltern, das Licht der Welt erblickte, sondern in Deutschland, genauer: in Berlin.

Und auch Hikmet selbst, in Thessaloniki geboren, damals noch Teil des Osmanischen Reiches, verbrachte die meiste Zeit seines nicht allzu langen Lebens weitab der Türkei; viele Jahre davon, auch die letzten, weilte er in Moskau. Genau diese weltoffene Haltung, die nie die Heimat aus dem Blick und aus dem Herzen verliert, eint die beiden: den vor 48 Jahren verstorbenen künstlerischen und menschlichen Freigeist und die 27-jährige Musikerin, die es auch von Kindheit an in die weite Welt zieht.

Freiheit als Quelle der Inspiration

In den besonnenen und konzentrierten Worten der hübschen jungen Frau mit dem lockigen schwarzen Haar taucht oft das Wort "Freiheit" auf. Ein zentraler Aspekt auch im Tun des eigenwilligen, nicht zuletzt politisch unbequemen Nazım Hikmet, der fast ein Viertel seiner 62 Lebensjahre im Gefängnis saß.

Defne Sahin sitzt auf einem Sofa (Foto: Deutsche Media Productions 2011)

Defne Şahin fühlt sich mit Nazım Hikmet seelenverwandt

Den Freiheitsgeist, den Defne Şahin in Hikmets Zeilen findet, verspürt man auch auf ihrem Debütalbum. "Dünyayı verelim çocuklara"/ Lasst uns die Welt den Kindern geben: Dieses Gedicht schwirrt schon seit ihrer Kindheit in Defnes Kopf herum. Es war das allererste aus Hikmets Feder, an dessen Vertonung sie sich vor fünf Jahren wagte, und es ist eines der musikalisch bewegteren unter den elf zurückgelehnten Songs ihres Debütalbums.

Defne Şahins Freiheitsliebe musste sie wohl irgendwann zum Jazz führen, bei dem ihr vor allem das freie Suchen nach der eigenen Sprache, dem eigenen Sound und dem improvisatorischen Raum gefällt. Möglichkeiten, die aus ihrer Sicht wiederum wunderbar zu Hikmets weiten Gedankenwelten passen. Nachdem die von früh an Musikbegeisterte alle möglichen Schulen und musikalischen Betätigungsfelder durchlaufen hatte, ging sie ein Jahr vor dem Abitur an eine Highschool in die USA. Und im Ursprungsland des Jazz verliebte sie sich ein für allemal in diese Musik. Sie wurde Sängerin in einer Big Band und wusste irgendwann: Das muss weitergehen, ich will beruflich Sängerin sein.

Viel Input in wenig Zeit

Defne Sahin mit Band beim PopCamp 2011(Foto: Jonathan Gröger)

Defne Sahin mit Band beim PopCamp

Mittlerweile liegt ein Jazzgesangsstudium an der Berliner Universität der Künste hinter Defne Şahin. Dort kam sie mit bekannten Größen des Jazz, etwa David Friedman oder Judy Niemack in Tuchfühlung. Auch ein Aufenthalt in Barcelona und der Besuch der Escola Superior de Música gaben der Berlinerin weitere wichtige Impulse. In ihrer katalanischen Lehrerin, der Jazzsängerin Carme Canela, fand Defne Şahin eine musikalische Seelenverwandte. Beide verfügen über eine ähnlich klare und offene Gesangsstimme, mit der sie neben Jazz auch gerne Brasilianisches intonieren.

In Barcelona, nah dem Meer, das auch in Hikmets poetischer Welt eine wichtige Rolle spielt, komponierte die junge Studentin die meisten der nun fertig vorliegenden Songs. Und die werden in Kürze eine ganz besondere Feuertaufe erleben: beim Abschlusskonzert des PopCamps, für das Defne Şahin mit ihrem Trio -drei jungen Kommilitonen am Bass, an Klavier, Rhodes und am Schlagzeug - gemeinsam mit vier weiteren Bands auserkoren wurde. Die Erfahrung dort, den inspirierenden Austausch und die tollen Coaches möchte die Sängerin nicht missen.

... Und schon Neues in der Pipeline

Defne Sahin (Foto: Deutsche Media Productions 2011)

Poesie hat es Defne angetan

Wenn die fleißige Künstlerin zwischen ihren vielen Konzerten, auf denen sie ihr Debütalbum präsentiert, Zeit findet, dann verlässt sie Berlin gen Istanbul. Dort, in ihrer neuen, alten Heimat, arbeitet sie seit geraumer Zeit an einem weiteren literarisch-musikalischen Projekt. Gemeinsam mit Musikerfreunden beider Metropolen möchte sie moderne Gedichte vertonen, die sich um die Stadt am Bosporus drehen. Defne Şahin mausert sich also ganz offenbar nicht nur zu einer neuen, interessanten Stimme im weltgewandten Jazz, made in Germany; sie baut zudem ihr ganz eigenes "europäisches Haus", wird zu einer Art Vermittlerin zwischen Deutschland und der Türkei, wenn nicht gar dem Rest der Welt...

Autorin: Katrin Wilke
Redaktion: Matthias Klaus

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