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Reise

Auf Lesbos bricht der Tourismus ein

Tausende Migranten strandeten im letzten Jahr an der Küste der griechischen Insel Lesbos. Die Bilder gingen um die Welt. Jetzt meiden die Touristen die früher so beliebte Ferieninsel.

Die Inselbewohner empfingen die Flüchtlinge mit Wasser, Essen und Decken und versorgten die Neuankömmlinge über Wochen mit dem Notwendigsten. Für Ihre spontane Hilfsbereitschaft wurden sie international gefeiert. Von Papst Franziskus bis zu UN Generalsekretär Ban Ki-Moon, von Königin Rania von Jordanien bis zur US-Schauspielerin Angelina Jolie - alle lobten die Bewohner von Lesbos. Doch das Image der Ferieninsel hat durch das Flüchtlingsdrama Schaden genommen. Der Tourismus kommt in diesem Jahr nicht in die Gänge.

Die Gäste scheinen nachhaltig abgeschreckt. "Wir waren auf schwierige Zeiten vorbereitet, aber was wir jetzt erleben, ist viel schlimmer als erwartet.", sagt Marilena Gourgoutzi und zeigt auf die leeren Tische ihres Restaurants. Um diese Jahreszeit würde man in der Hafenstadt Molyvos normalerweise nirgendwo einen freien Platz finden.

Griechenland - Lesbos, Touristen in Molivos Mithimna

Der Hafen von Molyvos

In den Hotels ist nur jedes zehnte Zimmer belegt. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ging das Tourismusgeschäft um 64 Prozent zurück. "Es ist unfair", meint der Vorsitzende der Handelskammer Vangelis Myrsinias. "Alle die Menschen, die so begeistert von den Inselbewohnern waren, sollten sie jetzt nicht im Stich lassen und unsere Insel besuchen.", fügt er hinzu.

Über 800.000 Flüchtlinge und Migranten, hauptsächlich aus Syrien aber auch aus dem Irak und Afghanistan machten sich von Lesbos aus auf ihrem Weg nach Nordeuropa. Hotelbesitzer Theodoros Vathis (74) erinnert sich an Tage, an denen 400 Menschen auf einmal ankamen. Er lud bereitwillig Familien in seinen Van und brachte sie zur Registrierungsstelle. "Es waren so schnell keine Helfer vor Ort, wir waren die einzigen, die sich kümmerten, die den Menschen Kleider gaben und Essen.", erzählt Vathis.

Flüchtlinge Lesbos Griechenland Silhouette Licht Schatten

Geflüchtete warten vor einer Fähre im Hafen von Mytilini

Europa sah sich 2015 mit der größten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert. Anfang 2016 schlossen etliche EU-Mitgliedstaaten ihre Grenzen. 57.000 Menschen saßen in Griechenland fest.

Bilder von Stränden, die mit Müll, Rettungswesten und Schlauchbooten übersät waren, gingen um die Welt. Die Situation auf Lesbos hat sich normalisiert, die Strände sind wieder sauber und dennoch bleiben die Touristen weg. "Von ausländischen Gästen höre ich, dass diese Bilder von ertrunkenen Migranten und vollgemüllten Stränden immer noch verbreitet werden.", klagt Restaurantbesitzerin Gourgoutzi.

Im März 2016 einigten sich die EU und die Türkei auf ein Flüchtlingsabkommen. Es stoppte den Strom an Flüchtlingen, die über die Ägäis in die EU kamen. Nur noch wenige Dutzend Menschen am Tag landen heute auf Lesbos. Und doch bleiben die Besucher aus.

Bürgermeister Spyros Galinos berichtet, dass nur noch neun Charterflüge in der Woche die Insel ansteuern. Vorher waren es 27. Trotz des Krisen-Managements der Insel gelang es nicht, den Tourismus zu beleben.

Anstatt auf die Deutschen, Briten und Niederländer setzte Lesbos auf Besucher aus der Türkei. Auch wenn sie nur für Kurztrips anreisen. Doch der versuchte Putsch in der Türkei am 15. Juli ließ auch diese Quelle versiegen.

Griechenland - Lesbos, Strandcafes

Der Strand von Skala Eressos

In der Folge des fehlgeschlagenen Putsches ließ die türkische Regierung Tausende Menschen verhaften, Zehntausende wurden suspendiert oder verloren ihre Jobs. Der Ausnahmezustand wurde verhängt und der Jahresurlaub für Staatsbedienstete wurde gestrichen. "Noch vor kurzem hatten wir viele türkische Gäste hier, die nach dem Ramadan hier ihre Ferien verbrachten.", so Gourgoutzi. "Nach dem Putsch war ein deutlicher Rückgang zu spüren.", fügt sie hinzu.

Im vergangenen Sommer spendete Juwelier Yiorgos Fangoulis einen Teil seiner Einnahmen an Helfer, die sich um die Flüchtlinge kümmerten. Dieses Jahr will er für Organisationen spenden, die armen Griechen helfen. "Das ist die Schuld der Regierung. Sie hat es zugelassen, dass viel zu viele Migranten nach Griechenland kamen. Zur selben Zeit hat sie die Steuern erhöht.", sagt Hotelbesitzer Vathis. "Und es ist die Schuld der Journalisten - ob in Griechenland oder im Ausland - , die einseitig über Lesbos berichten."

lg-hec/jph/cw/har/at (AFP)