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Auf Leben und Tod

In den Tag hinein lebt der Nichtsnutz, hinter dem Mond der Ahnungslose. Todlangweilig sind manche Schulstunden, zum Totlachen manche Sketche. Lebensbedrohlich ist beides aber nicht.

Der Tagelöhner lebt von der Hand in den Mund, er hat keine Sicherheit und muss jeden Tag aufs Neue überlegen, wovon er am nächsten Tag lebt. Der Millionenerbe dagegen lebt in Saus und Braus, kann schadlos verschwenden und genießen. Leben könnte er, wenn er wollte, wahlweise auch wie Gott in Frankreich, also kulinarisch auf höchstem Niveau, mit allen Genüssen, die Küche und (Wein-)Keller zu bieten haben. Wer es sich auf Kosten anderer gut gehen lässt und seine Mitmenschen ausnutzt, wird verständlicherweise weniger charmant beschrieben. Das ist dann jemand, der wie die Made im Speck lebt.

Immer eine Nummer zu groß

Wer dagegen auf großem Fuße lebt, macht das nicht unbedingt, indem er andere ausnutzt. Aber er lebt betont anspruchsvoll, fährt ein schickes Auto, trägt edle Kleidung und teure Uhren und macht kostspielige Urlaubsreisen.

Zuweilen lebt er dann über seine Verhältnisse, kann sich den aufwändigen Lebensstil eigentlich gar nicht leisten und versinkt deshalb immer mehr im Schuldenberg – nicht selten, bis ihm das Wasser bis zum Halse steht und er alles zu verlieren droht. Das süße Leben kann also ganz schön gefährlich sein.

Ach die Liebe

Für Verliebte dagegen sind Geld und Luxus nicht wichtig. Sie leben im Wolkenkuckucksheim, in einem Zustand fernab des Alltags, im Kopf nichts anderes als den anderen, den sie – von Zuneigung erfüllt – anhimmeln.

Lange hält so ein Liebesrausch selten – so ist das Leben. Und wenn der eine oder die andere dann eine neue Liebe findet, ist der Zurückbleibende todtraurig. In vielen Fällen endet das Ganze aber auch – zumindest vorläufig – glücklich, man reicht einander die Hand fürs Leben und heiratet.

Ferne Welten

Nun können aber auch nichtverliebte Menschen die Bodenhaftung verlieren und allzu vergeistigt im realitätsfernen Elfenbeinturm leben.

Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit komplexen Theorien oder peniblen Messungen, Dinge, die für andere todlangweilig sind, was aber meist nicht lebensbedrohlich ist, genauso wenig wie Geschichten zum Totlachen.

Hinter dem Mond ist es einsam

Nun gibt es verschiedene Grade der Realitätsferne: Bedenkenlos und naiv ist, wer einfach so in den Tag hinein lebt, ohne an die Zukunft zu denken, an notwendige Absicherung und seine Verantwortung für Familie und Freunde.

Hinter dem Mond dagegen lebt jener, der keine Ahnung hat von der Welt: Jemand, der glaubt, dass der Klapperstorch die Kinder bringt, das Land am besten von einem edlen mächtigen Herrscher regiert wird, und dass er irgendwann ohne lange und mühsame Erkenntnis die Lösung für alle Probleme der Welt findet. So jemand lebt in seiner eigenen Welt, in der nur deshalb alles so schön zu funktionieren scheint, weil sie eben nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Praktisch, feinsinnig und tolerant

Das Gegenteil davon sind Menschen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Diese Art Bodenhaftung mit einem guten Gleichgewicht gilt weniger für eine Körperbalance, sondern bezieht sich vor allem auf den Realitätssinn von Menschen und ihren Sinn für das Notwendige und Mögliche.

Wer es darüber hinaus noch schafft, einen ausgeprägten Stil zu besitzen, dem sagt man Lebensart nach. Solche Menschen haben klare Vorstellungen davon, wie ihre Kleidung, ihre Wohnung und ihre Möbel aussehen sollen und auch, welche Bücher sich zu lesen lohnen oder welche Kunstrichtung intelligent und welche banal ist.

Allerlei Alterserscheinungen

Weniger auf Geschmack als auf die innere Haltung zielt das Motto: Leben und leben lassen. Es ist das Prinzip der Toleranten, egal welche Lebensweise andere haben, an welchen Gott sie glauben oder was sie auf ihrem Speisezettel meiden.

Diese Art Weisheit hat oft etwas mit dem Alter zu tun, aber leider nicht immer. Klar ist, wir verändern uns mit den Jahren. In der Blüte des Lebens stehen meistens Menschen, die ihre Jugend schon deutlich hinter sich haben. Eine genaue Festlegung per Duden gibt es nicht, die Zuschreibung hängt genauso wie die Empfindung von Schönheit immer vom Betrachter ab. Doch meistens wird diese Blüte irgendwo zwischen 40 und 60 Jahren gesehen.

Todsicheres

Danach verbringt man dann seinen Lebensabend. Nicht wenige Deutsche tun das übrigens im Ausland, dort, wo es wärmer und schöner ist. Ob es einem in der Fremde wirklich besser geht als in der Heimat, ist nicht gewiss, nur, was danach kommt, ist sicher. Todsicher.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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