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Kultur

Auf Kurs - die Leipziger Buchmesse 2013

Bildungsmesse, Entdeckermesse, Autorenmesse - die Leipziger Buchmesse ist das alles. Autor David Wagner wurde für seinen Roman "Leben" mit dem mit 15.000 Euro dotierten Preis der Messe ausgezeichnet.

Impression der Leipziger Buchmesse 2013 (Foto: DW)

Leipziger Buchmesse 2013

Ungewöhnliche Klänge in Halle 4: Die Sopranistin Anja Pöche singt Lieder für feierliche Anlässe. "Das ist total cool", sagt ein Mädchen. Und die Jungs neben ihr nicken. Leipzig präsentiert sich auf dieser Buchmesse auch als Musikstadt, die Schüler haben das gerade zufällig entdeckt. Nun bleiben sie einen Augenblick stehen, lassen ihre Tüten zu Boden sinken. Jede Menge Prospekte und Hefte mit Leseproben haben sie schon gesammelt, und auf einem Block sauber notierte Notizen. Sie sind mit der Klasse hier hergekommen und mit Rechercheaufträgen, wie so viele andere auch. Denn ein Besuch der Buchmesse ist für Sachsens Schülerinnen und Schüler obligatorisch. Das ist der alljährliche Versuch, Kinder und Jugendliche an Autoren, Bücher und deren Inhalte heranzuführen.

Buchmarkt in Bewegung

Zu entdecken gibt es viel. "Mit 2069 Ausstellern aus 43 Ländern steht diese Frühjahrsbuchmesse gut da", sagt Messedirektor Oliver Zille. Und sie spiegele, dass die Akteure am Buchmarkt ständig in Bewegung seien. Neu im Angebot der Messe ist deshalb auch ein maßgeschneidertes Fachprogramm für Autoren, Self-Publisher, Blogger, Texter und Publizisten. Die können hier beispielsweise erfahren, wie man in drei Schritten zum eigenen Buch kommt und sich anschließend optimal selbst vermarktet.

Impression der Leipziger Buchmesse 2013 (Foto: DW)

Self Publishing: In drei Schritten zum eigenen Buch

Was durchaus erfolgreich sein kann. Einer der Bestseller des Verlags Books on demand heißt "Natural Dog Food" und wurde weit über 10.000 Mal verkauft. Kein traditioneller Verlag, erzählt Geschäftsführer Florian Geuppert, habe sich für das Manuskript erwärmen können, deshalb hat die Autorin es schließlich in seinem Haus selbst verlegt. Ein Weg, den viele gehen. An die 10.000 Neuerscheinungen bringt Books on demand jedes Jahr über seine Internet-Plattform auf den Markt. Gegen geringes Entgelt lädt der Autor dort sein Manuskript hoch, legt Ausstattung und Preis fest und schon kann, wer mag, das fertige und eigens für ihn gedruckte Buch ordern. Eine demokratische Plattform des Publizierens sei das, sagt Florian Geuppert.

Neue digitale Bücherwelt

Books on demand ist auch für uns ein wichtiger Partner, sagt Verleger Christoph Links. Er gibt dort ältere Titel hin, bei denen sich eine Neuauflage nicht mehr lohnt. Über 1600 Verlage nutzen diese Form der digitalen Backlist bereits. Der Buchmarkt weite sich durch technische Entwicklungen aus, sagt Messedirektor Oliver Zille. Allerdings stünden Bücher auch immer stärker im Wettbewerb mit anderen Medien und Freizeitaktivitäten.

Impression der Leipziger Buchmesse 2013 (Foto: DW)

Kinderbücher-Vermarktung: Apps machen Werbung für die Fortsetzung

Insbesondere Kinder- und Jugendbuchverlage reagieren darauf auf ihre Weise: Längst bieten sie neben dem gedruckten Buch auch Hörbücher, eBooks und DVDs der entsprechenden Verfilmungen an. Sie entwickeln riesige Produktpaletten rund um ihre Bücher, von der Bettwäsche bis zum Kuscheltier, und erzählen via App schon mal in einer kleinen Geschichte, was demnächst multimedial als Fortsetzung erscheinen wird. Apple und Amazon sind die Plattformen, auf denen digitale Inhalte weitergegeben werden. Wer sich am Markt behaupten und den Anschluss nicht verlieren will, muss da mitmachen, sagt Markus Dömer, Leiter Business Development beim Carlsen Verlag.

"Vorsicht Buch"

Dabei ist gerade der international agierende Online-Konzern Amazon das Reizthema dieser Buchmesse. Seine stetig steigenden Umsätze machen dem stationären Buchhandel in Deutschland massiv zu schaffen. "Wer sich sehenden Auges in die Hände von Monopolisten begibt, muss damit rechnen, dass Unabhängigkeit, Individualität und Vielfalt kleingeschrieben werden", warnte Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, während der Eröffnungsfeier dieser Buchmesse. In einer auf drei Jahre angelegten Kampagne im ganzen Land will der Börsenverein nun auf seine Weise für den Erhalt der vielfältigen Buchhandelslandschaft werben und verdeutlichen, dass die Buchhandlung ein einzigartiger Ort der Entdeckungen, des Gesprächs und der Beratung ist.

Plakatwand mit Werbung für den schwerpunkt tranzyt (Foto: DW)

40 Gastautoren aus Polen, der Ukraine und Weißrussland

Eine andere Möglichkeit, Bücher und Autoren zu entdecken, ist diese Leipziger Messe. 100.000 Titel werden hier präsentiert, 2500 Hörbücher und 1000 DVDs - von der anspruchsvollen Literatur über den Ratgeber bis hin zum Reiseführer. Brasilien, das Gastland der Frankfurter Herbstbuchmesse, wirbt mit Autoren und Lesungen schon mal für seinen Auftritt. Und unter dem Motto "tranzyt. Kilometer 2013" präsentieren sich mehr als 40 Autoren aus Polen, der Ukraine sowie Weißrussland und diskutieren Fragen der Identität, über Frauenpower und Zensur.

Bücher und Preise

Lebhaft diskutiert wird auch bei vielen der insgesamt 2800 Begleitveranstaltungen des Lesefestivals "Leipzig liest", das jedes Jahr außerordentlich viel Zuspruch findet. Zu den prominenten Teilnehmern gehört Klaus-Michael Bogdal, der für seine Studie "Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung" mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wurde.

David Wagner (Foto: dpa)

Gewinner des Preies der Leipziger Buchmesse 2013: David Wagner

Autor David Wagner ist der diesjährige Gewinner des mit 15.000 Euro dotierten Preises der Leipziger Buchmesse. Die Jury zeichnete ihn in der Kategorie Belletristik für seinen Roman "Leben" aus. Darin geht es um einen jungen Vater, der den lang erhofften Anruf bekommt: Eine passende Spenderleber wurde gefunden. Beide Preisträger befassen sich mit schweren Themen - aber eben darüber spricht man auf der Buchmesse in Leipzig.

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