1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

"Auf jeden Fall flexibel sein" - Deutsche Handwerker im Ausland

Sabine Seidler, Sprecherin der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, vermittelt Deutsche Handwerker ins Ausland. Die sind dort gern gesehen, sagte sie im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Ein Tischler schraubt von unten an einem Tisch herum. (Foto: AP Photo/Matthias Rietschel) ** zu APD6947)

Gut zu vermitteln: Deutsche Handwerker

DW-WORLD.DE: Betriebe im Ausland schwärmen von der Qualität der deutschen Handwerker. Macht sich das Interesse am deutschen Handwerk auch bei Ihnen bemerkbar? Gibt es viele Handwerker, die aus Deutschland auswandern?

Sabine Seidler: Richtig auswandern tun nur wenige. Die, die wir in Arbeit bringen, wollen nur eine Zeit im Ausland arbeiten. Sie lösen nicht ihr zu Hause auf, sondern sie nutzen die Angebote des europäischen Binnenmarktes und die Freizügigkeit für einige Zeit. Manche bleiben ein paar Monate, manche auch ein paar Jahre. Das kommt ja darauf an, aus welchen Gründen man ins Ausland will.

DW-WORLD.DE: Welche Gründe bringen denn deutsche Handwerker dazu, ins Ausland zu gehen?

Sabine Seidler: Manche wollen die Arbeitslosigkeit überbrücken. Sie gehen, weil sie auf dem heimischen Markt nichts finden. Und andere wollen einfach die Arbeit im Ausland nutzen, um einen anderen Standard kennen zu lernen. Es wird ja auch in jedem Land anders gearbeitet und organisiert. Einige wollen sich eben weiter qualifizieren. Junge Leute wollen oft Auslandserfahrungen sammeln. Aber auch ältere Handwerker, die lange Zeit arbeitslos waren, oder aufgrund ihres Alters hier nichts mehr gefunden haben, gehen gerne ins Ausland.

Arbeitgeber im Ausland schätzen die deutsche Ausbildung mit dem dualen System sehr. Sie wissen, dass sie aus Deutschland gute Leute kriegen. Sie sehen auch kein Problem darin, wenn jemand eine ganze Weile nicht gearbeitet hat, wenn er denn auf lange Berufserfahrung zurückblicken kann und gut ausgebildet ist. Wenn er älter ist, sehen sie darin auch kein Problem, denn da schätzen sie die Erfahrung.

DW-WORLD.DE: In welchen Ländern sind deutsche Handwerker denn besonders gefragt?

Sabine Seidler: Wir vermitteln weltweit, aber in der Statistik steht das deutschsprachige Ausland an der Spitze. Kulturelle Unterschiede gibt es da zwar auch, aber die sind in Österreich und in der Schweiz nicht ganz so groß. Und die Entfernung ist auch nicht so groß wie zum Beispiel nach Kanada oder nach Australien.

Beliebt ist auch das englischsprachige Ausland, weil viele Englischkenntnisse haben. Skandinavien ist auch eine Region, in die Deutsche gern gehen. Sicherlich wegen der schönen Natur, aber auch wegen der guten Bedingungen. Man verdient in Norwegen drei Mal so viel wie in Deutschland. Aber die Lebenshaltungskosten sind dort dann auch drei Mal so hoch.

DW-WORLD.DE: Macht sich denn die gute Konjunkturlage in Deutschland bemerkbar? Geht die Zahl der Handwerker, die ins Ausland gehen, wieder zurück?

Sabine Seidler: Im Moment überlegt sich schon der eine oder andere, ob er nicht die Chance zuhause ergreift, anstatt ins Ausland zu gehen. Bisweilen war es ja so, dass wir auch Handwerker vermittelt haben, die zunächst nie auf die Idee gekommen wären, ins Ausland zu gehen. Sie hätten den Schritt ins Ausland nicht gewagt, hätte man ihnen in Deutschland ein Angebot gemacht.

DW-WORLD.DE: Welche Qualifikationen braucht ein Handwerker, der ins Ausland gehen möchte?

Sabine Seidler: Die berufliche Qualifikation muss stimmen. Und man sollte auf jeden Fall Flexibilität mitbringen: sich einstellen Können auf andere Kulturen und Arbeitsweisen, offen sein dafür, dass man auf Menschen trifft, die vielleicht eine andere Mentalität haben, offen sein für Veränderungen - das alles gehört dazu. Und man muss sicherlich auch was aushalten können, denn im Ausland sind viele Dinge einfach anders. Die Sprachkenntnisse für das jeweilige Land sollte man natürlich mitbringen.

DW-WORLD.DE: Wie gut müssen die Sprachkenntnisse denn sein? Muss man die Landessprache perfekt sprechen?

Sabine Seidler: Es gibt unterschiedliche Anforderungen. Wenn ich als Baufachkraft auf eine dänische Baustelle gehe, reichen sicherlich zunächst Grundkenntnisse - dass ich Sicherheitshinweise lesen kann und mich mit den Arbeitskollegen verständigen kann. Da muss man nicht wie ein Kaufmann, der in ein dänisches Unternehmen geht, fließend Dänisch sprechen. Für Bewerber, die noch keine Sprachkenntnisse des Landes haben, bieten wir als Vorbereitung Sprachkurse an. Und die Arbeitgeber im Ausland bieten oft berufsbegleitende Sprachkurse an. Gerade in Norwegen und Dänemark ist das so, denn die Arbeitgeber haben ja auch ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter sich schnell integrieren. Und das passiert ja nun mal in erster Linie über die Sprache.

Die Redaktion empfiehlt