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Deutschland

Auf gutem Weg zur Integration: Stuttgart und Frankfurt am Main als Beispiele

Welche Probleme bereitet die Integration? Antworten darauf sollen am Donnerstag (12.7.) der Integrationsgipfel im Kanzleramt bringen. Wie die Einbindung von Migranten gelingt, zeigen Stuttgart und Frankfurt am Main.

Eine Ukrainierin in einen Deutschkurs in Stuttgart (Archivbild), Quelle: AP

Eine Ukrainerin in einem Deutschkurs in Stuttgart (Archivbild)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Teilnehmern des ersten Integrationsgipfels 2006, Quelle: AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Teilnehmern des ersten Integrationsgipfels 2006

"Alle Bürger, die hier leben, sollen die gleichen Chancen in der Gesellschaft haben. Alle sollen an der Gesellschaft teilhaben", sagt der Stuttgarter Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic. "Die Stadt ist eine Gemeinschaft aller ihrer Bürger - und da werden Migranten besonders miteinbezogen." Das ist der Leitfaden der Ausländerpolitik in Stuttgart, und das ist das Geheimnis der erfolgreichen Integrationspolitik im Städtle, glaubt der Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic.

Boomtown dank Migration

Von etwa 600.000 Einwohnern haben in Stuttgart mehr als ein Drittel einen Migrationshintergrund. Damit gehört die schwäbische Metropole zu den Großstädten in Deutschland mit dem höchsten Migranten-Anteil. Hier aber werden Migranten überwiegend als Bereicherung empfunden, und nicht als Problem, sagt Gari Pavkovic. Man sieht, dass sich ihr multikultureller Charakter als ein Wettbewerbsvorteil für diese dynamische Stadt erweist, was allen zugute kommt.

Gerade diese Haltung - nicht nur der Stadtverwaltung, sondern der Mehrheitsgesellschaft insgesamt - ist für die Stadt prägend, betont Pavkovic. "Stuttgart ist ökonomisch, kulturell, in allen Hinsichten eine Boomtown, eine Stadt, die wächst, und zwar zum großen Teil gerade dank der Zuwanderer."

Empfang mit offenen Armen

Auch Frankfurt am Main ist eine multikulturelle Stadt. Ein Viertel aller 650.000 Bewohner sind Ausländer, in der Stadt ist vor knapp 20 Jahren das erste Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Deutschland gegründet worden. Jean-Claude Diallo ist Dezernent für Integration. Er ist davon überzeugt, dass Migranten sehr wichtig sind für den weltoffenen Charakter der deutschen und europäischen Finanzmetropole. "Integration ist für mich ein Prozess, wo die einen und die anderen sich auf den Weg machen müssen, wenn wir tatsächlich diese weltoffene Stadt miteinander gestalten wollen", sagt er.

Ausländer nehmen an einem Integrationskurs im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt/Main teil (Archivbild), Quelle: AP

Ausländer nehmen an einem Integrationskurs im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt/Main teil (Archivbild)

Deswegen sollen sie mit offenen Armen empfangen werden, sagt der 60-jährige Jean-Claude Diallo, der selbst vor vier Jahrzehnten als Student aus Guinea nach Deutschland gekommen ist. "Mir würde sehr, sehr am Herzen liegen, dass wir uns zu dem Frankfurter Selbstverständnis bekennen: Dass Menschen, die hier leben, wo auch immer sie herkommen, und welche Religion sie auch immer ausüben, willkommen sind und auch ihre Rechte geachtet werden."

Dabei ist aber nicht nur wichtig, dass die Mehrheitsgesellschaft die Ausländer willkommen heißt und sie mit Respekt behandelt, meint Diallo. Auch die Einwanderer müssten die Bereitschaft zeigen, sich zu integrieren, fügt Diallo hinzu. "Mein Hauptmotto ist: Identifiziert euch mit Deutschland. Lebt voll in dieser Gesellschaft, weil diese Gesellschaft auch euch gehört."

Keine Integration ohne Sprache

Ohne Sprachkenntnisse ist aber keine Integration möglich. Gari Pavkovic, heute 48 Jahre alt, ist als kleines Kind mit seinen Eltern aus Bosnien-Herzegowina nach Stuttgart gekommen. Er erinnert sich noch genau, wie das damals war, wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache für gelungenes Leben hierzulande ist. Mit seiner Behörde fördert er verschiedene Integrationskurse in der Stadt und versucht gleichzeitig, die Menschen zu motivieren, sie zu besuchen.

Das Hauptproblem sieht er aber nicht in den Kursen, sondern in der Zeit danach: Wenn jemand nach 900 Unterrichtsstunden keinen Job findet und nur zu Hause hockt, wird er schnell die Sprache wieder verlernen und keinen Anschluss an die Gesellschaft finden, sagt Pavkovic. Deswegen handelt man vorausschauend: "In Stuttgart ist uns sehr wichtig, dass wir individuelle Programme haben, so dass jeder nach dem abgeschlossenen Integrationskurs eine Perspektive hat und die Beratung bekommt, wie es weitergeht: Arbeit oder Weiterschulung oder andere Programme."

Trotz vieler Erfolge bei der Integration der Migranten, sowohl in Stuttgart als auch in Frankfurt - auch hier handelt es sich nicht um Integrationsparadiese. In beiden Metropolen haben etwa 20 Prozent der Grundschulkinder mit Migrationshintergrund sprachliche Defizite. Und an den Gymnasien stellen die Einwandererkinder eher eine Ausnahme dar. Sowohl in Stuttgart als auch in Frankfurt bleibt also noch viel zu tun, um das Ideal der Chancengleichheit Wirklichkeit werden zu lassen

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