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Berlin

Auf Filmtour durch die Hauptstadt

Mehr als 1000 Kinofilme sind in Berlin gedreht worden. Bei einer speziellen Stadtführung lassen sich Drehorte und wichtige Stationen aus gut 100 Jahren Kinogeschichte erleben.

Filmstunt: Taxi stürzt von der Oberbaumbrücke ins Wasser

Stunt auf der Oberbaumbrücke für den Thriller "Unknown Identity"

Zu Beginn von "Der Himmel über Berlin" blickt der Schauspieler Bruno Ganz als Engel von der Spitze der zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hinunter. Sein Blick fällt auf die 1987 noch geteilte Stadt. Mit der Erinnerung an diese Filmbilder startet Karina Krawczyk ihre Filmstadt-Tour an den Treppen der Gedächtniskirche. Acht Teilnehmer sind gekommen, um von der Kulturjournalistin mehr zu erfahren über Perlen, Pleiten, Dramen und Details rund um die Filmstadt Berlin. Etwa drei Stunden wird es zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die winterliche Hauptstadt gehen.

Die Anfänge des Kinos im Berliner Westen

"Ohne hier ins Kino zu gehen war ein Berlin-Besuch nicht vollständig", sagt Karina Krawczyk. In den 1920er Jahren galt die Gegend rund um die Gedächtniskirche als Kinozentrum - mit wahren Palästen wie der Filmbühne Wien, dem Marmorhaus oder dem Gloria-Palast. Heute haben hier nur noch wenige Kinos wie der Zoopalast oder der Delphi Filmpalast überlebt. Anhand historischer Fotos beschwört Karina Krawczyk jene Zeit herauf, in der die Bilder laufen lernten.

Marlene Dietrich und Emil jannings in einer Szene aus Der blaue Engel

Marlene Dietrich und Emil Jannings in "Der blaue Engel"

Stummfilme wie "Die Sinfonie der Großstadt" (1927) setzten Berlin schon früh ein filmisches Denkmal. Gedreht wurden viele der Filmklassiker ab 1912 draußen vor den Toren der Stadt: Im Studio Babelsberg entstanden "Metropolis" (1927) oder "Der blaue Engel" (1930). Stars wie Marlene Dietrich, Heinrich George oder Asta Nielsen flanierten damals über den Kurfürstendamm. Vom Bahnhof Zoo brach Emil in einem der ersten deutschen Kinderfilme "Emil und die Detektive" (1931) auf zu seinen Abenteuern in der Großstadt. Nun steigt hier die Filmtour-Gruppe in die S-Bahn und fährt weiter zur Friedrichstraße.

Die geteilte Stadt

Wo heute die Filiale einer Drogeriekette steht, befand sich einst das Varieté Wintergarten. Hier zeigten 1895 die Brüder Skladanowsky Filme mit einem Projektionsapparat, dem sogenannten Bioscop. Es war die erste öffentliche und kommerzielle Vorführung in der Geschichte des Filmtheaters. Dieser Ort ist auch für die filminteressierten Teilnehmer eine Entdeckung.

Filmtour am Pariser Platz

1961 ein schwieriger Drehort: das Brandenburger Tor

Als nächstes geht es zum Brandenburger Tor. Heute schlendern hier Touristen durch das Tor. Dass dies zu Zeiten der Mauer von 1961 bis 1989 unmöglich war, erscheint weit weg. Aber wenn Karina Krawczyk anhand von Fotos über die Dreharbeiten von Billy Wilders Komödie "Eins, zwei, drei" berichtet, werden die Jahre lebendig, in denen Berlin und Deutschland geteilt waren. Denn während der Filmarbeiten wurde am 13. August 1961 die Mauer gebaut. Das Brandenburger Tor, im Film ein zentraler Schauplatz, musste als Kulisse in Studios in Bayern nachgebaut werden, damit die Schauspieler für den Film weiterhin von West nach Ost und zurück fahren konnten. "Heutzutage ist "Eins, Zwei, Drei" einer der beliebtesten Berlin-Filme", erzählt Krawczyk. "Aber als er Anfang der 60er Jahre in die Kinos kam, floppte er zunächst." Das breite Publikum wollte angesichts der Aktualität des Kalten Krieges keine satirische Darstellung des Themas sehen.

Das geteilte Berlin war immer auch ein idealer Ort für Agentenfilme: von Alfred Hitchcocks "Zerrissener Vorhang" (1966) über "James Bond - Octopussy" (1983) bis zu "Die Bourne Verschwörung" (2004). Bei den Dreharbeiten zu letzterem Werk wurden sogar Reisekosten gespart: Aufnahmen, die im fertigen Film eine Verfolgungsjagd im nächtlichen Moskau darstellen, entstanden in Wahrheit im Tiergartentunnel in Berlin.

Rund um den Alexanderplatz

Barbara Sukowa und Günter Lamprecht im Film Berlin Alexanderplatz

Rainer Werner Fassinder verfilmte Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" 1980 neu für das deutsche Fernsehen

Exemplarisch für Drehorte in Berlin ist der Alexanderplatz. In den Goldenen Zwanzigern war er neben dem Potsdamer Platz der Inbegriff der pulsierenden Weltstadt Berlin. Diese Atmosphäre, aber auch dass der Einzelne bei all der Geschäftigkeit und dem Trubel mitunter auf der Strecke bleibt, zeigt die Verfilmung "Berlin Alexanderplatz" (1931) nach dem Roman von Alfred Döblin. Auch in vielen DDR-Filmen wurde die Gegend um den Alexanderplatz prominent in Szene gesetzt: als nach dem Zweiten Weltkrieg umgestalteter sozialistischer Vorzeigeplatz und als Aushängeschild für die Modernität und Schaffenskraft der DDR. Bei Karina Krawczyks Tour bekommen die Teilnehmer einen guten Überblick über die filmgeschichtliche Relevanz von Berlin. Eine Station folgt noch: die Oberbaumbrücke.

Berlin heute

Franka Potente rennt als Lola

"Lola rennt" von Tom Tykwer wurde zur Ikone des jungen deutschen Kinos der 90er Jahre

In "Lola rennt" (1998) hetzt die Schauspielerin Franka Potente mit roten Haaren kreuz und quer durch das sommerliche Berlin – und dabei auch mehrfach über die Oberbaumbrücke. Die Botschaft des Films: Nimm dein Leben selbst in die Hand und mach etwas draus. "Eine bessere Werbung hätte sich die wiedervereinigte Hauptstadt kaum wünschen können", meint Karina Krawczyk. Berlin-Filme funktionieren häufig als Werbeträger für die Stadt, ziehen internationale Filmemacher und Touristen an. Die Gruppe hat für heute genug erfahren. Und wen die Leidenschaft für die Filmstadt Berlin jetzt so richtig gepackt hat, dem empfiehlt die Filmexpertin, das nächste Kino aufzusuchen.

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