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Alltagsdeutsch – Podcast

Auf ein Neues

Blutjung ist es, das neue Jahr. Viele Hoffnungen verbinden sich mit ihm, viele Vorsätze auf Veränderungen auch. Nicht alle werden umgesetzt. Schließlich muss ja noch etwas für das kommende Jahr übrig bleiben.

O-Töne:

"Prosit Neujahr" / "Prosit Neujahr"

Sprecherin:

Die Sektkorken knallen nicht mehr, die letzten Böller und Raketen sind abgeschossen, das neue Jahr ist eingeläutet. Seit alters her wird das neue Jahr lautstark begrüßt. Die heutigen Bräuche zum Jahreswechsel basieren fast alle auf germanischen und römischen Bräuchen. Ausschweifende Orgien gehörten ebenso dazu wie Lärm. Mit Rasseln, Schellen und Peitschen veranstalteten die Germanen ein ohrenbetäubendes Getöse, um Dämonen und böse Geister zu vertreiben und den Zorn der Götter zu besänftigen. Im Mittelalter kamen dann Pauken und Trompeten und das Kirchengeläut zum Einsatz. Erst seit der Erfindung des Schwarzpulvers durch den Mönch Berthold Schwarz im 14. Jahrhundert schießen die Menschen um Mitternacht Feuerwerkskörper und Raketen ab, und heutzutage leistet sich jede größere Stadt ein festliches Feuerwerk. So sehr sich die Kirche über Jahrhunderte lang auch bemühte, heidnische Bräuche auszurotten: Es gelang ihr nicht. Doch immerhin ist das Fest zum Jahreswechsel nach einem Papst benannt, Papst Silvester I. nämlich, der im Jahre 314 zum Oberhirten der Kirche gekürt wurde.

Sprecher:

Heutzutage denken die Menschen bei der Silvester-Feier nicht mehr an Dämonen, sie haben einfach nur ihren Spaß. Guten Rutsch wünscht man sich am Vorabend des Jahreswechsels gegenseitig, Prosit Neujahr heißt der Segenswunsch in den ersten Sekunden des neuen Jahres, und man stößt mit einem Glas Sekt oder Champagner an. Manchmal allerdings werden es auch ein paar Gläser mehr, und am Neujahrsmorgen dämmert es dann so manchem nach durchzechter Nacht: Hatte ich mir gestern nicht noch geschworen, weniger zu trinken? Waren da nicht ein paar gute Vorsätze?

O-Töne:

"Gute Vorsätze, Gute Vorsätze..." / "Ach du Schreck!"

Sprecherin:

Ja, gute Vorsätze. Den Jahreswechsel nehmen viele Menschen zum Anlass, sich etwas vorzunehmen, was sie schon immer tun wollten. Historisch betrachtet sind sie dabei in guter Gesellschaft, denn der Januar verdankt seinen Namen dem römischen Gott Janus, der als Gott des Neuanfangs verehrt wurde. Die alten Römer hatten sich vielleicht vorgenommen, weniger üppige Gelage zu veranstalten und nicht so viel Geld bei Wagenrennen im Zirkus zu verprassen. Der neuzeitliche Deutsche, der nach der feucht-fröhlichen Silvesterparty nicht in bester Verfassung zu sein scheint, stöhnt zunächst:

O-Ton:

"Rutscht mir den Buckel runter mit guten Vorsätzen, ich bin total verkatert, ich will einen Rollmops."

Sprecher:

Dieser Mensch hat in der Silvesternacht wohl zu tief ins Glas geschaut. Er muss sich erst einmal erholen und auf Hausmittel gegen Kopfschmerzen zurückgreifen, die schon unsere Großmütter kannten. Bekanntlich reguliert der saure Rollmops den Salzgehalt im Körper. Wenn es einem danach wieder besser geht, erinnert man sich vielleicht wieder an seine Vorsätze – so wie diese Leute:

O-Töne:

"Ruhig werden, mehr für die Kinder da sein." / "Unbedingt wird jetzt wieder eisern Sport gemacht. " / "Ich will jetzt jede Woche zweimal joggen. Da schlage ich dann zwei Fliegen mit einer Klappe, einmal ist es gesund, und dann nehme ich vielleicht auch etwas ab." / "Wenn ich mir den Bauch immer so vollgeschlagen hab' in der Weihnachtszeit, dann ist hinterher FdH angesagt." / "Ich hab' mir vorgenommen, weniger Geld aus dem Fenster zu werfen, sonst bin ich bald arm wie ’ne Kirchenmaus." / "Ich bin so fett geworden, ich will konsequent meine Ernährung umstellen. Jetzt geht’s echt ans Eingemachte, damit ich endlich diese Fettpolster loswerde." / "Ich möchte immer gute Laune haben. Viele Menschen sehen viele Dinge grau in grau, aber ich finde, man sollte doch Sonne im Herzen haben."

Sprecher:

Recht hat die Dame. Wenn das Dasein grau in grau erscheint, ist es trostlos, ähnlich einem trüben Himmel ohne Sonne. Daher kommt auch der Ausdruck grauer Alltag, ein Alltag ohne festliche Höhepunkte. Zumindest ohne kulinarische Höhepunkte muss jemand seinen Alltag verbringen, der nach dem Motto FdH eine Diät macht. FdH ist nichts weiter als die Abkürzung des derben Spruchs: "Friss die Hälfte". Wer stattdessen Sport treibt, verbrennt Kalorien und tut etwas für seine Gesundheit. Er schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, er erreicht einen doppelten Zweck mit nur einer Handlung. Dabei muss er allerdings eisern bleiben, er muss unerbittlich auf seinem Vorsatz beharren, sozusagen fest wie Eisen sein.

Sprecherin:

Wer bei einer Diät darben muss, spart wenigstens Geld, anders als jemand, der sein Geld zum Fenster rauswirft, der also sehr verschwenderisch damit umgeht. Dann ist er nämlich schnell arm wie eine Kirchenmaus. In der Kirche werden keine Vorräte gelagert, daher hat eine Maus, die in der Kirche lebt, nicht viel zu beißen. Unter solchen Umständen geht es für sie oft ans Eingemachte, es geht an die Substanz, sie muss auf ihre letzten Reserven zurückgreifen. Diese Wendung stammt aus der Zeit, als die Menschen sich im Sommer und Herbst mit Lebensmitteln für den Winter eindeckten und Obst einmachten, also einkochten. Von diesen eisernen Reserven mussten sie dann in der kalten Jahreszeit leben.

Sprecher:

Für Trinkgelage war damals bestimmt nicht viel Geld übrig. Verkatert ist übrigens jemand, der einen Kater hat, nämlich Kopfschmerzen. Dieser Ausdruck ist die Abkürzung von "Katzenjammer", was ursprünglich "Kotzenjammer" hieß und die Nachwirkungen durchzechter Nächte besser charakterisierte. In solchen Nächten muss man eine große Zeche bezahlen, weil man sehr viel trinkt, eben zu tief ins Glas schaut. Am nächsten Morgen wünscht man sich dann nur noch, dass einem alle den Buckel runterrutschen, dass sie einen in Frieden lassen. Einen guten Rutsch hingegen wünscht man Freunden, damit sie gut ins neue Jahr kommen. Das Wort "Rutsch" geht auf das mittelhochdeutsche Wort "Rosch" zurück, was soviel wie Anfang bedeutet. Mit der heutigen Bedeutung des Wortes "rutschen" hat es also ursprünglich nichts zu tun. Den Ausspruch Prosit Neujahr verdanken wir dem Lateinischen, "Prosit" bedeutet nämlich übersetzt: "Es möge gelingen".

O-Ton:

"Ich habe einen Kaminkehrer als Glücksbringer bekommen, toi, toi, toi, da müsste eigentlich alles klappen, was ich mir vorgenommen habe."

Sprecherin:

Schornsteinfeger beziehungsweise Kaminkehrer bringen nicht nur beim Jahreswechsel Glück, sondern sogar das ganze Jahr. Silvester verschenkt man sie gerne als Figürchen aus Marzipan oder Schokolade. Der nach oben ragende Schornstein verbindet im Volksglauben zwei Welten, Erde und Himmel. Der Kaminkehrer befreit den Weg nach oben von Ruß und Schmutz und sorgt für frischen Wind. Deswegen gilt er als Glücksbote. Ob er allerdings hilft, löbliche Vorsätze einzuhalten? Gäbe es eine Hitliste unter den guten Vorsätzen, stünden der Wunsch, ein paar überschüssige Pfunde zu verlieren und das hehre Ziel, das Rauchen aufzugeben, ganz oben. Ein etabliertes Meinungsforschungsinstitut hat herausgefunden, dass rund die Hälfte aller Deutschen zum Jahreswechsel gute Vorsätze fasst, wobei sich die Jüngeren unter 30 dabei eifriger zeigen als die Älteren. Vielleicht haben die Lebensjahre zu der Einsicht verholfen:


Zitat:

Volksmund

Guter Vorsatz hin und her

Das Einhalten fällt meistens schwer!

Und so steht man dann im nächsten Jahr

Genauso blöde wieder da."

Sprecher:

Dieser Meinung können sich zwei ältere Semester, zwei nicht mehr ganz so junge Herren, nur anschließen:

O-Töne:

"Ich habe mir grundsätzlich vorgenommen, mir nichts vorzunehmen, weil: man ist hinterher nur enttäuscht ist, wenn man’s doch nicht durchhält." / "Ich hab’s schon so oft probiert, ich glaube, da ist Hopfen und Malz verloren."

Sprecherin:

Wie wahr! Am 31. Dezember hatte dieser Raucher noch gute Vorsätze, den Glimmstängel am 1. Januar endgültig zu verbannen, aber:

O-Ton:

"Ach ja, jetzt haben wir Januar, und ich rauche immer noch wie ein Schlot. Meine Frau hackt schon auf mir rum, dass ich mal wieder meinen Vorsatz nicht eingehalten habe. Aber wie das so ist, meistens macht einem die Silvesterparty schon einen Strich durch die Rechnung. Morgens hat man noch gute Vorsätze, abends hat man dann einen im Tee, ja, und dann ist es schon wieder passiert, dann ist man wieder am Rauchen und dann werden die guten Vorsätze wieder aufs nächste Jahr oder auf den nächsten Geburtstag verschoben."

Sprecher:

Tja, das Leben macht einem schon mal einen Strich durch die Rechung, es durchkreuzt unsere Absichten, so wie ein Lehrer die falsche Rechenaufgabe seines Schülers durchstreicht. Vielleicht hackt er auch auf ihm herum, er hat etwas an ihm auszusetzen. Das Bild erinnert an den Hühnerhof, wo das stärkere Huhn dem schwächeren auf dem Kopf herumhackt. Toi, toi, toi, viel Glück, dass alles gut geht, kann man dem armen Federvieh da nur wünschen. Toi, toi, toi – das war die lautmalerische Variante für dreimaliges Ausspucken, denn Speichel galt früher als Unheil bannend.

Sprecherin:

Lautmalerischen Ursprungs ist auch der Ausdruck es hat geklappt, es ist alles gut gelungen. Früher wurden Geschäfte per Handschlag besiegelt, und das klang eben nach "klapp". Auch der Stabreim klipp und klar stammt daher, er bedeutet "ganz eindeutig". So ein Handel wurde in aller Regel mit einem Schnaps begossen. Vielleicht haben die Herren auch noch eine Zigarre oder ein Pfeifchen geraucht. Wer allerdings raucht wie ein Schlot, der raucht wie ein Schornstein, eben sehr viel. Viele Menschen schaffen es einfach nicht, mit ihrem Laster aufzuhören, bei ihnen ist Hopfen und Malz verloren, alle Mühe ist vergeblich. Das erinnert an das Bierbrauen. In Deutschland gehörten seit dem 8. Jahrhundert Hopfen und Malz dazu, und wenn der Trank bei der Zubereitung misslang, dann waren diese Zutaten unwiederbringlich verloren.

Sprecherin:

Eigentlich soll es gar nicht so schwer sein, mit dem Rauchen aufzuhören – behauptet zumindest der berühmte Schriftsteller Mark Twain:

Zitat:

"Das Rauchen aufzugeben, zählt zu den einfachsten Dingen überhaupt – ich muss es wissen, denn ich habe es tausendmal getan."

Sprecher:

Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Und zu seinen Gewohnheiten gehört es, sich alle Jahre wieder gute Vorsätze vorzunehmen und sie im Regelfall auch wieder zu brechen:

Zitat:

Manfred Günther

"Ein Christ, das Jahr hat kaum begonnen,

Geht geistig noch einmal retour;

Er blickt zurück, ist ganz versonnen!

'Wohin sind all die Tage nur?'

Was hat er sich doch vorgenommen,

Silvester, grad vor einem Jahr!

Wie wenig ist herausgekommen;

Er blieb, was er schon immer war!"

O-Ton:

So, hier sind acht Kölsch.

O-Ton:

"Na ja, das ist eigentlich jedes Jahr dasselbe. Das läuft ab eigentlich wie 'n Schema F: Ich hab' mir gute Vorsätze gemacht, ich will weniger trinken, ich will weniger rauchen, ich will nicht so oft in die Kneipe gehen, aber auf der anderen Seite: Irgendwann fällt mir mein Leben halt auf den Wecker und dann habe ich einfach Lust, irgendwo ’n Bier trinken zu gehen. Wir haben jetzt Anfang Januar, und ich hock’ schon wieder hier in der Kneipe."

Sprecherin:

Der arme Kerl muss sich nicht grämen, denn schon der Volksmund weiß:

Zitat:

"Der Vorhof zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert."

Sprecher:

Was nicht anderes bedeutet, als dass viele Menschen nicht erreichen, was sie sich vorgenommen haben. Aber keine Angst, deswegen kommen sie nicht gleich in die Hölle. Psychologische Studien haben ergeben, dass in 90 Prozent aller Fälle ein guter Vorsatz nicht ausreicht. Die anfängliche Entschlossenheit geht im Alltag unter. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier, es fällt ihm schwer, neue Wege zu gehen, und so macht er alles so, wie er es immer getan hat – nach Schema F, auf die gleiche Art. Diese Wendung stammt aus dem preußischen Heer, wo es üblich war, Rapporte oder Berichte unter "F" abzuheften. Wenn alles immer nach Schema F geht, kann einem das ganz schön auf den Wecker fallen, es macht einen nervös, wobei hier der Verstand mit einem Uhrwerk verglichen wird.

Sprecherin:

Machen Sie sich nichts draus, wenn Ihre Vorsätze inzwischen nur noch graue Theorie sind und verschonen Sie das neue Jahr mit allzu viel Ballast – das zumindest empfiehlt der Dichter Erich Kästner:

Zitat:

"Man soll das Jahr nicht mit Programmen

Beladen wie ein krankes Pferd.

Wenn man es allzu sehr beschwert,

Bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,

Umso verzwickter wird die Tat.

Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,

Und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen,

Es nützt nichts, und es schadet bloß,

Sich tausend Dinge vorzunehmen.

Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!"

Sprecher:

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein frohes neues Jahr, und toi, toi, toi, dass alles so verläuft, wie Sie es sich wünschen!

Fragen zum Text

Die Abkürzung FdH steht für: ...

1. Folge dem Herzen.

2. Feier den Hunger.

3. Friss die Hälfte.

Jemand, der sehr viel raucht, raucht umgangssprachlich wie …

1. ein Loch.

2. ein Schlot.

3. ein Kaminkehrer.

Der Ausdruck "Da ist Hopfen und Malz verloren" bedeutet, dass …

1. jemand sehr verschwenderisch ist.

2. alle Mühe vergeblich ist.

3. der Bierkrug leer ist.

Arbeitsauftrag:

Erstellen Sie eine Liste mit guten Vorsätzen für dieses Jahr. Mindestens einen Vorsatz sollten Sie umsetzen. Schreiben Sie einen Bericht darüber schreiben, wie sie vorgegangen sind.

Autorin: Suzanne Cords

Redaktion: Beatrice Warken

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