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Sport

Auf die saubere Tour?

Wenn am Samstag in der Vendée der Startschuss zur 98. Tour de France fällt, wird auch der dopingverdächtige Vorjahressieger Contador dabei sein. Seine Teilnahme sorgt auch im Fahrerlager für Unmut.

Alberto Contador in Gelb (Foto: AP)

Jens Voigt (Foto: AP)

Jens Voigt ist sauer über den Fall Contador

Ein Sieger unter Vorbehalt – das ist der Alptraum der Tour-Organisatoren. Und er könnte auch in diesem Jahr (2. bis 24. Juli) wieder Wirklichkeit werden. Denn am Start steht einer, der nach Meinung vieler gar nicht dabei sein dürfte: Bei Vorjahressieger Alberto Contador wurden bei der Tour 2010 Clenbuterol-Rückstände nachgewiesen. Über eine Sperre des Spaniers verhandelt der Internationale Sportgerichtshof CAS aber erst nach der Tour. Ein Skandal, findet der deutsche Routinier Jens Voigt: "Das ist jetzt knapp elf Monate her und das ist für einen normalen Menschen einfach nicht nachzuvollziehen, warum es noch kein Urteil gibt", erregt sich Voigt und ergänzt: "Ich hätte es wirklich gerne schwarz auf weiß: 'Jawohl, er ist unschuldig und darf jedes Rennen fahren, das er will' oder, 'Nein, er ist schuldig und dafür wird er zwei Jahre gesperrt.' Fertig."

Der Verdacht fährt mit

Der Verdacht radelt also wieder mit durch Frankreich und wird jede Attacke Contadors in einem fahlen Licht erscheinen lassen. Das Leichtgewicht aus Madrid gewann im Mai den Giro d'Italia und will nun das Double aus Giro und Tour. Das gelang zuletzt einem gewissen Marco Pantani, ebenfalls begnadeter Kletterer und ebenfalls stark dopingverdächtig. Anders als der inzwischen verstorbene Italiener Pantani ist Contador auch im Zeitfahren einer der Stärksten.

André Greipel jubelt (Foto: AP)

Für André Greipel geht ein Kindheitstraum in Erfüllung

Genau hier sammelte der Spanier im Vorjahr die nötigen Sekunden im Kampf mit Dauerrivale Andy Schleck aus Luxemburg. Der hat in diesem Jahr das stärkere Team und ist zufrieden mit seiner Vorbereitung: "Einen Sieg habe ich zwar nicht eingefahren, aber trotzdem war ich bei den Klassikern ganz vorne und habe mich gut gefühlt. Ich denke, ich habe gut trainiert und bin da, wenn es darauf ankommt." Dort, wo es in der Radsport-Welt darauf ankommt, ist auch zum ersten Mal André Greipel dabei. Sein erster Start beim größten Radrennen der Welt ist für den deutschen Sprinter etwas ganz Besonderes. "Für mich ist es ein Kindheitstraum an der Tour de France teilzunehmen. Ich muss mich erstmal zurecht finden, aber ich denke, ich muss mich nicht verstecken."

Das Peloton am Galibier-Pass (Foto: FRANCK FAUGERE)

Freilichtbühne: Der Galibier-Pass ist seit 100 Jahren dabei und stets Ort von Dramen.

Brisantes Duell: Cavendish gegen Greipel

Bisher stand er im Schatten des englischen Sprint-Stars Marc Cavendish. Doch nun fährt Greipel für das belgische Omega Pharma-Lotto-Team und darf endlich um Etappensiege sprinten. Nicht zuletzt wegen einiger Wortgefechte zwischen Cavendish und Greipel ein interessantes Duell. Diesmal sind die Sprinter von Beginn an gefordert, denn die Tour startet nicht mit einem Prolog, sondern mit einer Flachetappe in der Vendée. "Das ist etwas ganz anderes", sagt Markus Burghardt in Diensten des US-amerikanischen BMC-Teams. "Es wird viel nervöser und man muss mehr aufpassen. Da wird es wichtig sein, Cadel Evans zu beschützen."

Tony Martin in Gelb bei Paris-Nizza (Foto: DPPI)

Martin gewann im März bei Paris-Nizza

Burghardt fährt für seinen australischen Kapitän Cadel Evans. Doch der zählt hinter Contador und Schleck nur zum erweiterten Favoritenkreis, ähnlich wie auch Tony Martin. Neben Andreas Klöden ruhen die deutschen Hoffnungen im Gesamtklassement auf Martin. Er will unter die besten Zehn fahren. Er habe sich mental und physisch weiterentwickelt und seine Leistungsdaten seien besser als je zuvor, verrät Martin. Seine größte Stärke ist aber vermutlich seine Gelassenheit: Der 26-Jährige behält auch kurz vor dem Saisonhöhepunkt die Ruhe.

H offnung auf Martin

Eine starke Leistung von Martin wäre auch ein wichtiger Impuls für den deutschen Radsport. Denn der steckt nach den Dopingskandalen der letzten Jahre weiter in der Krise – auch wenn Martin den deutschen Radsport wieder im Aufwind sieht. "Ich denke, wer da sagt, der Radsport in Deutschland ist tot, der irrt ganz klar. Aber um die breite Masse wieder zurück zu gewinnen, brauchen wir die ganz großen Ergebnisse in der Tour auch von den jungen deutschen Fahrern."

Große Ergebnisse sind die eine Vorraussetzung – saubere Leistungen die andere.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Arnulf Boettcher