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Wirtschaft

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In dem aktuellen Tarifkonflikt geht es um nur um eine geringe Differenz zwischen Angeboten und Forderungen. Welche Rolle spielen die Gewerkschaften in Deutschland? Ein DW-WORLD-Hintergrund.

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Gut organisiert, aber ohne Konzept für neue Strömungen

Im Zeitalter der Globalisierung denken manche Menschen an eine verheißungsvolle Zukunft in einer Art "weltweiter Dorfgemeinschaft", anderen laufen kalte Schauer über den Rücken beim Gedanken an eine immer vernetztere Welt. Viele Menschen haben Angst davor, wie sich die Globalisierung auf den Arbeitsmarkt und auf das soziale Gefüge auswirkt.

Gewerkschaften für die gering Qualifizierten

Die Bedingungen und Anforderungen der Arbeitswelt ändern sich tagtäglich, neue Berufe schießen wie Bäume aus dem Boden. Die Veränderungen in der Berufswelt erschweren es den Gewerkschaften jedoch, neue Mitglieder zu gewinnen. "Dass sich Arbeitnehmer kollektiv organisieren, ist durchaus noch zeitgemäß. Es ist aber unübersehbar, dass es gerade in diesen wachsenden, unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen hochqualifizierte Leute gibt, die im Prinzip keine Gewerkschaft brauchen", konstatiert Hagen Lesch, Leiter des Referates Tarif- und Lohnpolitik beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Andererseits, sagt der Tarifexperte, sei die Bedeutung gewerkschaftlicher Organisation in anderen, geringer qualifizierten Berufsfeldern größer, um so eine stärkere Verhandlungsmacht gegenüber den Arbeitgebern zu erreichen. Die Gewerkschaften seien aber immer weniger wichtig, da die Arbeitnehmer immer höher qualifiziert seien.

Neue Angebte für einen neuen Arbeitnehmertyp

Im Zusammenhang mit der flexibleren Gestaltung der Arbeitsbeziehungen spricht Ursula Engelen-Kefer, Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), von einem Spagat, den die Gewerkschaften zwischen den Erwartungen der Stammmitglieder aus den eher traditionellen gewerkschaftlichen Berufzweigen und den Ansprüchen jüngerer Arbeitnehmer aus neu entstandenen Berufen meistern müssen. "Diese neuen Schichten haben andere Anforderungen. Sie wollen ein ausreichendes Einkommen und mehr Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs realisieren", sagt Engelen-Kefer.
Zwei zentrale künftige Aufgaben der Gewerkschaften liegen nach Meinung von Ursula Engelen-Kefer darin, lebenslange Weiterbildung zu sichern und eine familienfreundliche Gewerkschaftspolitik zu fördern, welche die Bedürfnisse junger Familien anspreche, in denen zum Beispiel beide Elternteile berufstätig seien. Dem pflichtet auch Hagen Lesch bei.

Die machtvollen deutschen Gewerkschaften

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund gehören zur Zeit acht Mitgliedsgewerkschaften an, in denen sich insgesamt etwa acht Millionen Arbeitnehmer aus unterschiedlichsten Branchen und Berufen organisiert haben. Vor wenigen Jahren gab es noch 16 Einzelgewerkschaften. Diese haben teilweise fusioniert, um ihren kontinuierlichen Mitgliederschwund und finanzielle Schwierigkeiten abzufedern.

Zwei Drittel der deutschen Gewerkschaftsmitglieder sind in drei Einzelverbänden organisiert, der IG Metall, der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der IG Bergbau, Chemie und Energie.

Ein Standortvorteil in Deutschland ist dabei die Organisation aller Branchenangehörigen in der Einheitsgewerkschaft, sagt IW-Experte Lesch: "Wir haben eine Gewerkschaft, die alle ideologischen Richtungen einfängt und nicht zersplittert ist in sozialistische, kommunistische, christliche Gewerkschaften, die miteinander konkurrieren. Und das trägt natürlich zur Befriedung der Arbeitsbeziehungen bei."

Der feste Platz im deutschen Wirtschaftsgefüge

Ein weiterer Gegensatz zu anderen Ländern ist die freiwillige Mitgliedschaft der Arbeitnehmer in ihrer Gewerkschaft. Es gibt in Deutschland keine Betriebe, in denen man per Zwang einer Gewerkschaft angehören muss, wie dies zum Beispiel bei den so genannten "Closed Shops"-Unternehmen in den USA der Fall war. Zudem hat in Deutschland die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Betrieben eine besondere Stellung:

1951 wurde zunächst mit dem Montanmitbestimmungsgesetz die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer bestimmter Branchen eingeführt. Dieser gesetzlich gesicherte Grundsatz soll einen Ausgleich schaffen zwischen der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite. Im Aufsichtsrat von Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern ist ein Drittel der Aufsichtsratsposten für die Arbeiter und Angestellten reserviert. In Firmen mit mehr als 2000 Arbeitnehmern ist es sogar die Hälfte der Aufsichtsratssitze.

  • Datum 09.05.2002
  • Autorin/Autor Elisabeth Storz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2AEh
  • Datum 09.05.2002
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