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Amerika

Auf der Suche nach João Gilberto

Er ist eine Bossa-Nova-Legende: Der brasilianische Gitarrist, Sänger und Komponist João Gilberto wird am 10. Juni 80 Jahre. Der deutsche Autor Marc Fischer hat ihm ein eigenwilliges Buch gewidmet.

Der brasilianische Musiker Joao Gilberto gilt als Vater des Bossa Nova. Am 10. Juni 2011 ist er 80 Jahre alt geworden (Foto: AP)

Der Vater des Bossa-Nova: Joao Gilberto

Einen aussichtslosen Wunsch im Gepäck, entschloss sich der Journalist Marc Fischer Ende vergangenen Jahres nach Brasilien zu fliegen: "Wenn ich ehrlich bin, bin ich wegen Hobalala nach Rio geflogen. João musste es für mich spielen", erklärte der Journalist und Romancier gegenüber der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit".

Angefangen hatte alles Mitte der 1990er Jahre - Fischer arbeitete damals für die Hamburger Zeitschrift "Tempo" - als er zum ersten Mal das Lied "Hô-bá-lá-lá" hörte. Es ist eine der wenigen Kompositionen aus der eigenen Feder João Gilbertos. Der vierte Track des bereits 1959 erschienenen legendären Albums " Chega de Saudade" legte fast vier Jahrzehnte später den Grundstein für die Bossa-Nova-Leidenschaft des deutschen Schriftstellers.

Fischers Wunsch erfüllte sich nicht, aber die Reise nach Brasilien sollte ein kurioses Buch hervorbringen, das im April beim Berliner Verlag Rogner & Bernhard erschienen ist . " Hobalala – Auf der Suche nach Joã o Gilberto" versucht das Geheimnis hinter dem Namen João Gilberto Prado Pereira de Oliveira zu lüften.

Fünf Wochen in Rio

Fischer musste sich - wie er sagte - "mit eigenen Augen" auf die Suche machen. Den Musiker selbst hat er nicht getroffen. Gilberto lebt seit fünfzehn Jahren vollkommen zurückgezogen in dem Viertel Leblon in einer Wohnung, aus der er jederzeit vertrieben werden kann. Während der fünf Wochen, die Fischer in Rio de Janeiro blieb, sprach er jedoch mit vielen Wegbegleitern João Gilbertos. Er unterhielt sich mit dem Pianisten João Donato, dem Jazz-Gitarristen Roberto Menescal und Gilbertos aktueller Lebensgefährtin Cláudia Faissol. Mit ihr hat der Musiker eine Tochter. Später reiste Fischer noch nach Diamantina im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Hier lebte der Musiker in den 1950er Jahren im Haus seiner Schwester.

Bucht von Rio de Janeiro

In Rio de Janeiro sprach Marc Fischer mit Weggefährten von Joao Gilberto

Der Journalist Fischer beweist in Hobalala literarisches Geschick und würdigt die große Bedeutung João Gilbertos in der internationalen Musikszene. Dies lässt auf einen Verkaufserfolg für den Verlag schließen. Rogner & Bernhard hat bereits einige musikalische Titel veröffentlicht, u.a. ein Buch über Bob Dylan und ein Buch über die Platte A Love Supreme von John Coltrane.

"Der große, alte Roberto Menescal saß an seinem riesigen Schreibtisch und klimperte auf der Gitarre herum, als ich eintrat. Er trug eine Armeejacke und einen weißen Bart und sah haargenau aus wie Ernest Hemingway in nett. Genau wie er war Menescal früher auch oft mit seinen Bossa Nova Freunden auf dem Meer gewesen und hatte einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser gezogen. (…) João Gilberto war bei diesen Fahrten nie dabei gewesen. Er hasst das Meer. Er badet nicht, er schwimmt nicht, er segelt nicht ..." schreibt Marc Fischer in seinem Buch.

Fischers Suche nach dem geheimnisvollen João Gilberto, der am 10. Juni 1931 in dem kleinen Dorf Juazeiro im brasilianischen Bundesstaat Bahia geboren wurde, erstreckt sich über 220 Seiten. Er würdigt die Genialität des Künstlers, die seinerzeit den intimen Charakter der Bossa Nova prägte.

Plötzlicher Tod

Wenige Tage vor der Fertigstellung des Buches schockierte die Nachricht vom Tod des erst 40jährigen Schriftstellers die Öffentlichkeit. Als Autor von Büchern wie Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind), Jäger oder Eine Art Idol, beeindruckte Fischer seine Leser mit seinem ganz eigenen Stil, Phänomene der Popkultur zu betrachten. In einem Text über den US-amerikanischen Sänger Lenny Kravitz schrieb er lieber über Gott und den Teufel. Mit der isländischen Sängerin Björk kletterte er während eines Interviews für Tempo aufs Dach.

Auch die aus Rio de Janeiro stammende Sängerin und Komponistin Joyce hat Fischer für Hobalala interviewt. In ihrem Blog schreibt Joyce über das große Talent des Journalisten. Vergangenen Dezember hatte sie sich mit ihm in einem Café in Ipanema getroffen: "Es war eine wunderbare Unterhaltung. Eine Unterhaltung, die stattfindet, wenn der Reporter das Thema, über das er spricht, kennt (...) Er kannte sich sehr gut aus. Er wusste alles und wollte für das Buch, das er perfekt schreiben konnte, lediglich eine persönliche Meinung seiner Gesprächspartner, ohne dass es für ihn Arbeit bedeutete, mit uns zu sprechen".

Der brasilianische Journalist Zuza Homem de Mello sagte einmal, dass "es nur selten jemand wagt über João Gilberto zu schreiben, ohne ihn stark zu verehren, ohne begeistert von seinen Darbietungen oder Schallplatten zu sein". Marc Fischer verehrte den Bossa-Nova-Meister. Seit dem Tag, an dem er zum ersten Mal Ho-bá-lá-lá gehört hatte.

Autor: Felipe Tadeu/ Anna Pellacini
Redaktion: Mirjam Gehrke

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