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Wirtschaft

Auf der Suche nach dem Trend

Die Musikindustrie leidet unter sinkenden Umsatzzahlen. Der große Glanz der letzten Jahre ist verblasst. Auf der Popkomm in Köln suchen die Unternehmen nun nach dem Weg aus der Krise.

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Sarah Connor bei "Stars 2002": die Musikindustrie steckt im Umsatztief

"Stars 2002" hieß die erschreckend gehaltlose und nur mäßig besuchte Eröffnungsgala, die der Popkomm einen bezeichnenden Beginn bescherte: Es läuft nicht mehr rund in der Musikindustrie. Der Absatz von Tonträgern ist im ersten Halbjahr 2002 um über zehn Prozent gesunken und auch die Popkomm ist geschrumpft. Die Zahl der Aussteller ist um gut fünf Prozent zurückgegangen und die Besucherprognosen kündigen deutliche Einbußen an.

Kampf gegen Musikpiraterie

Hauptursache der Krise ist nach Angaben der Musikindustrie das Herunterladen von Musik aus dem Internet und die spätere Weitergabe auf gebrannten CDs. "Laut einer Studie über das Kopierverhalten der Deutschen liegt der Musikanteil bei privaten CD-Kopien bei 55 Prozent," erklärt Hartmut Spiesecke vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Die Unternehmen arbeiten derzeit an Konzepten, mit denen der Musikpiraterie Einhalt geboten werden kann.

Für Carl Mahlmann, Business Planning Director bei EMI, gehören die breite Einführung eines wirksamen Kopierschutzes und die vehemente Bekämpfung der Musiktauschbörsen im Internet zu den grundlegenden Maßnahmen, um die Probleme der Branche zu lösen. Die Überlegungen der Plattenfirmen reichen dabei vom Aufbau legaler Internet-Angebote bis hin zur Einspeisung fehlerhafter Dateien in die bestehenden Tauschbörsen, um deren Popularität zu mindern.

Neue Formate

Um wieder CDs zu verkaufen, wollen die Unternehmen neben der Bekämpfung illegaler Angebote vor allem neue Kaufanreize schaffen, damit die Kunden wieder bereit sind, für die Produkte zu zahlen. Einen Versuch will die Industrie durch die Einführung der "kleinen Single" starten. Diese enthält statt wie bisher fünf Songs nur zwei und kann daher zu einem niedrigeren Preis angeboten werden.

Nicht nur über günstigere Preise, sondern auch über die Qualität sollen die Kunden wieder zurück in die Läden geholt werden. Philips und Sony haben bereits vor einiger Zeit das "Super Audio CD"-Format vorgestellt, das eine besonders hohe Tonqualität aufweist. In eine ähnliche Richtung zielt die DVD-Audio, welche die hohe Speicherkapazität der DVD nicht für Bilddaten, sondern für besonders hochwertige Musikaufnahmen nutzt. Grundsätzlich forciert die Musikindustrie die Entwicklung der verschiedenen DVD-Formate, nachdem sie mit Konzertmitschnitten und Musikvideos auf DVD überraschende Erfolge erzielt hat.

Trendforschung

Doch technische Möglichkeiten allein bringen noch keinen Erfolg. Neben der Diskussion rund um Aufnahmemedien und Distributionswege steht in Köln daher die Frage nach den aktuellen Trends im Vordergrund. Unter dem Titel "Wie tickt unsere Jugend?" diskutierten Medienexperten über die Jugendstudie "Timescout". Smudo von den "Fantastischen Vier" stellte dabei die These auf, dass Trends heute so schnell wechseln, dass gar keine ausgeprägte und eigenständige Jugendkultur entstehen kann.

Claus Strunz, Chefredakteur der Bild am Sonntag, nannte das grundsätzliche Problem, dass Trends nicht planbar seien und daher kaum prognostiziert werden könnten. Viva-Chef Dieter Gorny erklärte, dass die technischen Fortschritte nicht zu mehr Kreativität führten. Deshalb griffen die Diskussionen rund um die wirtschaftliche Verwertung ins Leere. Die Rekrutierung von Künstlern habe eine viel höhere Priorität.

Kontroverse Gespräche gab es viele auf der Popkomm – eine klare Linie war allerdings kaum zu erkennen. Wann die Musikindustrie wieder ihre alte Stärke erlangen kann, bleibt weiter ungewiss.

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