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Kultur

Auf der Flucht vor dem Krieg

Madiha und ihr Mann Mohammed sind Kurden aus dem Nordirak und leben mit ihren drei Kindern in Köln. Hier haben sie für die Dauer des Irak-Krieges Asyl erhalten. Wie geht es ihnen? Was wissen sie von der Familie daheim?

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Kurdische Familien fliehen aus dem Irak

Der weiße Hochhausblock ragt in den Frühlingshimmel. Löcher klaffen im Putz, zertretene Kippen bedecken den Betonboden. Graffitis leuchten von den Wänden. Es ist die unwirtliche Seite Deutschlands, hier, im Kölner Stadtteil Ostheim, in dem Madiha und ihr Mann Mohammed für die Zeit ihres politischen Asyls zu Gast sind. Kinder spielen zwischen parkenden Autos.

Leben fern der Heimat

Der Fahrstuhl rattert in den zwölften Stock. Schuhe ausziehen an der Tür. Schön sei das Leben hier nicht, sagt Madiha, aber immer noch besser als in der Heimat. Sie kommen aus Kirkuk, jener Ölstadt im kurdisch bevölkerten Nordirak, die noch immer von Saddam Husseins Leuten beherrscht wird. Seit drei Tagen gibt es kein Lebenszeichen mehr von daheim. Seit einer Woche macht sich in der ganzen Familie Nervosität breit. "Wir haben keinen Kontakt mehr zu unserer Familie", sagt Madiha. Sie erklärt weiter, dass sie alle schon viel unter dem irakischen Regime gelitten hätten. Saddam sei nicht nur für die Araber, sondern auch für die Kurden eine große Katastrophe. Die Familie hofft, dass der Diktator schnell verschwindet. Doch Madiha zweifelt im Augenblick an einer schnellen Lösung: "Aber so wie wir in den Medien hören, dauert das wohl ..."

Der Fernseher ist im Dauereinsatz. N-TV, CNN, die ARD, vor allem westliche Medien schicken ihre Kriegs-Bilder in das Wohnzimmer der Flüchtlingsfamilie. Madiha hofft auf ein baldiges Kriegsende, auf einen schnellen Sieg der Alliierten. Doch die Meldungen und erst recht die Bilder enttäuschen. Madiha erzählt, wie das war, als sie die amerikanischen Kriegsgefangenen im Fernsehen gesehen haben. "Das haben wir eigentlich nicht erwartet", sagt sie, "zur Zeit sehen wir keinen Sieg für die USA ...."

Das Misstrauen gegenüber den USA ist groß

Der Widerstand sei so groß, vermutet Madiha, weil die Iraker den Amerikanern misstrauen. Schon einmal - 1991 - habe Washington die Iraker im Stich gelassen. Zwölf Jahre später sei Saddam noch immer da. Die Bilder von den Bombeneinschlägen betrachtet sie mit gemischten Gefühlen. "Wenn wir die Feuer sehen in - Bagdad , in Kirkuk oder Musil - hoffen wir, dass diese Feuer nicht in Wohngebieten sind, sondern nur in den Palästen von Saddam Hussein, also in Militäranlagen und so 'was. Wir hoffen, dass unschuldige Menschen nicht getötet werden."

Ein würziger Essensduft zieht durch die spärlich eingerichtete Wohnung. Auberginen mit Reis schmoren im Kochtopf auf dem Herd, während Madihas Mann Mohammed zur Arbeit unterwegs ist und die drei Kinder in der Schule und im Kindergarten. Krieg in der Heimat - noch längst ist nicht klar, welche Überraschungen er bereithält. Madiha und ihre Familie haben Angst, dass die Türkei den Nordirak besetzt. Oder dass es dort einen Krieg zwischen den kurdischen Peschmerga und den türkischen Soldaten geben werde.

Sorge um die Familie

Das wäre die Katastrophe für Madiha, die sich schon jetzt Sorgen macht um die Zurückgelassenen – den alten Vater, die schwangere Schwester, die kranke Schwiegermutter. Während sie in Sicherheit ist, bei den Deutschen.

"Die Deutschen reagieren mit Mitgefühl, sie wollen den Krieg nicht." So beobachtet Madiha die Stimmung in Deutschland. Aber die Deutschen wüssten auch, dass das irakische Regime eine Diktatur ist und abgelöst werden müsse. "Die Deutschen haben im Krieg gelebt", sagt Madiha, "sie haben Erfahrung, sie wissen, was zur Zeit im Irak läuft, was passiert. Krieg ist immer Krieg. Krieg zerstört alles."