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Kultur

Auf der "Autobahn Gottes" - Pfingstkirchen in Nigeria

Pfingstkirchen in Afrika versprechen Seelenheil, Gesundheit und Reichtum. Beten, Geld spenden und dafür göttlichen Beistand erfahren gehört zum Geschäft der Pfingstler in Nigeria. Auch ein Deutscher mischt kräftig mit.

Nigerianerin im Pfingsttaumel, Quelle: AP

Hunderttausende wollen das Pfingstereignis selbst erfahren - wie diese Frau in Nigerias Hauptstadt Lagos

Lagos, die Millionenmetropole an der Atlantikküste Nigerias, ist nicht nur das wirtschaftliche Zentrum des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas. Es ist auch ein Zentrum christlicher Mission. Von der kleinen Stadtteilgemeinde bis hin zum religiösen High-Tech-Zentrum mit Kathedrale, Universität und Einkaufszentrum findet sich hier eine kaum überschaubare Vielfalt von Pfingstkirchen. Der Erfolg der Pfingstkirchen strahlt inzwischen auch auf die traditionellen christlichen Kirchen in Afrika aus: Rhythmische Musik, lautstarke Predigten, der Kampf gegen böse Geister und Wunderheilungen finden immer mehr Anhänger.

"Lager der Erlösung" und "Autobahn Gottes"

Jeden Sonntag wollen in Lagos Hunderttausende das Pfingstereignis selbst erfahren, den Heiligen Geist spüren. Dann strömen die Gläubigen in die zahllosen kleinen und großen Kirchen der Stadt. Die erfolgreichsten unter ihnen haben an der Ausfallstraße nach Ibadan wahre Kathedralen errichtet mit Platz für Zehntausende. Über den Eingängen prangen Überschriften wie "Berg des Feuers und der Wunder" oder "Botschaft Christi" oder "Redemption Camp", "Lager der Erlösung". Dieser "Religions- Highway", die "Autobahn Gottes", ist bereits weltweit zu einem Symbol geworden für den Erfolg, den die charismatischen Kirchen in Afrika haben.

Mitglieder einer Pfingskirche warten auf die Predigt, Quelle: AP

Mitglieder einer Pfingstkirche warten auf die Predigt

Nach Angaben der "World Christian Database" in Boston steht Nigeria weltweit an dritter Stelle, was die Zahl der Mitglieder der Pfingstkirchen betrifft (etwa 3,9 Millionen), hinter Brasilien mit mehr als 24 Millionen und den USA mit rund 6 Millionen. Was die Menschen zu diesen Kirchen hinzieht, ist angeblich die Hoffnung auf Erlösung von Armut und Krankheit schon im Diesseits. Während traditionelle Kirchen allzu oft auf das Jenseits vertrösten, versprechen die Pfingstler direkte Hilfe durch Gottes Segen.

Ein Prophet mit Mission

Der Ingenieur Ejiah Ndifon hat zu diesem Zweck selbst eine Kirche gegründet, die Royal Kingdom Citizen International. Seitdem nennt er sich Prophet und erklärt seine Mission so: "Es gibt so viele Leben, aus denen etwas Großes werden könnte, aber sie können ihr Schicksal nicht verwirklichen, weil es niemanden gibt, der ihre Visionen unterstützend begleitet. Royal Kingdom Citizen bietet genau diese Begleitung, bringt Menschen und deren Leben in Einklang mit der Reinheit Gottes."

Und so lernen die Gläubigen, dass der Heilige Geist ihr Schicksal ganz direkt zum Guten wenden kann. Denn Krankheit und Misserfolg plagen nur den, der sich nicht gegen das überall gegenwärtige Böse wehrt und kein gott-gefälliges Leben führt. In diesem Kampf gegen das ganz reale Böse liegt einer der Gründe für den Erfolg der Pfingstkirchen, erklärt Erhard Kamphausen, langjähriger Leiter der Missionsakademie an der Universität Hamburg.

"Alte afrikanische Traditionen, die durch das Missionschristentum nicht absorbiert oder marginalisiert wurden, werden voll aufgenommen. Hexerei, Magie sind Realität, man hat nur die entsprechende Macht, dagegen anzugehen", so Kamphausen. Diese Macht, gegen das Böse anzugehen, erfahren die Gläubigen im Gottesdienst: Glaubensbrüder und -schwestern, denen der Heilige Geist geholfen hat, legen Zeugnis ab; Priester betätigen sich als Wunderheiler.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie ein Deutscher versucht, den Afrikanischen Kontinent zu bekehren.

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