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Bildung

Auf den Spuren Einsteins: die FU Berlin

Ein bisschen steht die FU in letzter Zeit im Schatten der viel älteren Humboldt-Universität. Dabei ist sie die größte der vier Berliner Unis und die erste, die sich mit dem Titel Elite-Universität schmücken durfte.

Im 1952 bis 1954 errichteten Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin befinden sich neben dem Max-Kade-Auditorium (Audimax) weitere Hörsäle und Konferenzräume. Quelle: Bernd Wannenmacher

Berlin Freie Universität Henry-Ford-Bau

Berlin ist hip. Junge Leute und Künstler aus aller Welt zieht es die Hauptstadt. In der Metropole brodelt es, und sie hat gegenüber London, Paris oder New York einen Riesenvorteil: Noch sind die Preise moderat, und so können sich auch Studenten das Leben hier leisten. 28.500 von ihnen sind an der Freien Universität eingeschrieben, 17 Prozent davon aus dem Ausland. Bei den Doktoranden liegt der Ausländeranteil sogar bei 23 Prozent. Wählen können die jungen Leute zwischen mehr als 150 Studiengängen. Das bekannte Charité-Klinikum, das von der FU und der Humboldt-Universität gemeinsam betrieben wird, ist die größte medizinische Fakultät Europas.

Ganz vorn in den Geisteswissenschaften

Viele Schilder weisen hier in der Thielallee in Berlin-Dahlem die Wege zu den verschiedenen Gebäuden, Wissenschafts- und Fachbereichen der Freien Universität (FU) Berlin Foto: picture-alliance/dpa

Wo geht's lang zum "Dahlem Humanities Center"?

Schon 2007 gehörte die FU zu den Exzellenzuniversitäten. 2012 konnten die Berliner diese Auszeichnung erfolgreich verteidigen: Die Freie Universität gehört erneut zu den wissenschaftlichen Top-Adressen. Besonders im Bereich der Geisteswissenschaften ist die FU hoch angesehen und steht in den Rankings ganz oben.

Die deutschlandweit einmalig breite Forschung auf diesem Gebiet ist unter dem Dach des "Dahlem Humanities Center" zusammengefasst. Ausgefallene Fächer wie Arabistik und Judaistik sind dabei eine Besonderheit, die man an anderen deutschen Unis erst suchen muss. Das "Center for Area Studies" bündelt die regionalwissenschaftliche Forschung zu Nord- und Lateinamerika, Osteuropa und Ostasien, dem Vorderen Orient und einzelnen europäischen Ländern. Das Otto-Suhr-Institut schließlich ist eine der renommiertesten politikwissenschaftlichen Einrichtungen Europas.

Gut vernetzt

Maßstäbe hat die FU bei der Exzellenzinitiative mit ihrem internationalen Netzbildungswerkkonzept gesetzt, auf Englisch "International Network University" genannt. Die Idee dahinter ist einfach und doch effektiv und überzeugte die Jury bei der Vergabe des Exzellenzsiegels: Es geht darum, die Qualität der internationalen Universitätskooperationen zu erhöhen. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Mit den zusätzlichen Geldern wird die Nachwuchsförderung weiter ausgebaut.

In unterschiedlichen Bereichen - etwa den Regionalstudien und den Nanowissenschaften - werden die Entwicklung und Evaluierung von Forschungsprojekten vorbereitet. Schnittstelle der internationalen Zusammenarbeit sind die sieben Büros der Universität im Ausland: in Brüssel, Kairo, Neu-Delhi, New York, Moskau, Peking und São Paulo.

Freiheit verpflichtet

Studentendemonstration mit Plakaten Foto: Ralf Hirschberger/lsn dpa - Report

Auch heute noch gehen Studierende für ihre Rechte auf die Straße

Die internationale Ausrichtung der Freien Universität Berlin begann schon früh, und das hat mit ihrer Geschichte zu tun. Die Geburtsstunde der FU schlug am 4. Dezember 1948. Damals, kurz nach dem II. Weltkrieg, war Berlin von den Siegermächten noch in vier Sektoren aufgeteilt. Die altehrwürdige - schon 1810 gegründete - Humboldt-Universität lag im sowjetischen Sektor.

Dort ging man sehr rigoros gegen systemkritische Studenten vor, so dass Studierende und Wissenschaftler, unterstützt von den US-amerikanischen Alliierten und Berliner Politikern, die neue Hochschule gründeten. Die "Insellage" im Westen Berlins im geteilten Deutschland zwang die Uni also, Verbindungen nach Westdeutschland, Europa und in die ganze Welt zu knüpfen, um intellektuell bestehen zu können. Das zahlt sich heute aus: Derzeit pflegt die Freie Universität mehr als 150 Partnerschaften mit wissenschaftlichen Einrichtungen weltweit.

Rang 1 bei Gastwissenschaftlern

Für internationale Forscher ist die FU eine führende Adresse; 2012 zog sie einer Studie der Humboldt- Stiftung zufolge in puncto Beliebtheit bei ausländischen Gastwissenschaftlern sogar an der sonst so gerühmten Ludwig-Maximilians-Universität München vorbei und landete auf dem ersten Platz.

"Veritas - Justitia - Libertas" - "Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit" ist der Wahlspruch im Siegel der FU. 1968 war sie ein zentraler Ort der Studentenproteste, von hier gingen Impulse aus für mehr Offenheit, Gleichberechtigung und Demokratie. Bis heute vergibt die Uni einen Freiheitspreis an Verfechter dieses Grundrechts, zum Beispiel an den südafrikanischen Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.

Junge Universität – reiche Tradition

Norman Foster Philologischen Bibliothek, Freie Universität Berlin. Quelle: David Ausserhofer

Einstein hätte das "Berliner Brain" bestimmt gefallen

Die Freie Universität ist im grünen Südwesten Berlins im Stadtviertel Dahlem zuhause. Der Campus besteht aus Gebäudegruppen, die alle fußläufig zu erreichen sind: Die Planer orientierten sich 1948 am US-amerikanischen Campustyp, eine Neuheit im Nachkriegsdeutschland.

Doch auch ehemalige Gebäude der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Vorläuferin der Max-Planck-Gesellschaft, wo schon Albert Einstein, Max Planck und Werner Heisenberg forschten, gehören heute zum Komplex. Und seit 2005 ist man stolz auf das "Berliner Brain" - so nennt der Berliner Volksmund die neue Philologische Bibliothek. Stararchitekt Lord Norman Foster, der schon dem Reichstag eine gläserne Kuppel aufsetzte, hat das transparente Gebäude entworfen. Hier können die Studierenden lesen, recherchieren und von einer Zukunft in den Fußstapfen Albert Einsteins träumen.

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