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Kultur

Auf den Spuren des Weißen Elefanten

Vor 1200 Jahren machten sich drei Gesandte vom Aachener Hof Karls des Großen auf den Weg nach Bagdad. Zwischenstopp war Jerusalem. Was ihre Reise mit der Gegenwart zu tun hat, zeigt eine Ausstellung in Aachen.

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Der weiße Elefant: Zeichen der Freundschaft zwischen Orient und Okzident

Bagdad und Jerusalem. Wer heute die Namen der Städte hört, denkt zuerst an regionale Interessenkonflikte, Religionskrieg, "Kampf der Kulturen". Von Aachen redet die Weltöffentlichkeit überhaupt nicht mehr. Oder nur dann, wenn der "Karlspreis" vergeben wird - der älteste und bekannteste Preis, mit dem Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet werden, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.

Auch die Reise von Aachen über Jerusalem nach Bagdad, um die es im folgenden geht, ist weitgehend vergessen. Dabei steht sie symbolisch für eine Reise durch drei Religionskreise: das Christentum, das Judentum und den Islam.

Die Mission

Im Jahr 797 nach christlicher Zeitrechnung (4557 nach jüdischem und 175 nach muslimischem Kalender) machen sich drei Männer im Auftrag des Königs der Franken, Karls des Großen, auf die Reise nach Bagdad: Zwei Gesandte, die fränkischen Edelleute Lantfried und Sigismund, werden mit dem jüdischen Kaufmann und Dolmetscher Isaak zu Harun ar-Rashid, dem Kalifen von Bagdad und Herrscher der Abbassiden, geschickt. Ziel der Mission: Kontakte aufbauen und pflegen.

Der Weg des weißen Elefanten

Die Zwischenstation in der Heiligen Stadt Jerusalem zeigt: Die Debatte, welche Religion die richtige ist, wird auch vor 1200 Jahren schon geführt – jedoch ohne im Streit sofort zu den Feuerwaffen zu greifen. Die ehrliche Neugier auf die Ansichten der Anderen beflügelt die Diskussionen.

Im Vergleich zum Aachen der damaligen Zeit mit seinen 400 Einwohnern ist Bagdad eine pulsierende Metropole mit mehreren Hunderttausend Einwohnern, berühmt für seine Universitäten und Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. "Bagdad war als Handelsstadt und Stadt der Bildung weit über den Orient hinaus von zentraler Bedeutung", erläuterte Kurator Georg Minkenberg. Dennoch ist der Orient im Europa jener Zeit weitestgehend unbekannt.

Nach mehreren Monaten Aufenthalts in Bagdad machten sich die Europäer auf den Heimweg – beladen mit Geschenken. Das imposanteste ist ein weißer indischer Elefant, ein Symbol der Freundschaft des muslimischen Kalifen mit dem christlichen König. Die Rückreise erweist sich als extrem beschwerlich: Der Elefant ist wesentlich behäbiger als ein Pferd. Die drei kommen nur schleppend voran. Vier Jahre dauert es letztendlich, bis jüdische Kaufmann Isaak zurück in Aachen ist. Die beiden Gesandten Lantfried und Sigismund sind unterwegs gestorben.

Die Inszenierung der drei Städte

Für die Einzelheiten der Reise gibt es keine historisch gesicherten Quellen. Allein den Einzug Isaaks in Aachen auf dem Rücken des weißen Elefanten am 20. Juli 802 hat der Hofchronist Karls des Großen penibel festgehalten. Der Rest ist Spekulation. Mit Keramik, Schmuck, Stoffen, Ikonen, Leuchtern, Handschriften und Büchern jener Zeit versuchen die Ausstellungsmacher der "ex oriente"-Schau, die Vergangenheit erlebbar zu machen. Im Krönungssaal des Aachener Rathauses wird Bagdad als orientalische Metropole inszeniert.

Porzellan aus China, Gewürze und Seidenstoffe zeigen, dass sich dort alles um den Handel drehte. Im Basar um 800 gab es eine Moschee, aber auch eine jüdische Akademie und vor den Toren Bagdads ein christliches Kloster. Die Aachener Domschatzkammer und der Kreuzgang beherbergen die Heilige Stadt Jerusalem. Das Aachen im 9. Jahrhundert wird auf der Domplatte in Szene gesetzt.

Brücke zur Gegenwart

Die Ausstellung will eine friedliche Geschichte der kulturellen Begegnung und des Austauschs der drei Weltreligionen erzählen. Den heutigen, kritischen Blick auf die Vergangenheit sollen zeitgenössische Künstler aus Deutschland, Israel, den Palästinensergebieten und dem Irak werfen. "Wir wollen nicht die Vergangenheit romantisieren, sondern Fragen aufwerfen", betont Ausstellungskurator Wolfgang Dreßen.

Dazu gehöre auch die Frage zu stellen, was aus Isaaks Nachfahren in Aachen während des Nazi-Regimes wurde. Oder welche Verbindungen der moderne Waffenhandel und Opiumschmuggel zwischen Orient und Okzident geschaffen hat. Doch obwohl es an Querverweisen, Erläuterungen und Anregungen zum Selbststudium nicht mangelt, bleiben viele Fragen offen. (arn)

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